Kommunikation – was bringts?

14. Juni 2010 Allgemein, Vision & Bewusstsein 1 Kommentar

Angeregt durch einen Artikel von Hannes Offenbacher schreibe ich diese Zeilen zum Thema Kommunikation. Hannes umreißt in seinem Text die Problematik der digitalen Informationsflut (Facebook, Twitter, RSS und CO). Wie sei mit diesem Thema umzugehen und rauben uns diese modernen Anwendungen nicht viel Zeit und liefern wenig Nutzen!? Das Produktivitätsparadoxon sollte darüber Aufschluss liefern. Es attestiert Investitionen in Informations- und Kommunikationstechnologie auf der einen und Produktivität auf unternehmersicher Ebene auf der anderen Seite keinen positiven Zusammenhang. Dies gilt besonders für Dienstleistungsunternehmen. Die Wahrnehmung, dass die soben skizzierten Anwendungen uns Zeit rauben scheint also nicht zu trügen. Die Frage wie damit umzugehen sein, ist eine, die jeder für sich beantworten muss. Ich habe auch keine allgmein gültige Lösung dafür. Viel interessanter ist aus meiner Sicht jedoch, was hinter diesen Kommunikationsanwendungen wie Facebook usw. steckt!? Wozu sind sie eigentlich da? Aus evolutionärer Perspektive. Ist Kommunikation via Twitter oder Facebook alles nur Zeitvertreib? Alles sinnloses Geschwätz ohne Nutzen?

Dafür müssen wir – wie immer wenn es darum geht Detailprobleme zu verstehen – einen Schritt zurück treten und das Thema aus der Ferne betrachten.

1. Gesellschaft besteht aus Kommunikation. Das bedeutet, worüber nicht kommuniziert wird, das existiert in der Gesellschaft nicht. Solange z.B. über Umweltprobleme nicht gesprochen wird, existieren diese gesellschaftlich betrachtet nicht. Kommunikation formt unsere Gesellschaft, unsere Strukturen.

2. Biologische Systeme – dazu zählt der Mensch schließlich auch – entwickeln sich durch Kooperation, Kommunikation und Kreativität weiter.

3. Aufbauend auf (2) ist leicht verständlich, dass Kommunikationsrevolutionen (Sprache, Schrift, Buchdruck, Telefon…) immer mit gesellschaftlichen Entwicklungsschritten verbunden sind und waren.

4. Bei der Entwicklung eines Instruments (z.B. Schrift oder Internet) liefert die Evolution zunächst meist vorläufige Funktionen. Die endgültigen bzw. dominierenden Funktionen entwickeln sich erst mit der Zeit; z.B. war die Schrift zunächst nicht für die eigentliche Kommunikation gedacht, sondern als Gedächtnisstütze für Boten, die ihre Botschaft dann mündlich vortrugen.

5. Neue Instrumente brauchen Zeit bis sich die Auswirkungen in der Gesellschaft zeigen.

Aus den Punkten 1-5 erschließt sich meiner Meinung nach die Bedeutung der internetgestützten Kommunikationsanwendungen in zarten Zügen. Diese Form der Kommunikation wird die gesellschaftliche Entwicklung enorm prägen. Durch das nun jederzeit verfügbare Wissen und die “online-live-Verbindung” mit allen Katastrophen dieser Erde, wird sich unsere Gesellschaft stark verändern. Ich gehe davon aus, dass das Internet seine finale Funktion bzw. all seine Möglichkeiten und Optionen noch lange nicht offengelegt hat. Im Moment kämpfen wir noch mit einer Informationsflut – immer in der Sorge etwas zu verpassen, etwas nicht zu wissen. Doch mit der Zeit wird sich diese Entwicklung einpendeln und das Internet wird seine finale Funktion erhalten. Vielleicht ist die kommende Wirtschaftslogik auf ebendiese Funktionsform angewiesen? Ein kurzer Gedanke: Geleichberechtigte Abstimmung von vielen Einzelinteressen bzw. Einzelbedürfnissen?

“Wir” werden uns ändern, unser Bewusstsein wird sich ändern – nicht zuletzt duch die Informationsflut (durchaus positiv gemeint) aus dem Internet. Abschließend zu diesem Thema möchte ich einen gewissen Herrn Russell zu Wort kommen lassen:

Der primäre Sprung innerhalb der menschlichen Evolution sind nicht die Computer oder die Genwissenschaften, sondern das Bewusstsein, die Evolution des Bewusstseins. Die Veränderungen die diese Entwicklungen mit sich bringen, werden so bedeutend sein, dass ihre tatsächliche Auswirkung sehr wohl jenseits unserer Vorstellungskraft liegt. Wir werden uns nicht mehr als isolierte Einzelmenschen betrachten; wir werden wissen, dass wir Teil eines extrem schnell integrierenden globalen Netzwerkes sind, die Nevenzellen eines erwachten globalen Gehirns.

Kommentare

  1. Michael Hohenwarter

    Lieber Hannes,
    in punkto TV stimme ich dir 100% zu – da lohnt sich das Einschalten auch gar nicht mehr. Vielleicht verschwindet das Fernsehen in dieser heutigen Form aber total bzw. wird wahrscheinlich irgendwie im Internet aufgehen/verschmelzen.
    Inwiefern wir eine Entwicklung mitsteuern können ist fraglich. Hab gerade gestern über adaptive Zyklen, Resilienz und Autopoiesis gelesen. In diesem Text wurde schön herausgearbeitet, dass was wir als Steuern bezeichnen, nur eine minimale Reststeuerung ist. Biologische Systeme haben eine Selbststeuerung eine Eigenentwicklung in die wir nur bescheiden eingreifen können. Was hier etwas neuartig klingen mag, wissen wir eigentlich im Alltag schon lange wenn wir sagen: “Die Zeit ist noch nicht reif dafür”. LG Michael

    Geschrieben am 16. Juni 2010 um 07:27 Uhr •

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