Was bringt 2010 für die Tourismusbranche

14. Dezember 2009 Allgemein Kommentare deaktiviert

Wie wird die Zukunft in der Regel prognostiziert? Ganz einfach, man blickt zurück, identifiziert einen Trend und extrapoliert diese Entwicklung linear in die Zukunft. Das war`s? Naja, eigentlich nicht, denn diese einfache Methode funktioniert nur sehr eingeschränkt bei stabilen Rahmenbedingungen z.B. stabilem Wirtschaftswachstum. Dieses stabile Wirtschaftswachstum ist aber leider nicht mehr gegeben und es ist höchst fraglich wann und ob wir wieder ein stabiles, langanhaltendes Wachstum erleben werden. Doch eben dieses Wachstum ist für den Tourismus lebenswichtig. Wir sollten uns vor Augen führen, dass Tourismus und Reisen im Allgemeinen ein Wohlstandsphänomen ist. Tourismus lebt vom Überschuss den eine Gesellschaft produziert. Den Zusammenhang zwischen Wirtschaftsleistung und Nächtigungen auf globalem Niveau zeigen diese Zahlen:

  • Weltweites BIP 2009 – Prognose IMF: -1,4%
  • Weltweite Ankünfte 2009 – 1. Jahreshälfte UNWTO: – 8%

Auf das Jahr gerechnet dürfte die Anzahl der Nächtigungen nicht ganz so stark sinken. Ein stärkeres Minus als bei der Wirtschaftsleistung kann jedoch als gesichert angesehen werden. Wie sieht die Situation in Österreich aus? Die Nächtigungszahlen sind marginal rückläufig (~1%). Dabei profitierte Österreich durch eine besonders starke Inlandsnachfrage (+ 2%). Die Erwartungen, dass in der Krise verstärkt Nahziele gefragt sind, ist also eingetreten.

Die ÖW investierte 2009 massiv im Inland.

Die ÖW investierte 2009 massiv im Inland.

Und 2010? Die Entwicklung auf den Arbeitsmärkten steht für 2010 unter keinem guten Stern. Sogar bei einem Wirtschaftswachstum stehen steigende Arbeitslosenzahl ins Haus. Das Wirtschaftswachstum ist jedoch noch nicht ausgemacht. Dunkle Wolken ziehen am Himmel auf. Auf welch tönernen Beinen das Finanzsystem steht zeigt nicht zuletzt die Situation in Dubai, Griechenland und der Fall Hypo Alpe Adria. Das Finanzsystem ist extrem labil. Die systemischen Fehler im Finanzsystem sind noch nicht behoben. Um es uns einfach zu machen gehen wir jedoch von keinen massiven Verwerfungen in den nächsten 12 Monaten aus, dann sind die folgenden Entwicklungen zu erwarten:

  • Leicht negative bis stagnierende Nächtigungszahlen.
  • Sinkende Wertschöpfung je Nächtigung (bereits 2009 beobachtet)
  • Kürzere Aufenthaltsdauer
  • Nachfrage nach Nahzielen

Wenn wir die Wirtschaftskrise vorerst  hinter uns haben, kann man davon ausgehen, dass Österreich mit einem blauen Auge davon kommen wird. Doch sind die Probleme im Finanzsystem nicht gelöst, sondern nur zeitlich verschoben worden. Im Hintergrund wachsen die Probleme weiter an. Eine größere Bereinigung im Finanz- und Wirtschaftssystem steht noch an. Wann diese eintreten wird? Klar sollte  jedem sein, dass der Crash durch massive staatliche Stützung abgefangen wurde. Am System das die Verwerfungen hervorgebracht hat, hat sich aber nichts geändert.

Dass der Tourismus von Wirtschaftswachstum abhängig ist, sollte nicht überraschen. In Österreich ist die Verquickung zwischen Wirtschaftsleistung und Tourismus besonders stark, da der Tourismus ein wichtiger Faktor für das Wirtschaftswachstum ist. Wenn der Tourismus einbricht, hat das auch massive Folgen für die lokale kleinstrukturierte Wirtschaft. In wirtschaftlich guten Zeiten wirkt der Tourismus als Wirtschaftsturbo. Der Umkehrschluss ist offensichlich und zeigt wieder einmal wie abhänig wir vom Wachstum sind.

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