Wo liegt der Hemmschuh beim Thema Nachhaltigkeit?

10. November 2009 Allgemein, Wirtschaft Kommentare deaktiviert

Der erste Online Nachhaltigkeitsgipfel war meiner Ansicht nach geprägt von einem „wir wollen nachhaltig sein, wissen aber nicht wie“? Wieso diese Ratlosigkeit, diese Stagnation in der Nachhaltigkeitsdiskussion seit beinahe schon Jahrzehnten? Wenn es z.B. um Effizienzsteigerungen in Wirtschaftsprozessen geht, sind wir doch auch nicht so zögerlich! Was hält uns davon ab nachhaltig zu agieren, wieso schaffen wir kaum einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit? Nachstehend die Antwort auf diese Frage, angelehnt an eine „nachhaltige“ 3-teilige Gliederung der betrieblichen Produktion.

Warum gehen wir nicht behutsam mit der Erde um?

Warum gehen wir nicht behutsam mit der Erde um?

Ökonomischer Bereich – Produktionsmittel: Diese werden abgeschrieben, das bedeutet die Wertminderung z.B. einer Maschine im Laufe der Jahre wird erfasst (Abschreibung) und berücksichtigt. Durch Abschreibungen wird dem Prinzip der Bestandserhaltung des Produktionsapparats Rechnung getragen. Bevor nicht der sich abnutzende Bestand an Maschinen und Produktionsanlagen durch Ersatzinvestitionen immer wieder hergestellt wird, kann nicht von Gewinn gesprochen werden. Es geht also bei den Abschreibungen letztlich um die Wiederherstellung der Produktionsgrundlagen, um die „Reproduktion des Produktionsapparats“. Effizienz wird belohnt und sie ist die Folge.

Ökologischer Bereich – Naturkapital: Der Abbau von Rohstoffen und damit die Entleerung der Reservoirs bzw. die Zerstörung der Natur wird nicht als Wertminderung erfasst. Wird der Natur mehr als der Überschuss entnommen, wird also ihr Bestand vermindert, dann müsste dieser Verlust an Bestand mindestens mit einer entsprechenden „Naturabschreibung“ verbucht werden und in die Kostenermittlung eingehen, um Mittel für „Ersatzinvestitionen in die Natur“ anzusammeln und den Bestand wieder aufzufüllen (wie es bei den Maschinen gehandhabt wird). Die Natur ist zumindest kurzfristig kostenlos. Naturzerstörung wird belohnt und ist die Folge.

Sozialer Bereich – Arbeitskräfte: Die Marktwirtschaft belohnt einzelbetrieblich gesehen möglichst niedrige Lohnkosten. Die Reproduktion des Menschen im Sinne einer Deckung der Lebenshaltungskosten ist der ursprünglichen Marktwirtschaft nicht innewohnend. Der Drang hin zu niedrigen Löhnen wurde durch Sozialstandards etwas entschärft. Diese Standards entstanden jedoch erst, als sich die Arbeiterschaft Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gegen die damals vorherrschende Ausbeutung auflehnte. Lohndumping (unter Einhaltung der sozialen Mindeststandards) wird belohnt und ist die Folge.

Auf das Finanzkapital und die Wachstumsproblematik die sich aus der Zinseslogik ergibt, wird an dieser Stelle nicht eingegangen. Ziel der obigen Darstellung war es aufzuzeigen, wie in der Marktwirtschaft (auf betrieblicher Ebene) Anreizmechanismen in den 3 Bereichen der Nachhaltigkeit wirken.

Quintessenz: Naturzerstörung und „Sozialdumping“ werden gefördert, in diesen Bereichen verlangt die originäre Marktwirtschaft nicht nach Berücksichtigung der Reproduktion. Hier stehen sich Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit also diametral gegenüber und genau in diesen Anreizmechanismen ist auch eine der Kernursachen auszumachen, die es Betrieben so schwer macht, nachhaltig zu agieren.

Nachhaltigkeit im Sinne dieses Artikels wird erst dann möglich, wenn man sich als Unternehmen durch sein besonderes Angebot der Vergleichbarkeit bzw. den Marktkräften und somit dem Preisdruck entziehen kann, bzw. wenn der Kunde bereit ist, für Nachhaltigkeit zu zahlen.

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