Archiv für März 2010
e5?
Hinter dem Titel e5 verbirgt sich das Programm für energieeffiziente Gemeinden. Gemeinden die diesem Programm beitreten, werden regelmäßigen Audits unterzogen, in welchen die Energieeffizienz der Gemeinden abgefragt wird. Dabei wird in den Fachbereichen Raumordnung, Ver- & Entsorgung, kommunale Gebäude, Mobilität, interne Organisation und Kommunikation geprüft. Mehr Infos zu dem Programm findet man hier.
![Wahrlich effizient. [Quelle:www.blogs.taz.de]](http://www.taz.de/blogs/wp-inst/wp-content/blogs.dir/44/files/2007/03/048%20energieeffizienz%20eimer.jpg)
Wahrlich effizient. [Quelle:www.blogs.taz.de
Wer an dieser Entwicklung vorausschauend etwas ändern will, muss in den Köpfen der Bürger beginnen. Das ist natürlich Knochenarbeit. Information und Bewusstseinsbildung sind aber unverzichtbar für unsere Zukunft. In Zeiten ständig steigender Energiepreise ist jede Gemeinde und jeder Bauträger gut beraten Infrastrukturkosten so gering wie möglich zu halten.
Ein neues Tool für eine energieeffiziente Raumplanung – aber auch für die Bewusstseinbildung - ist der Energieausweis für Siedlungen. Anders als beim Energieausweis für Gebäude, geht es beim Energieausweis für Siedlungen um den Energieaufwand den eine Person die in der gewählten Siedlung lebt, im Alltag aufzubringen hat. Kosten für Ver- & Entsorgung (Leitungslängen), Distanz zum Nahversorger, zum Öffentlichen Verkehr, zu Bildungseinrichtungen und zum nächsten Freiraum werden analysiert. Als Ergebnis tritt eine Bewertung von A bis F zu Tage und vermittelt ein einfach verständliches Bild über den Energiebedarf eines Wohnungsstandortes.
Das Thema Energie ist zwar schon in den Köpfen der Menschen angekommen, doch endet es meist beim Thema der Raumwärme. So wichtig auch der effiziente Umgang mit “Wärmeenergie” ist, viel dringender müssen wir uns dem Thema Energie & Mobilität annehmen. Doch hier geht es ums eingemachte. Um das Haus im Grünen um den eigenen PKW, kurz gesagt um das was der “moderne” Mensch als Freiheit ansieht.
Gefangen in der Zwickmühle
Vor wenigen Tagen titelte orf.at mit “Weniger Konsum als Chance sehen”. Zur Sprache kommt, dass wir zuviel Ressourcen verbrauchen und dass sich der Konsum seit den 60er-Jahren versechsfacht hat. Berücksichtigt man die Bevölkerungsentwicklung, kann noch immer eine Verdreifachung festgestellt werden. Es ist zuviel, genug, aus die Maus. So kann es nicht weiter gehen, wir verbrauchen zuviele Ressourcen, wird vorgerechnet. Volle Unterstützung von meiner Seite.
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Auch wird weiter unten im Artikel richtig festgestellt, dass der Mensch sich durch den Konsum definiert, dass er auf diese Weise sein Grundbedürfnis – soziale Anerkennung – zu erreichen sucht. Einem Wertewandel zu weniger Konsum wird eine Zeitspanne von mehreren Jahrzehnten bis hin zu einem Jahrhundert in Aussicht gestellt.
Doch, dass es für unsere Wirtschaft keine Alternative zum überbordenden Konsum gibt, wird nicht angesprochen. Wenn das BIP in Amerika zu ca. 75% von den Konsumausgaben der Amerikaner abhängig ist, wird ein “freiwilliger” Konsumverzicht die Wirtschaft über die Klippe stoßen an der sie bereits steht. Es ist eigentlich abartig, dass wir ein Wirtschaftssystem betreiben, dass nur funktioniert wenn die Gesellschaft über die Maßen konsumiert. Wie wir wissen, wäre die Wirtschaftsleistung von 2008 ohne masssive Verschuldung nicht zustande gekommen. Jetzt stehen wir vor massiven Überkapazitäten und der großen Sorge, dass der Konsum ausbleibt. An der anderen Ecke rufen die Weitsichtigen, dass der Ressourcenverbrauch eingeschränkt werden soll, weniger Konsum. Als Gesellschaft sind wir mit unserem Wirtschaftsmodell in einer Zwickmühle angelangt.
Betrachtet man die sich abzeichnenden Trends (steigende Energiekosten, Wandel zur Sinngesellschaft, zunehmende Empatie, zunehmende Überschuldung) dann wird der Konsum in absehbarer Zeit rückläufig werden. Gut für die Umwelt, schlecht für die Wirtschaft, womit wir wieder bei einem zentrale Punkt angekommen wären: Geht`s der Wirtschaft gut, geht`s uns allen gut….oder doch…geht`s der Natur gut, geht`s uns allen gut!?
Mindset & Power Down
Letzte Woche war ich beim Dialogforum regionale Wirtschaft im Rahmen des PowerDown Projekts in St. Georgen am Längsee. Prominentester Teilnehmer der Runde, die sich über die Konsequenzen von Peak Oil unterhielt, war Elmar Altvater. Im Zuge der Diskussionen und Worksessions wurde wieder einmal klar und deutlich, welch kultureller Wandel in den nächsten Jahren bevorsteht. Im Zusammenhang mit Wandelprozessen gefällt mir der Ansatz der Mindsets von John Naisbitt. In seinem Buch Mind Set! bespricht er 11 Denkmuster die für das Erkennen und Bewältigen der Zukunft notwendig sind. An dieser Stelle möchte ich nur 2 kurz hervorgreifen:
Eilen Sie der Parade nicht so weit voraus, dass die Menschen nicht mehr erkennen, dass Sie dazu gehören.
Wenn man Wandel “verkaufen” will, dann muss man bedenken, dass Menschen die Auswirkungen zukünftiger Events stark diskontieren. Je weiter (zeitlich) etwas aus ihrem subjektiven Empfinden weg ist, desto irrelevanter für ihr Verhalten. Umso wichtiger ist es im Alltag der Menschen anzuknüpfen und eine klare und unmittelbare Verbindung zwischen der persönlichen Situation und dem notwendigen Wandel herzustellen.
Der Widerstand gegen den Wandel fällt, sobald seine Vorteile erschichtlich sind.
Beinahe schon eine “Binsenweisheit”. Die große Herausforderung besteht darin die Vorteile eines Wandel herauszuarbeiten. Was ist gut daran wenn Benzin 3€ kostet? Auf den ersten Blick nichts, rein gar nichts. Doch auf den 2. fachmännischen Blick erkennt man, dass mit steigenden Transportkosten wieder mehr lokale Arbeitsplätze entstehen werden. Kürzere Pendeldistanz bedeutet weniger Treibstoffverbrauch, eventuell weniger Kosten, weniger Zeitaufwand, weniger CO2 usw. …
Jetzt doch noch ein Mindset für jedermann zur praktischen Anwendung:
Behalten Sie den Spielstand im Auge
Naisbitt führt aus: Wenn ein Fußballspiel 5:2 endet, dann sind dies die Fakten. Das Resultat verändert sich auch durch Ausrede, Belobigungen oder Erklärungen des Gewinners oder Verlierers nicht. Keine noch so blendende Rhetorik eines CEOs kann bestehende Geschäftszahlen verbessern.
Also achten Sie auf Fakten und nicht auf blumige Reden. Und weil ich es gerade im Radio höre: Umweltminster Berlakovich kündigte den Energieplan für Österreich (oder so ähnlich) an. Klang gut und vielversprechend….war aber nur eine Ankündigung…
Nachhaltiges Finanzsystem & nachhaltige Energieversorgung gefordert
Reiseintensiv sind diese Tage für mich. Doch hat sich der Aufwand bis dato ausgezahlt. Letzten Donnerstag trat ich die Fahrt ins weit entfernte Pielachtal an, um der Einladung von Johann Weiss vom Steinschalerhof zu folgen. Der Nachhaltigkeitspionier hatte zu den Steinschaler Kamingesprächen geladen. Thema des Abends: Was hat das Finanzsystem mit Nachhaltigkeit zu tun. Als Redner war Prof. Wohlmeyer angekündigt. Es waren interessante & teilweise besorgniserregende Einblicke in unser Finanzsystem. Wie wir es drehen und wenden, die Loslösung der Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft wird zu einer Implosion des Systems führen. Die Frage ist, ob wir es schaffen eine geordnete Implosion zu organisieren, oder ob es „einfach geschehen wird“. Nach angeregter Diskussion folgte ein gemütlicher Abend im Steinschalerhof. Am nächsten Tag ging es weiter nach Wels zum Symposium „Energieautarke Gemeinde“.
Ca. 150 Gemeindevertreter waren in Wels erschienen, um sich zu dem Thema zu informieren. Neben vielen Informationen über Förderprogramme und einem anregenden World Cafè, in dem sämtliche Handlungsebenen der Gemeinden diskutiert wurden, waren der Vortrag von Prof. Kromb-Kolb, bzw. die „Best practice Beispiele“ der Gemeinden Windhaag, Güssing und Langenegg die Highlights des Tages. Während der Aufstieg Güssings ohne massive Ziel I Gebietsförderung durch die Europäische Union nicht möglich gewesen wäre, „leben“ die Initiativen in den anderen beiden Gemeinden sehr stark von bürgerlichem Engagement.

Energieversorgung wird neu gedacht! Quelle:www.schueco.com
Ihre Ausführungen über Peak Oil und Klimawandel schloss Prof. Kromp Kolb mit einem klaren Appell die Werte unserer Gesellschaft zu überdenken. Sie sprach das fortwährend Krisen produzierende Zinseszins-System an (alle 60 Jahre), forderte auf darüber nachzudenken wie ein Wirtschaftssystem ohne Wachstum aussehen könnte und dass wir lernen müssen, längerfristig zu denken. Schlussendlich brauchen wir eine Stärkung der Zivilgesellschaft. Wir stehen vor einem kulturellen Epochenwandel.
Die klare Botschaft beider Veranstaltungen: Business as usual wird unsere aktuelle Situation verschärfen. Endloses Wachstum ist auf einem endlichen Planeten nicht möglich. Diese Erkenntnis muss uns zu mehr Effizienz, zu Suffizienz und zu neuen Denkweisen führen.
Blick zur hohen Politik
Dass es viele “grass roots” – Initiativen gibt, die sich mit einer ökologisch & sozial gerechten Zukunft beschäftigen, ist hinreichend bekannt. Doch auch in der hohen Politik scheint man sich dem Thema der Nachhaltig und des Wachstums langsam ernsthaft anzunehmen. Zumindest lassen die Äußerungen von Angela Merkel darauf schließen (Video, interessant ab Minute ~ 2). Sie spricht von einer nachhaltigen Finanzarchitektur, von nachhaltigem Umgang mit Ressourcen und von einer Abkehr von BIP als einzig “gültige” Messgröße für Wohlstand und Fortschritt. Ein Gespräch mit Frau Merkel wäre höchst interessant. Was sie wohl immer mit dem Begriff “nachhaltig” meint!?
Dazu ein kurzer Schwenk zur Finanzkrise. Der Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (BEIGEWUM) kritisiert in seiner neuen Publikation Mythen der Krise, die mangelhafte und unvollständige Krisenanalyse:
Wenn sich die kritischen ökonomischen Theorien, durch die Krise ins Recht gesetzt, durchsetzen würden, würde bzw. müsste das mehr oder weniger fundamentale wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Umgestaltungen nach sich ziehen.
Zurück zu Frau Merkel. Wenn sie von einer nachhaltigen Finanzarchitektur spricht, gesteht sie indirekt ein, dass es so nicht weiter laufen kann. Damit verbunden sind jedoch auch genau die vom BEIGEWUM angesprochenen Umgestaltungen. Ein Wandel steht bevor, das wissen auch die Politiker, doch sie wissen auch, dass es für den Wandel keine Blaupause gibt.
Video entdeckt bei Wachstum im Wandel.