Ein Märchen

6. April 2010 Allgemein Kommentare deaktiviert

Man erzählt sich die Geschichte einer südamerikanischen Stadt, in der der Brauch bestand, genau zur Mittagszeit von den stadtumgebenden Festungen einen Kanonenschuss anzufeuern. So konnten die Einwohner der Stadt ihre Uhren nach diesem Signal einstellen. Dies funktionierte alles ganz gut, bis eines Tages ein durchreisender Fremder feststellte, dass der Kanonenschuss immer ungefähr zwanzig Munuten zu spät abgefeuert wurde. Er ging hinauf in die Festung und fragte den Kommandanten der Festungswache, wo er denn die Zeit herbekäme, um den Kanonenschuss zu lösen. Der Offizier erklärte ihm stolz, dass er jeden Tag einen seiner Soldaten hinunter in die Stadt schickte , und dass dieser Soldat mit seiner Taschenuhr die Zeit von der Auslage des einzigen Uhrmachers der Stadt abnahm. Dort stand nämlich ein besonderes exakter nautischer Chronometer und brachte die richtige Zeit mit hinauf in die Festung. Der Durchreisende ging dann hinunter und fragte den Uhrmacher, wo er seine genaue Zeit herbekäme. Und dieser sagte ihm stolz, dass er seinen Chronometer jeden Mittag mit einem Kanonenenschuss, der von der Festung gelöst wurde, vergleiche und dass es seit Jahren keine Abweichung gegeben habe. [Auszug aus: Spuren der Zukunft von Kambiz Poostchi]

Was will uns das Märchen erzählen?

Eine Analogie auf das systemische Denken. Chronometer und Kanone beeinflussen sich wechselseitig. Ihre Funktionslogik ist von der Außenwelt losgelöst. Solange es kein Feedback von Außen gibt (durchreisender Fremder) gibt es keinen Impuls für Veränderungen. Poostchi schreibt:

Nichts innerhalb eines Rahmens kann etwas über den Rahmen aussagen. Erst die Perspektive eines Außenstehenden kann deutlich machen, dass dieses systemkonforme Verhalten möglicherweise nicht mehr im Einklang mit den gültigen Prinzipien der äußeren Wirklichkeit steht.

Wenn Sie Ihr Denksystem weit aufspannen und die Welt systemisch erfassen, werden Sie zukünftige Entwicklungen vorwegnehmen können. Wenn Sie ihr Denksystem klein und eng halten mag das kurzfristig effektiv sein, langfristig wird es Ihnen aber so gehen wie im Märchen. Reflektieren Sie für Ihren Lebenswandel oder Ihre Geschäftsidee was es heißt, wenn wir mit steigenden Energiepreisen, teureren Krediten und geringeren Staatsausgaben arbeiten und leben müssen. Setzten Sie diese Trends noch in Verbindung mit dem Wachstumszwang unseres Wirtschaftssystems. Ich hoffe Sie erkennen einerseits die Gefahren die sich am Horizont abzeichnen und andererseits die Chancen die sich für die Gesellschaft eröffnen. Mehr zu den Chancen im nächsten Beitrag!

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