Unsere Gesellschaft befindet sich in einem ausgeprägten Umbruch, daran gibt es nichts zu rütteln. Gesellschaftlicher Wandel ist nicht leicht wahrnehmbar. Nur 1 bis 2 Prozent pro Jahr ändern sich die unterschiedlichen Indikatoren die den Wandel anzeigen. Im Laufe der Zeit ergibt sich daraus jedoch eine erhebliche Summe.

Die absolute Ruhe! von http://fotowettbewerb.hispeed.ch
Wir bewegen uns vom “Haben zum Sein”. Der Postmaterialismus klopft an, der Lifestyle of Health and Sustainability (LOHAS) führt uns das vor Augen.
Lohas sind intensive Leser und kaufen mehr Bücher als durchschnittliche Amerikaner. Sie sehen weniger fern, weil sie die meisten TV-Sendungen nicht mögen und die Qualität der Nachrichtensendungen für bedenklich ahlten…In dem Streben nach Authentizität lehnen sie schlechte Qualität und Wegwerartikel ebenso ab wie Markenwahn! [Paul Ray, amerikanischer Soziologe].
LOHAS sind die Vorboten des Wechsels vom “Haben zum Sein”. Der neue Luxus manifestiert sich in Zeit, Ruhe, Gesundheit, Sicherheit, intakter Natur und SINN. Lesehotels, Volunteering, Urlaub am Bauernhof, Bildungsurlaub sind nur einige Stichworte an denen die Entwicklung vom Haben zum Sein ablesbar ist. Das Erleben, ist eine Form des Seins. Erlebnisse finden im Kopf statt, was bedeutet, dass das Geschichtenerzählen keine Einbahnkommunikation ist. Der Rezipient (Gast, Urlauber) nimmt Informationen der Geschichte auf und interpretiert sie nach seinem persönlichen Hintergrund. Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir im Tourismus wissen, wer unsere Gäste sind. Das Erlebnis ist das Besondere, das Außergewöhnliche. Danach suchen alle, auch die LOHAS. Dabei ist die Masse verpönt und das Individuelle gefragt.
Die ganze Reichweite der sich anbahnenden Veränderungen vom Haben zum Sein können wir noch nicht in seiner Gesamtheit begreifen. Das ist auch nicht notwendig. Fest steht, es wird Gewinner und Verlierer geben und Wege entstehen im Gehen.
Im Moment tun sich bei mir laufend interessante Gespräche auf, deren Inhalte hier wiederzugeben mich und den Leser wahrscheinlich überfordern würden. Eine Begegnung – mit einem bekannten Schauspieler – war für mich persönlich aber besonders wertvoll und bereichernd.
Das Vergnügen Johannes Silberschneider kennenzulernen wurde mir im Zug zuteil. Er kam mir bekannt vor, was mich dazu ermutigte ihn direkt anzusprechen: “Wir kennen uns doch von irgendwoher!?” Die Bekanntheit stellte sich sehr rasch als einseitig heraus, da mir sein Gesicht aus Film und Fernsehen vertraut war. Es ergab sich aber ein äußerst interessantes Gespräch über den Zustand der Wirtschaft und der Gesellschaft. Es war äußerst bereichernd für mich, das Thema mit meinem systematischen Ansatz und seinem künstlerischen Hintergrund zu beleuchten; ein interessanter Diskurs entstand, der in der Aussage von Johannes Silberschneider gipfelte:
Wir leben im Druckkochtopf der Weltgeschichte!
Wie diese Aussage die Situation auf den Punkt bringt, ich war begeistert. Das Wesen des Druckkochtopfs ermöglicht eine beschleunigte Entwicklung, ein schnelleres Zubereiten von Speisen. Doch irgendwann ist jede Speiße gar, der Deckel wird entfernt und der Druck entweicht!
Leider beendete der Zugendbahnhof unser Gespräch viel zu schnell und unsere Wege trennten sich. Für mich ging es weiter zum Online Nachhaltigkeitsgipfel (davon später), bei dem sich wiederum eine Vielzahl interessanter Konversationen auftaten.
Morgen ist es soweit und die erste Online-Nachhaltigkeitskonferenz startet.

http://www.online-nachhaltigkeitsgipfel.de/
Zugelassen wurden 100 Personen – und ich bin mit dabei. Bin schon gespannt was auf mich zukommt. Werde natürlich von meinen Erfahrungen berichten. Leider darf die Konferenz-Dokumentation nicht weiterverbreitet werden.
Ha, Schokolade…hmmm. Nach dem Mittagessen, auf dem Weg ins Büro, hinein ins Geschäft und sich eine kleine Nachspeise holen. Oft kann ich der Versuchung nicht wiederstehen. Letztens wollte ich mich testen und kaufte gar eine Packung Cookies. 1 bis 2 esse ich jetzt, den Rest morgen, übermorgen usw…so sah es zumindest mein Plan vor. Bis es dann kurz nach 14 Uhr war, sich in meinem Körper ein leichtes Unwohlsein ausbreitete und die Packung Cookies leer war.

Verzicht auf Schokolade?
Diesen Schuss vor dem Bug habe ich wahrscheinlich gebraucht, heute und gestern blieb ich gegen alle Schokoladeversuchungen immun. Wobei so ein bisschen Schokolade…ich mach eh viel Sport… …
Worum es geht ist Suffizienz – freiwilliger Verzicht. Um unsere Probleme in den Griff zu bekommen, wird eine Effizienzstrategie alleine nicht ausreichend sein. Jeder Wissenschaftler wird Ihnen das bestätigen können. Und da höre ich schon alle rufen, das geht nicht, das klappt nicht, der Mensch verzichtet nicht freiwillig. Das traurige ist, die “Zurufer” haben wahrscheinlich recht. Meine Schokolade-Analogie zeigt das glaube ich ganz deutlich, man (oder zumindest ich) braucht den Schuss vor den Bug.
Schokolade ist “harmlos” und wirkt nur auf mich, ich spüre direkte Betroffenheit (Ursache – Wirkung). Unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ist allerdings schwer zu durchschauen. Die direkte Betroffenheit für das persönliche Handeln existiert eigentlich nicht. Darin liegt die Schwierigkeit dieser Situation. Entschärft – ich wage nicht zu behaupten gelöst – kann diese Situation nur durch Bildung und Verständnis über das Gesamtsystem werden. Was Komplexität vermuten lässt, kann jedoch in kurzer Zeit dargestellt und abgebildet werden. Die Grundmuster unserer Entwicklung sind eigentlich verblüffend einfach.
Langsam kristallisiert sich heraus, dass sich die Strukturen ändern. Das betrifft uns alle. Vom Tourismusbetrieb und die Gemeindestube bis hin zum einzelnen Menschen. Wer eine Visitenkarte von mir besitzt, der möge auf die Rückseite sehen: Der Mensch, der den Wind der Veränderung spürt, sollte keinen Windschutz, sondern eine Windmühle bauen. (Chinesische Weisheit).
Die Großstadt und das Land, ein ewiges Spannungsverhältnis! Doch wie groß der Unterschied wirklich ist, wurde mir letztes Wochenende in Berlin wieder bewusst. Zwar lebte ich selber auch 6 Jahre in der Großstadt Wien, doch das ist nun auch schon etwas her und vielleicht sehe ich die Dinge jetzt auch mit anderen Augen. Die Dynamik einer Stadt ist beeindruckend. Wer sich auf die Suche nach unterschiedlichen Lebensstilen, Konsumgewohnheiten und Kulturen macht, ist in Berlin sicherlich gut aufgehoben. [ Natürlich braucht man dazu auch eine "fach- und ortskundige" Führung. - danke Birigt]

Urlaub in Berlin, Urlaub am Tor in die Zukunft
Jeder der im Tourismus arbeitet, sollte sich das Lebensumfeld seiner Kunden einmal genauer ansehen. Von all den “beschworenen” Trends (vgl. LOHAS) sieht man ja am Land recht wenig. Was sich aber in Städten wie Berlin an Unternehmergeist und sozialem Unternehmertum abspielt ist beeindruckend. Hier beginnt gerade die Zukunft. Der Kapitalismus wie wir ihn kennen ist ein Auslaufmodell. Das wird unseren Alltag massiv umkrempeln, der Tourismus von Morgen wird ganz anders gelagert sein als heute. Die LOHAS zeigen dies schon an. Sie tragen schon einen Teil des “neuen” Erbguts in sich. Die Zukunft gehört den Commons, der Zusammenarbeit. Mittel bis langfristig gibt es kein Spiel mehr zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Es wird kein schwarz/weiß – Denken mehr geben! Wir malen uns die Zukunft immer ähnlich der aktuellen Situation aus. Was wir nicht kennen, lehnen wir an unsere Erfahrungswelt an. Ein gutes Beispiel dafür ist die Darstellung von Außerirdischen, die immer menschenähnlich abgebildet werden.
Zurück in die Großstadt. Neue Trends und Entwicklungen entspringen immer in den Städten, in den Urlaubsdestinationen ist davon zunächst nicht viel zu sehen. Dies gilt auch für den anstehenden Strukturwandel weg von der Konkurrenz hin zur Kooperation. Der Wechsel wird nicht schmerzlos ablaufen, doch es liegt in der Hand jedes einzelnen Mut, Engagement und Bereitschaft zu zeigen den Wandel aktiv anzugehen.
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