Von der Wiege zur Wiege

20. Januar 2011 Best practice, Wirtschaft Kommentare deaktiviert

Schon Tage vor der Konferenz bekomme ich von einer Bekannten die Warnung: Komm früh, um noch einen Sitzplatz zu ergattern, die Konferenz ist total ausgebucht bzw. überbucht. Und einen Sitzplatz möge ich ihr auch noch reservieren. Kein Problem denke ich mir, der Zug kommt  eine Stunde vor Beginn der Konferenz in Graz an, alles bestens. Als ich im Grazer Kunsthaus eintreffe, muss ich jedoch feststellen, dass ich gerade einmal 5  Minuten vor dem Beginn da bin, ich hatte mich vertan. Um 9 wurde zum Sturm in die ZUkunft geblasen, nicht erst  – wie von mir fälschlich abgespeichert – um 9.30.

Doch es klappte alles  bestens, meine Bekannte hatte nämlich nun mir einen Stuhl reserviert. Mit rund 300 anderen interssierten Gästen lauschte ich gespannten der Eröffnung durch die Grazer Vizebürgermeisterin. Nun rund 10 Stunden später bin ich wiederum bestärkt, meinen ganz persönlichen Weg des Wandels weiter zu beschreiten.
Vielleicht fragt sich nun der eine oder andere, was bedeutet nun “von der Wiege zur Wiege”? Kurz und knapp, es ist das gegenteilige Prinzip zu “von der Wiege zur Bahre”. Zweiteres betreiben wir perfekt, wir nehmen unterschiedliche Rohstoffe, vermengen sie zu kompliziert aufgebauten Produkten, nutzen diese und entsorgen sie nach wenigen Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren in den Müll. Wir konsumieren und entsorgen. Wir konsumieren und werfen weg. Es ist eine Einbahnstraße. Das Konzept “von der Wiege zur Wiege” – bekannter übrigens unter dem Titel “cradle to cradle” – formt die Einbahnstraße zu einem Rundkurs um. Rohstoffe werden in Kreisläufen geführt. Abfall gibt es nicht mehr, aus Müll wird Nahrung für das Neue.

“Klingt komisch, is aber so”. Das Kreislaufprinzip einmal verinnerlicht, werden die Vorteile rasch sichtbar. Theoretisch muss sich jedes Unternehmen Rohstoffe nur 1x besorgen und führt sie dann mehrmals im Kreis. Rein theoretisch. Denn bis ein Kreislauf geschlossen werden kann, müssen eine Vielzahl von Bedingungen erfüllt sein. Dass dieses Konzept aber nicht nur Theorie ist, beweisen die 200 Produkte die beim “cradle to cradle Festival” in Berlin ausgestellt werden.

Es ist schwer das Konzept in der gebotenen Kürze eines Blogbeitrags tiefer zu erläutern, das maßgebliche Prinzip ist oben beschrieben. Wer tiefer Eintauchen möchte, dem ist die Seite vom Festival oder good old “you tube” zu empfehlen.

Conclusio:

1) Konferenz: Toll organisiert, gut besucht, gute Redner, guter Moderator, gute Location…was will man mehr. Mehr unter www.cradletocradle.at/about/kongress-2011/.

2) Cradle to Cradle: Ein Schritt in die richtige Richtung. Eine Philosopie der Zukunft, die eigentlich eine “vergessene” Philosophie der Vergangenheit in sich trägt.  Sie hat einen neuen Namen bekommen und wurde weiter entwickelt. Alltagstauglichkeit? Noch nicht ganz gegeben. Es bedarf viel an Forschung und Entwicklung, um dem Prinzip gerecht zu werden. Allerdings geht es meiner Meinung nach nicht darum, morgen alle Produkte einem “cradle to cradle Prozess” zuzuführen, sondern sich nach diesem Prinzip zu orientieren und sich nach der Decke zu strecken. Ganz nach dem Motto geht nicht, gibts nicht!

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