Archiv für Januar 2010

Wachstum im Wandel ein Resümee

Über 500 registrierte Personen bei der Konferenz sprechen eine deutliche Sprache. Das Thema ist brandaktuell und interessiert die Menschen. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die Planung der Konferenz schon vor der aktuellen Finanz- Wirtschaftskrise begonnen hat. In den folgenden Zeilen möchte ich allen Interessierten einen kurzen Überblick über den Stand der Wachstumsdiskussion liefern. Der Beitrag wird etwas länger als länger als gewöhnlich ausfallen…

Endless growth? Jedes Jahr ist der World Overshoot Day früher.

Endless growth? Jedes Jahr verbrauchen wir mehr als uns zusteht.

Die Kernfrage der auf der Konferenz nachgegangen werden sollte war, inwiefern Wachstum und Nachhaltigkeit vereinbar sind. Bei den unterschiedlichen Reden und in den Workshops wurde etwas klar ersichtlich: Beinahe sämtliche Wissenschaftler (besonders mit naturwissenschaftlichen Einschlag) die sich mit dem Thema Wachstum auseinandersetzten, sehen das Thema Wachstum sehr kritisch. Auf der politischen Ebene wird Wachstum per se nicht in Frage gestellt. Man betont hingegen die Notwendigkeit eines nachhaltigen Wachstums…ohne zu wissen was darunter zu verstehen ist (meine persönliche Unterstellung). Als Beispiele möchte die Aussagen unseres „Lebensministers“ Berlakovich (B) und Herrn Losch (L) vom Wirtschaftsministerium anführen:

¡        Wir brauchen Wachstum (B),

¡        Wir brauchen eine Änderung der Lebensstile (B)

¡        Wir brauchen Green growth (B),

¡        Wir brauchen ein Meßsystem für unsere Wirtschaft/Gesellschaft jenseits vom BIP (B, L)

¡        Wir brauchen Wirtschaftswachstum um sozial umzuverteilen (L)

Als „Gegenpart“ darf ich die Ausführungen von Eckart Felix (prämierter Nachwuchswissenschaftler aus Deutschland) auszugsweise wiedergeben:

Politik hat die Aufgabe ökologische, ökonomische, und soziale Belange zu vereinen. Das ist ihre grundsätzliche Aufgabe. Wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen müssen wir das aber auch mit einer langfristigen Perspektive  verknüpfen, das verlangt eine andere Qualität. Wenn man ganz nüchtern analysiert, welche Anforderungen ein „business as usual“-Szenario an den Planeten stellt, dann kommt man zu dem Schluss, dass ein Planet einfach nicht genug ist. So müssen z.B. laut den neuesten Daten des IPCC die CO2-Werte bis 2050 um 80% gesenkt werden (zum Niveau von 1990). Dass unsere Bemühungen bis dato völlig unzureichend waren zeigt das Faktum, dass seit 1990 die CO2 Emissionen weltweit um 40% gestiegen sind.

CSR, LOHAS & Green Growth bezeichnet er als wichtigen Ansatz, doch dienen diese Ansätze in erster Linie dazu Marktchancen zu verbessern, Mitarbeiter und Bürger zu motivieren und Produkte zu ökologisieren. In Summe sind die Energie- und Ressourcenaufwendungen jedoch beständig gestiegen. Diese Tatsache haben wir dem Reboundeffekt zu „verdanken“. Der Effekt besagt, dass Einsparungen an einer Stelle im System an anderer Stelle wieder durch gesteigerte Mengen oder neue Produkte „verarbeitet“ werden. Ergo sind die Ansätze von CSR, LOHAS & Green Growth notwendig, aber nicht ausreichend, weil wir dadurch den Wachstumsprozess nicht ausschalten können. Weiters hält Eckart fest, dass Wachstum ein historischer Sonderfall ist, Wachstum keine Glücksgarantie in sich trägt und Verteilungsgerechtigkeit kein selbstverständliches Attribut von Wachstum ist. Seine klare Botschaft: Wir müssen unsere Gewohnheiten drastisch ändern. Wenn wir von der Freiheit des Individuums reden, müssen wir verstehen, dass unserer Freiheit nicht die Freiheit anderer Weltenbürger (heute wie künftig) einschränken darf.

In den unzähligen Sessions gab es Diskussionen vielfältige Diskussion zu den Themen Lebensqualität, Arbeit, Makroökonomie, Nachhaltigkeitsmanagement, Regionale Aspekte, Finanzsystem, Armut usw. Die Summe der Informationen wiederzugeben ist unmöglich. Der Großteil der Sessions wurde aber abgefilmt und soll als Video auf der Seite des Lebensministeriums online gestellt werden.

Meine persönliche Schlussfolgerung möchte ich mit den Worten von Dennis Meadows (Buch: Grenzen des Wachstums) beginnen. Er meint, dass sich die Gesellschaft in den nächsten 20 Jahren stärker ändern wird, als dies in den letzten 100 Jahren der Fall war. Was das bedeutet, sollte wohl jedem klar sein. Thomas Wieser vom Finanzministerium drückte es so aus: Slower by design not by desaster. Es wird sich etwas ändern müssen, freiwillig oder unfreiwillig. Klar ist, dass es keine fertigen Konzepte gibt, wie wir weiter arbeiten sollen. Steady State Ökonomie und „Degrowth“ sind 2 interessante Konzepte, die aber nur auf makroökonomischer Ebene existieren. Was dies für Unternehmen bedeuten soll/kann ist noch unklar. Die Zukunft verspricht viel Arbeit und„trial & error“-Prozesse. Wer immer noch die Augen verschließt und glaubt, dass endloses materielles Wachstum auf einer endlichen Welt möglich ist, handelt grob fahrlässig.

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Wachstum im Wandel – Zwischenbericht

Die ersten 2 Tage der Konferenz Wachstum im Wandel sind geschlagen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen öfter via Twitter oder hier in meinem Blog ein paar Zeilen zu posten. Doch es war einfach zu interessant. Eine ausführliche Anaylse werde ich später liefern. An dieser Stelle nur ein paar Zeilen.

Wachstum im Wandel

Wachstum im Wandel

Das Barcamp am Mittwoch wurde von ca. 80 Personen besucht. Die Eigenheit des Barcamps: es gibt kein fixes Programm. Die Teilnehmer können das Programm selbst gestalten – jeder ist eingeladen seinen Beitrag zu liefern. In 4 Räumen wurden Sessions zu je 45 Minuten abgehalten, Vortragende bzw. Diskussionsleiter meldeten sich spontan aus dem Kreis der Konferenzbesucher. Ich kann diese „Konferenzmethode“ wirklich empfehlen, locker, informativ und jeder kann sich sein Programm selber zusammenstellen. Wer keine Session besuchen möchte, der trifft sich im Barcamp Cafe zum Netzwerken.

Gestern Donnerstag begann dann die „klassische“ Konferenz. Die Bedeutung der Konferenz wurde durch die Eröffnung durch den „Lebensminister“ Niki Berlakovich untermauert. Besondere Beachtung verdient auch der Umstand, dass die abendliche Session inklusive „get-together“ in der Industriellen Vereinigung statt fand.

Heute geht es in die letzte Runde, ein Update folgt.

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Das Zukunftsdossier

Morgen beginnt die Konferenz “Wachstum im Wandel” – organisiert vom Lebensministerium – in Wien. Den Auftakt macht ein wissenschaftliches BarCamp zur Frage der Vereinbarkeit von Wachstum und Nachhaltigkeit. Zur Vorbereitung auf die Veranstaltung wurde heute das Zukunftsdossier verschickt. Für alle Interessierten bietet es eine gute Möglichkeit sich einen Überblick über den Stand der “Wachstumsdiskussion” zu machen.

Ich werde an der Konferenz (inkl. Barcamp) teilnehmen und von dort berichten – via Blog und ggf. auch via Twitter (siehe im rechten Frame). Bin schon gespannt in welche Richtung die Diskussion der Vordenker geht!

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Vom Zug auf die Piste

Unglaublich aber wahr! Auf der Seite http://www.snowcarbon.co.uk/ wird Skiurlaub in den Alpen mit Anreise per Bahn (aus England) beworben.  Hinter diesem interessanten Projekt stehen Daniel Elkan, britischer Reisejournalist und sein Kollegen Mark Hodson. Neben dem “Umweltargument” (90% CO2-Reduktion im Vergleich zum Flugzeug)  führen die beiden Journalisten auch folgende Argumentation ins Treffen:  „Im Durchschnitt dauert die Anreise per Bahn – von Haustür zu Hoteltür gerechnet – nur gut eine Stunde länger als per Flugzeug.“ Komfort und keine stundenlangen Bustransfers ins Skigebiet werden ebenfalls als Argumente für eine Anreise per Zug angeführt. 220€ kostet ein Hin&Retour-Ticket nach St. Anton am Arlberg. Man startet um 6.22 in London und ist um 18.57 am Arlberg. Gar nicht schlecht!

Vom Zug auf die Skier

Vom Zug auf die Skier

Ich persönlich finde das Projekt “stark”. Ein erster  Schritt, um über die Grenzen hinaus zu blicken und zu sehen was möglich ist. Interessant sind diese Angebote natürlich in erster Linie für Personen, die an hochrangigen Eisenbahnstationen wohnen. Denn die größte Schwäche (im Sinne des Komfort) ist das Umsteigen. Dies ergaben meine Arbeiten an einem Skigebietsprojekt in Südtirol zum Thema Öffentlicher Verkehr. Es bedarf einer recht aufwändigen Dienstleistungskette, um eine angenehme Anreise zu ermöglichen. Doch in Zeiten ständig steigender Nachfrage nach Leihausrüstung, sollte das Thema “Umsteigen mit schwerem Gepäck” auch ein lösbares sein.

Link zum Artikel in der Presse.

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Wenn Touristiker schlafen

Schifahren ist des Österreichers liebste Winterbeschäftigung – behaupte ich. Was sich jedoch in den letzten Jahren massiv geändert hat, sind die Aufstiegshilfen der Skifahrer. Während man vor 10 Jahren noch verhöhnt wurde wenn man mit den Tourenskiern am Pistenrand hinaufstapfte, so ist das heute das klassische Bild in allen Skigebieten. Karawanen ziehen mittlerweile die Berge hoch. Tourengehen in Skigebieten wird von den meisten Touristikern und Skigebietsbetreibern als Problem gesehen, die Chance, die in dieser Entwicklung steckt, wird nicht gesehen. Es herrscht ein Problemorientierung vor, es geht lediglich um Konfliktbewältigung.

Wintertraum auf Tourenskiern

Wintertraum auf Tourenskiern

Ich möchte die bekannten Probleme die es tatsächlich gibt nicht verniedlichen. Es um etwas ganz anderes, viel größeres. Die Touristiker und Skigebietsbetreiber sind endlich dazu aufgerufen, den Tourengeher als vollwertigen Gast zu akzeptieren und auch adäquate Angebote zu schaffen. Die moderne Managementlehre, die sich an kybernetischen Prinzipien orientiert, lehrt uns der Funktionsorientierung den Vorzug gegenüber der Produktorientierung zu geben. Was bedeutet dies mit einfachen Worten? Der Wintertourismus ist aus meiner Sicht zu stark produktorientiert. Das Produkt “Pistenskifahren” dominiert den Winterurlaub. Die Funktion in diesem Zusammenhang wäre der Urlaub im Schnee und diese Funktion wird weiterhin bestand haben. Beim Produkt Pistenskifahren dürften wir in Österreich den Zenit erlangt haben. Sättigung in den Hauptquellmärkten wie z.B. Deutschland und die demografische Entwicklung in den westlichen Ländern bieten ungünstige Rahmenbedingungen. Was die österreichischen Skigebiete rettet ist der Gast aus Osteuropa. Dessen Anreise steht jedoch ökonomisch noch auf sehr tönernen Beinen.

Hoteliers, Vermarkter, Skigebietsbetreiber usw. sind gefordert ihre Produktfokusierung “Pistenskifahren” zu verlassen und Infrastruktur, Packages und Dienstleistungen für Skitourengeher zu schaffen.

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