Brautkleid ist Brautkleid und Rotkraut….

21. September 2010 Wirtschaft Kommentare deaktiviert

Der schönste Tag im Leben einer Frau beginnt früh morgens in China. Es hat mir im ersten Moment nur die Sprache verschlagen und impulsiv für Kopfschütteln gesorgt, doch nach ein paar Sekunden sah ich die Lage differenzierter. Es geht um Brautkleider, die in China produziert und über Internet direkt in Europa an die Frau gebracht werden.

Es funktioniert alles ganz einfach: Auf einer der vielen Seiten einfach Modell auswählen, vorbestimmte Körpermaße eingeben und auf Bestellung klicken. Produziert und geliefert wird nach Zahlungseingang, der sich auf  ca. 200 – 400 Euro beläuft. Die Erfahrungen der Bräute sind laut meiner Internetrecherche durchwegs gut, kleinere Änderungen durch die lokale (europäische) Schneiderin können notwendig sein, bei den chinesischen Kampfpreisen aber kein Problem.

Viele Fragen tun sich natürlich auf, ob das nun eine “gute” oder “schlechte” Entwicklung ist!? Fakt ist, dass diese Entwicklung der logische Ausfluss einer globalisierten und vernetzten Welt ist. Was geschieht da – meine Vermutung:

  • Produziert wird billigst in China,
  • Zwischenhändler werden konsequent ausgeschalten,
  • das Marketing beschränkt sich auf das Internet,
  • Shop gibt es keinen,
  • die Fixkosten purzeln weg.

Über bleibt ein schlankes, flexibles Geschäftsmodell deren Betreiber eventuell schlaue Europäer sind. Soweit so gut, eine Entwicklung die Dank Internet und einer globalisierten Welt genau so kommen musste. Per se finde ich das auch noch nicht schlecht. Um nun etwas kritischer zu werden, sind folgende Punkte jedoch zu hinterfragen:

  • Werden Markenprodukte kopiert? Möglich!  Langfristig ist jedoch sowieso damit zu rechnen, dass Eigentumsrechte auf Design u.ä. nicht mehr existieren werden. Diesbezüglich sei auf meinen Artikel über Creative Commons verwiesen.
  • Wie sieht es mit den Produktionsbedingungen aus? Das ist für mich eigentlich die zentrale Frage!? Ich weiß weder wo & wie bekannte Modelables produzieren noch wie die Internet-Kleider aus China produziert werden? Es ist anzunehmen, dass die Internet-Kleider-Näherinnen nicht gut entlohnt werden, die Produktionsbedingungen dürften auch zweifelhaft sein. Hier wäre Licht im Dunkeln notwendig.
  • Und die Qualität der Produkte? Scheint meinen Recherchen nach zu passen. Zumindest für einen Abend ;-)
  • Ausreichend zeitlicher Vorlauf bei der Bestellung ist mit Sicherheit einzuplanen!?

Am Ende des Tages stellt sich die Frage, ob die Braut glücklich & zufrieden ist. Wenn ich wüsste, dass mein Kleid regional produziert wird, bin ich bereit dafür Geld auszugeben. Für einen extra Brautkleidzuschlag hätte ich kein Verständnis. Doch wer weiß schon wie & wo sein Kleid hergestellt wird. Daher ist es durchaus verständlich dass das Internet-Kleid ein Option darstellt.

Eines noch: Ja, dieses Geschäftsmodell (zer)stört traditionelle Marken. Vielleicht sollten wir jedoch auch vor unserer Türe kehren. Durch die Exportsubventionen der EU zerstören “wir” nämlich die Bauern in Afrika, da europäisches Gemüse in Afrika billiger zu haben ist als das Gemüse aus lokalem Anbau.

Wäre interessiert wie ihr diese Geschichte seht?

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