Begeistert von seinen Worten, hab ich sofort den Computer gestartet, um diese seine Worte mit meinen Lesern zu teilen:
Tom Atlee – http://www.co-intelligence.org/:
Ich bin also zu der Einsicht gekommen, dass alle Voraussagen – seien es gute, seien es schlimme – uns absolut nichts darüber sagen, was möglich ist. Trends und Ereignisse beziehen sich nur auf das, was wahrscheinlich ist. Wahrscheinlichkeiten sind Abstraktionen. Möglichkeiten sind der Stoff des Lebens, Visionen, nach denen man handeln, Türen, durch die man gehen kann. Pessimismus und Optimismus lenken nru davon ab, das Leben voll auszuschöpfen.
Bei der gestrigen Veranstaltung der Wirtschaftskammer Osttirol referierte Michael Lebesmühlbacher – Gründer der Gemüsekiste – über seine Erfahrungen im Direktvertrieb.

Quelle: Tiroler Gemüsekiste
Aus der Saatgutbranche kommend, hatte er den Zugang zu den Bauern und wusste um ihre “Leiden & Probleme” bescheid. Harte Arbeit, hohe Abhängigkeit vom Großhandel und keine Zeit, die Produkte selber professionell zu vermarkten. Dieses Klagen hat Lebesmühlbacher oft gehört, so oft, dass er daraus ein Geschäft machte und daran ging das Produkt Gemüsekiste zu entwickeln. Während seinem Vortrag ging mir ein Licht auf und mir wurde klar, welche Bedeutung Direktvermarktung zukünftig haben wird. Lebensmühlbachers Verständnis der Direktvermarktung fußt nämlich auf vielen Eckpunkten, die für eine nachhaltige Zukunft notwendig sind. Ein paar wenige Punkte dazu:
Sehr viele Aspekte entsprechen den Anforderungen an die Nachhaltigkeit. Das Produkt Gemüsekiste besticht natürlich auch dadurch, dass es auf der Trendwelle der Regionalität und der gesunden Ernährung surft. Der Erfolg mit 100.000 ausgelieferten Gemüsekisten im Jahr 2009 an 3.000 Abokunden spricht für sich.
Dass Direktvermarktung im Aufstieg begriffen ist, zeigen auch die weltweiten Zahlen: Während 1988 8,5 Mio. Geschäftspartner im Direktvertrieb tätig waren, sind es heute 63 Mio. Der Umsatz beläuft sich auf ca. 100 Mrd. Dollar.
Direktvermarktung wird die Welt nicht retten, doch hat sie das Potenzial durch ihre dezentrale Organisation und Integration in lokale Kreisläufe einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsform (eventuell ohne Wachstumszwang ???) beizutragen.
In der letzten Ausgabe (1/10) der Zeitschrift Organisationsentwicklung (Zeitschrift für Unternehmensentwicklung und Change Management) war ein interessantes Interview mit Dr. Peter Senge zu lesen. In seiner weltweiten Lehrtätigkeit übersetzt er die “abstrakten” Konzepte der Systemtheorie in konkrete Werkzeuge für wirtschaftliche und organisatorische Veränderung.
Nachstehend möchte ich ein paar Zitate aus diesem Text anführen:
Alle Nachhaltigkeitsprobleme entstammen der gleichen Quelle: Wir wissen nicht, wie wir das gesamte System wahrnehmen können.
Firmen mit einer größeren systemischen Sichtweise profitieren von der Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern.
Die Fähigkeit zu echter Zusammenarbeit zu entwickeln ist harte Arbeit.
Senge definiert langfristiges und systemisches denken als Erfolgsfaktor für die Zukunft.

Jeder Punkt stellt einen Mensch und sein Denkmuster in Raum&Zeit dar.
Ein fiktives Beispiel aus der Praxis soll diese Zitate etwas erhellen: Ein Hotelier aus dem Tiroler Zillertal entdeckt die günstigen Flugpreise von London nach Innsbruck bzw. München für sich. Seine Frau ist Engländerin, kennt die Ansprüche der Briten, spricht die Sprache der “Inselbewohner” und hat hervorragende Kontakte in ihre alte Heimat. Was liegt näher, als sich als Hotel auf Gäste aus England zu spezialisieren. Die ersten 3 Jahre läuft alles bestens. Doch dann die “Katastrophe”. Der Pfund wird abgewertet und der Ölpreis steigt. Innerhalb weniger Monate kann der Urlaub in Österreich unerschwinglich werden. Die Engländer bleiben aus und seine alten Stammgäste hat er mittlerweile verloren, da er sich massiv auf sein Zielpublikum (Engländer) fokussiert hat. Was ich hier nur kurz umrissen habe ist ein Beispiel, wie es eventuell diesen Winter irgendwo im Alpenraum schon geschehen ist. Der Hotelier hat kurzfristig mit ein paar wenigen Variablen (Kontakt nach England, günstige Flugpreise…) überlegt und sich kein großes Bild gemacht. Er hat sein System viel zu eng abgesteckt. Er hat nicht global gedacht.
Doch genau in diesen globalen Faktoren (Finanzmärkte, Ölpreis, CO2-Debatte usw.) liegen die Faktoren, die unser zukünftiges Handeln massiv beeinflussen werden. Als wirtschaftende Akteure müssen wir den Schwenk vom lokalen kurzfristigen Denken zu einem gloablen langfristigen Denken schaffen. Dieser “Shift” in der Denkweise stellt für Prof. Senge die größte Innovationsherausforderung mit der die Menschheit je konfrontiert war, dar.
Wie der Name ja schon betont, beschäftigt sich Zukunftsraum mit der Zukunft. Der Blick aufs “Große & Ganze” und auf langfristige Mechanismen ist dabei wichtig. Um Entwicklungen in ihrer Bedeutung besser einordnen zu können, ist es zielführend gewisse “evolutionäre” Konstanten zu berücksichtigen. Zum Beispiel besagt die Thermodynamik, dass in einem geschlossenen System die zur Verfügung stehende nutzbare Energie im Laufe der Zeit abnimmt. Dieser fortschreitende Verfall wird durch zunehmende Komplexität, durch ein zunehmendes Maß an Organisation ausgeglichen (sich selbstorganisierende Systeme, Autopoiese).

Autopoiese - sich selbst organisierend. Ein System erschafft bzw. organisiert sich selbst! Quelle: http://www.ulme-mini-verlag.de
Wenn man an fossile Ressourcen denkt, die mit uns Menschen verwoben für unsere zeitliche Dimensionen ein geschlossenes System darstellen (Öl wird nicht im Laufe eines Menschenlebens nachgebildet), erkennt man, dass der Mensch von dieser Logik der Thermodynamik ebenso betroffen ist und sich ihrer nicht entziehen kann (Ausbeutung bzw. Verknappung von Ressourcen).
Wie werden wir steigende Energiekosten bis hin zur Energieknappheit also managen können? Wie wird die Gesellschaft diese großen Strukturen (Autobahnen, Großkonzerne, Großbanken…) aufrechterhalten können, die auf hochenergetischen fossilen Ressourcen aufbauen? Wenn der energetische Input fehlt (Alternative Energie wird nach heutigem Stand der Technik Erdöl energetisch nicht ersetzten können), werden wir durch Organisation dieses Manko beheben müssen. Mehr Organisation bedeutet mehr Beteiligte, bedeutet kleinere Einheiten. Kooperation & Vernetzung wird das Zukunftsthema.
Wenn wir aufmerksam in den Medien lesen merken wir schon erste Anzeichen aus der Wirtschaft. Große Unternehmen und Banken, die nicht mehr überleben können. Too big to fail (TBTF)! Was fordert z.B. Obama? Zerschlagung der Banken! Kleinere Strukturen, denn kleine Strukturen mit dem richtigen Vernetzungsgrad sind um ein Vielfaches robuster als große Strukturen, die von einem mächtigen Energieinput (Geld ist im Endeffekt auch Energie) abhängig sind.
Zweimal durchatmen, Kopf frei machen und lesen:
Ist es denkbar, fragt ich mich, etwas zu entwickeln, das all das, was die moderne Kultur geopfert und verloren hat – von der Religion über die Familie bis zur Dorfgemeinschaft – wettmacht? Ist es denkbar, unsere Technologien – die ja brillant sind – nicht mehr dazu zu benützen, um Meere leerzufischen und Treibhausgase zu produzieren, sondern dazu, den Menschen jene Arbeit abzunehmen, die sie verkrüppelt und ihnen den Geist austreibt? Ist es vorstellbar, den Menschen zu einem viel größeren Maß bisher die Möglichkeit zu geben, sich die entscheidenden Fragen zu stellen: Was ist es, das ich auf dieser Erde will.
Diese Zeilen stammen aus dem Artikel von Frithjof Bergmann “Die Neue Arbeit: Auf dem Weg zu einer Kultur ohne Wachstumszwang”. Mehr ist an dieser Stelle glaube ich nicht zu sagen. Einzig vielleicht noch: Wenn wir zukünftig als Gesellschaft erfolgreich (=lebensfähig) sein wollen, müssen wir unsere Scheuklappen abnehmen und Neues denken.
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