Houston wir haben ein Problem!

28. April 2010 Wirtschaft Kommentare deaktiviert

Vorab einmal an Lob an Ö1 – ein Radiosender der eine Vielzahl an Themen tiefergehend behandelt. So geschehen heute in meiner Mittagspause zum Thema Finanzkrise und Griechenland. Auch wenn die Analysen nicht immer zum Kern des Problems führen.

Nun zum Thema des Tages, Griechenland und die Finanzkrise. Ich will in diesem kurzen Artikel nicht das Finanzsystem erörtern, nur folgendes festhalten und mit meiner Umwelt teilen:

Wir haben ein Finanzsystem, das auf einer steigenden Verschuldung aufbaut. Steigt die Verschuldung einmal nicht mehr an, haben wir über kurz oder lang ein Problem. Wer mehr darüber wissen will, der möge zum Beispiel nach dem Stichwort “Geldschöpfung” oder “Zineszins” googlen.  Seit den 1950er Jahren steigt die Verschuldung kontinuierlich, über weite Strecken gab es kein Problem  – zumindest an der Oberfläche. Durch komplexe Mechanismen wurde das Verschuldungsspiel soweit getrieben, dass es schlussendlich zur Finanzkrise von 2008 kam.  Statt einem reinigendem Gewitter (negatives Feedback) das jedes natürliche System für langfristiges Überleben benötigt, wurden die kranken Strukturen zum überwiegenden Teil gestützt (Banken, Opel usw.). Im Zuge der Krise wurde die nur mehr eingeschränkt mögliche private und unternehmerische Verschuldung  im großen Stil auf den Staat übertragen (Rettungspakete und Stützungspakete auf Kredit). “Too big too fail” (zum Sterben zu groß) hörte man überall, der Staat muss retten.  Diese Logik vollzieht sich gerade dieser Tage auf einer anderen – höheren Ebene. Thema Griechenland. Wir müssen Griechenland retten (wir verschulden uns, denn die Griechen bekommen keinen Kredit mehr), um den Euro zu retten. Oder anders ausgedrückt, wir müssen das Schuldenkarusell in Schwung halten.  Wiederum keine Reinigung, kein Gewitter, kein negatives Feedback,  das verträgt die Systemlogik unseres Finanzsystems nicht.  Wir heben das Schuldenspiel auf eine neue Ebene…und dann kommen Portugal, Spanien, Italien, Irland und wenn man nach England blickt, kann man auch nur den Kopf schütteln.

Housten, wir haben ein Problem. Dass das Finanzsystem krank ist, ist keine Neuigkeit, das wissen Interessierte schon lange. “Neu” ist die Tatsache, dass wir uns spätestens seit 2008 auf der Intensivstation befinden. Keine Ahnung wie lange man einen totkranken Patienten künstlich beatmen kann…

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