Archiv für November 2009

Ehrlichkeit, Marketing und die Generation X

Traditionelle Werbung ist tot. Zugegeben, diese Aussage ist etwas überspitzt, doch vertraut man Bonnie Knutson, Professor an der Michigan State University School of Hospitality Business, so muss man zur Kenntnis nehmen, dass die Generationen X und Y (geboren nach 1960)  Werbesprüchen nicht mehrglauben, weil sie unter Werbedauerbeschuss aufgewachsen sind und daher genau wissen, dass Werbung nicht gleich die Wahrheit ist. Knutson hat 3 Vorschläge wie darauf zu regagieren ist:

  • Ehrlichkeit
  • Testimonials
  • und “Community Activism”

Ein weiterer Beleg dafür, wie wichtig das Thema Weiterempfehlung ist. Was früher Mund zu Mund Propaganda war, findet heute online im Internet statt. Ob es uns gefällt oder nicht, durch Bewertungen und Empfehlungen wird Transparenz geschaffen. Eigentlich sollten sich alle Touristiker darüber freuen, denn Transparenz fördert  das Vertrauen und dies ist die Basis jeder (Geschäfts-)beziehung.

Video mit Knutson

Beitrag inspiriert von: Fasten you Seatbelts Blog

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Osttirol: Auf der Suche nach Transparenz und Vertrauen

Gestern wurde mir die Ehre zu Teil, die Ergebnisse eines schulischen Projekts vor den Tourismusvertretern Osttirols zu präsentieren. Was im ersten Moment nicht spektakulär klingt, hatte dennoch eine gewisse Brisanz. Die von den Schülerinnen der HAK durchgeführte Vermieterbefragung (Tourismus) brachte Ergebnisse zu Tage, die für einige Diskussion sorgte. Inhaltlich möchte ich nicht näher auf Details eingehen. Kurz gefasst ging es um die überall bekannte Diskussion bzgl. der Allokation von Werbemittel und mangelnde Gelder für die Produktentwicklung (Link zur Präsentation). Dass die Diskussion aber im Fall von Osttirol berechtigt ist, zeigen die seit 1995 stagnierenden Nächtigungszahlen.

Die Botschaft der Osttirol Werbung

Die Botschaft der Osttirol Werbung

Was für zukunftsfähige Entwicklung bedeutend interessanter ist, war dem Wesen des Osttiroler Tourismus in Form von Organisation und Hierarchie nachzuspüren. Die Zukunft – das lehrt uns die moderne Evolutionsforschung – liegt in der Kooperation. Kooperation ist – laut Wikipedia -  für deren Dauer ein Zusammenschluss im Sinne von Systembildung. Unter Kooperation verstehe ich persönlich freiwillige Kooperation, die natürlich nur Zustande kommt, wenn beide Seiten von der Zusammenarbeit profitieren. Wenn ich von Kooperation spreche, dann geht es in erster Linie um synergetische Kooperation, eine Art von Zusammenarbeit in der Neues entstehen kann. Ein System – und damit Kooperation  – ist (wenn sie funktioniert) mehr als die Summe ihrer Teile.

Wie sieht das nun im (Osttiroler) Tourismus aus? Für mich als Quereinsteiger im Osttiroler Tourismus, war es interessant, die unterschiedlichen Hierarchien und Gruppen wahrzunehmen, zwischen denen eine Kooperation scheinbar nur bedingt stattfindet. Dabei wäre es verfehlt einer Seite schon im Vorhinein den Schwarzen Peter zuzuschieben. Klar ist, dass gerade der Tourismus als System funktionieren muss, wo ein Zahnrad in das andere greift. Erst das produktive Zusammenwirken unterschiedlicher Akteure bringt eine synergetische Kooperation hervor. Diesbzüglich sind flache Hierarchien besonders wichtig. Dazu müssen aber alle bereit sein. Mindestens so gefordert wie die Tourismusverbandsführung in solch einer Situation ist, sind auch die “einfache Mitglieder”. Von ihnen muss die Energie ausgehen, denn bei ihnen findet der Tourismus statt.  Der TVB ist im Gegenzug gefordert, flache Hierarchien zuzulassen, die Innovation begünstigen.

Schlussendlich bleibt aber alles graue Theorie, wenn es am Wesentlichen mangelt: An Vertrauen, Wertschätzung und Transparenz. Diese Kernpunkte herzustellen muss der erste Schritt für ein zukunftsfähige Entwicklung sein!

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Social Business – ein Mosaikstein

Social Business? Sozialunternehmer? Ja, genau dies meint der Begriff.  Nicht Gewinnmaximierung kennzeichnet den Antrieb von Sozialunternehmern, sondern ihnen geht  es darum, mit ihrem Unternehmen gesellschaftliche Probleme zu lösen. Gewinne werden reinvestiert und nicht als Dividende ausbezahlt. Vater dieser Bewegung ist Muhammad Yunus (Link Wikipedia), dessen ursprüngliche Idee es war, die Armut durch Mikrokredite zu besiegen.

Muhammed Yunus - Gründer der Social Business Idee

Muhammad Yunus - Gründer der Social Business Idee

In Tirol wurde dieser Gedanke letzten Donnerstag vom Zukunftszentrum im Rahmen einer “Kick Off” Veranstaltung vorgestellt. Einer der Hauptredner bei dieser sehr gut besuchten Veranstaltung war Peter Spiegel, Veranstalter der ersten deutschsprachigen Konferenz (Vision Summit) zum Thema Social Business. Im Laufe der Veranstaltung wurden viele interessante Beispiel die den Social Business Gedanken widerspiegeln aus den Bereichen Bildung, regionale Lebensmittel, Mikrokredite und Barrierefreiheit präsentiert.

Was diese Veranstaltung mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun hat liegt glaube ich auf der Hand. Wo liegt der Konnex zum Tourismus? Für mich persönlich ist die Social Business Bewegung ein klarer Indikator für den Zustand unserer Gesellschaft. Sie verändert sich und diese Veränderung wird sich wahrscheinlich noch beschleunigen. Das “Mehrungsparadigma”, der Egoismus, der Konsumrausch, kurzum der Materialismus beginnt nachzulassen. Selbstverständlich kann man noch von keiner starken, alle Schichten erfassenden, flächendeckenden Bewegung sprechen. Doch Social Business ist für mich ein weiterer Mosaikstein in der gesellschaftlichen Entwicklung, die wiederum das Urlaubsverhalten ihrer Mitglieder prägt. Wir sind wieder bei der Sinngesellschaft angelangt. Social Business findet im Tourismus ihren Ausdruck z.B. im Volunteering. Das verrichten von sinnvoller Arbeit im Urlaub hat auch in Österreich schon fußgefasst. Die Nachfrage danach wird künftig stark zunehmen.

Wirtschaftsakteure in unserer Gesellschaft sollten all diese Bewegungen, die in Richtung Nachhaltigkeit laufen, auf ihrem Radar haben. “More of the same”  als die bis dato heilsbringe Wirtschafsweisheit wird  in einer Gesellschaft die zusehends nach Sinn und “Substanz” lechzt keine Zukunft haben.

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Lokale Agenda 21 in Tirol

Letzten Freitag (13.11.2009) fand in Innsbruck die Kick-Off Veranstaltung für den Lokale Agenda 21 Prozess in Tirol statt. Die LA21 ist ein so genannter „Bottom up Prozess“, der auf Gemeindeebene abläuft und von den Bürgern getragen werden soll. Die Idee dahinter: Gemeindebürger gestalten unter professioneller Betreuung im Rahmen der kommunalen Möglichkeiten eine nachhaltige Entwicklung der Gemeinde.

(c) Martina Schmalnauer

(c) Martina Schmalnauer

Die große Frage die sich bei dieser Veranstaltung wieder stellte: Seit über 20 Jahren wird versucht das Thema Nachhaltigkeit umzusetzen. Die Ergebnisse sind bis dato sehr bescheiden. Mein letzter Artikel führt auf die Spur warum die Ergebnisse so dürftig sind. Nachhaltigkeit in einem nicht nachhaltigen System zu erreichen, ist wie die Quadratur des Kreises. Diese Tatsache wurde in 2 Vorträgen von Hans Augustin bzw. Josef Heringer auch angesprochen. Nachstehend ein paar Zitate aus ihren Vorträgen:

Wir müssen die Fähigkeit des Erkennens fördern. (HA)

Wir rechnen nicht mehr mit Gott, das ist ein schwerer mathematischer Fehler. (HA zitiert Taschner)

Es geht nicht nur um Kosmetik. (HA)

Wir sind auf der Suche nach Identität … Der Schlüssel liegt im persönlichen Selbstwertgefühl der Bevölkerung. (JR)

Wir brauchen „High-Low-Tech“. (JR)

Vor allem das Finanzsystem soll national sein. (JR zitiert Keynes)

Interessant war auch der Vortrag von Kriemhild Büchel-Kapeller, die über den Zustand bzw. die Bildung von Sozialkapital sprach. Sie konstatierte: „Der soziale Kit wird brüchig“. Das Sozialkapital bräuchte ein Konjunkturpaket. Sie forderte „Menschen zu bewegen statt Papier zu produzieren“. Um Menschen zu aktivieren bedarf es der Kommunikation einer Vision. Einer Vision mit Zugkraft, einer Vision von Lebensqualität. Damit sich in unserer Gesellschaft etwas ändert, müssen die Menschen ihre Komfortzone verlassen, so lautet ihr Aufruf. Dazu bedarf es Bewusstseinbildung. Diese Bildung ermächtigt die Bevölkerung zum Handeln, was wiederum zu Änderungen in der Struktur führt.

Die Vorträge führten in Summe vor Augen, was für jegliche nachhaltige Entwicklung notwendig ist. Projekte die nicht von unten wachsen und gleichzeitig von oben mit-getragen werden, können per se nicht nachhaltig sein. Der Hut brennt, der strukturelle Wandel deutet sich überall schon an. Ob als einfacher Bürger, Unternehmer oder Politiker, alle sind wir gefordert unsere Komfortzone zu verlassen und zu handeln.

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Wo liegt der Hemmschuh beim Thema Nachhaltigkeit?

Der erste Online Nachhaltigkeitsgipfel war meiner Ansicht nach geprägt von einem „wir wollen nachhaltig sein, wissen aber nicht wie“? Wieso diese Ratlosigkeit, diese Stagnation in der Nachhaltigkeitsdiskussion seit beinahe schon Jahrzehnten? Wenn es z.B. um Effizienzsteigerungen in Wirtschaftsprozessen geht, sind wir doch auch nicht so zögerlich! Was hält uns davon ab nachhaltig zu agieren, wieso schaffen wir kaum einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit? Nachstehend die Antwort auf diese Frage, angelehnt an eine „nachhaltige“ 3-teilige Gliederung der betrieblichen Produktion.

Warum gehen wir nicht behutsam mit der Erde um?

Warum gehen wir nicht behutsam mit der Erde um?

Ökonomischer Bereich – Produktionsmittel: Diese werden abgeschrieben, das bedeutet die Wertminderung z.B. einer Maschine im Laufe der Jahre wird erfasst (Abschreibung) und berücksichtigt. Durch Abschreibungen wird dem Prinzip der Bestandserhaltung des Produktionsapparats Rechnung getragen. Bevor nicht der sich abnutzende Bestand an Maschinen und Produktionsanlagen durch Ersatzinvestitionen immer wieder hergestellt wird, kann nicht von Gewinn gesprochen werden. Es geht also bei den Abschreibungen letztlich um die Wiederherstellung der Produktionsgrundlagen, um die „Reproduktion des Produktionsapparats“. Effizienz wird belohnt und sie ist die Folge.

Ökologischer Bereich – Naturkapital: Der Abbau von Rohstoffen und damit die Entleerung der Reservoirs bzw. die Zerstörung der Natur wird nicht als Wertminderung erfasst. Wird der Natur mehr als der Überschuss entnommen, wird also ihr Bestand vermindert, dann müsste dieser Verlust an Bestand mindestens mit einer entsprechenden „Naturabschreibung“ verbucht werden und in die Kostenermittlung eingehen, um Mittel für „Ersatzinvestitionen in die Natur“ anzusammeln und den Bestand wieder aufzufüllen (wie es bei den Maschinen gehandhabt wird). Die Natur ist zumindest kurzfristig kostenlos. Naturzerstörung wird belohnt und ist die Folge.

Sozialer Bereich – Arbeitskräfte: Die Marktwirtschaft belohnt einzelbetrieblich gesehen möglichst niedrige Lohnkosten. Die Reproduktion des Menschen im Sinne einer Deckung der Lebenshaltungskosten ist der ursprünglichen Marktwirtschaft nicht innewohnend. Der Drang hin zu niedrigen Löhnen wurde durch Sozialstandards etwas entschärft. Diese Standards entstanden jedoch erst, als sich die Arbeiterschaft Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gegen die damals vorherrschende Ausbeutung auflehnte. Lohndumping (unter Einhaltung der sozialen Mindeststandards) wird belohnt und ist die Folge.

Auf das Finanzkapital und die Wachstumsproblematik die sich aus der Zinseslogik ergibt, wird an dieser Stelle nicht eingegangen. Ziel der obigen Darstellung war es aufzuzeigen, wie in der Marktwirtschaft (auf betrieblicher Ebene) Anreizmechanismen in den 3 Bereichen der Nachhaltigkeit wirken.

Quintessenz: Naturzerstörung und „Sozialdumping“ werden gefördert, in diesen Bereichen verlangt die originäre Marktwirtschaft nicht nach Berücksichtigung der Reproduktion. Hier stehen sich Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit also diametral gegenüber und genau in diesen Anreizmechanismen ist auch eine der Kernursachen auszumachen, die es Betrieben so schwer macht, nachhaltig zu agieren.

Nachhaltigkeit im Sinne dieses Artikels wird erst dann möglich, wenn man sich als Unternehmen durch sein besonderes Angebot der Vergleichbarkeit bzw. den Marktkräften und somit dem Preisdruck entziehen kann, bzw. wenn der Kunde bereit ist, für Nachhaltigkeit zu zahlen.

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