Wie passen Angst und Öffentlicher Verkehr zusammen?

13. Januar 2011 Allgemein, Best practice, Mobilität 1 Kommentar

Das Kyotoabkommen ist wohl den meisten “nachhaltig” orientierten Menschen ein Begriff. Das Protokoll sieht vor, den jährlichen Treibhausgas-Ausstoß der Industrieländer innerhalb der sogenannten ersten Verpflichtungsperiode (2008–2012) um durchschnittlich 5,2 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu reduzieren. Österreich verpflichtete sich sogar zu einer CO2-Reduktion von 13%.

Nach dem Kyoto-Protokoll muss Österreich einen Rückgang der CO2-Emissionen von 13Prozent erreichen. Nach der Prognose der EU-Kommission werden es aber mindestens 13 Prozent mehr sein. In dieses Bild passt das jüngste Klimaschutzranking Österreichs. Laut dem beim Klimagipfel in Cancún vorgestellten Index der deutschen Umweltorganisation Germanwatch kommt Österreich nur auf Platz 40 von 57 Ländern.

Ö3 berichtete davon und dass die Mobilität eine zentrale Ursache für das nicht Erreichen der Ziele ist. An dieser Stelle will ich nun nicht lamentieren über schlechten ÖV (im ländlichen Raum) oder über mangelndes Bewusstsein der Bevölkerung, sondern meine ganz private erst Skitour mit dem “ÖV” beschreiben.

Hoch über Lienz am Zettersfeld. Quelle: www.geniesserhotels.com

Hoch über Lienz am Zettersfeld. Quelle: www.geniesserhotels.com

Chronologie der Ereignisse

8 Uhr: Ö3 Bericht  über Kyotoprotokoll

9 Uhr: im Büro eingelangt, sehr spät für meine Verhältnisse – die Sonne scheint

10 Uhr: Emails beantwortet, die Sonne scheint, Wetterbericht lesen…uiii, morgen schlecht

10.10  Skibusplan von Lienz ausgedruckt – das wollt ich immer schon einmal machen

10.15  Büro verlassen, mit dem Rad nach Hause, Skitourenausrüstung geschnappt

10.35  Wohnung verlassen -3 Minuten Marsch zum Skibus

10.45  Skibus kommt – wider meinen Erwartungen ist er mit 10 Menschen “gut” gefüllt

10.52  Ankunft Zettersfeld Bahnstation – 1x Berg- u. Talfahrt gekauft

11.00  Schwebe hinauf auf 1.800m Seehöhe – Traumhafter Blick ins Tal

11.10  Anschnallen der Skier und los geht es – Aufstieg auf das Goisele (~2.400m)

12.10  Ankunft am Goisele kurze Pause – Abfahrt zur Seewiesen Alm – traumhafter Pulver

12:30 Aufstieg von der Alm zurück ins Skigebiet – Abfahr zur Gondel

13: 25 Talfahrt mit der Gondel – keine Ahnung wann der Skibus fährt…hab ich mir nicht gemerkt

13:35  Skibus fährt erst um 14:07, entscheide mich für einen Fußmarsch nach Hause

13:50 bin wieder zu Hause – glücklich und zufrieden

Reflexion

Bin ich jetzt ein Öko-Held? Zugegeben es fällt leicht mit dem Skibus zu fahren, wenn er in 3 Minuten Fußmarsch erreichbar ist. Doch habe ich 3 Jahre gebraucht zu realisieren

a) dass es einen Skibus gibt,

b) dass dieser fast vor meiner Haustüre stehen bleibt,

c) dass dieser im Stundentakt immer um xy:45 fährt,

d) dass man das eigentlich einmal ausprobieren könnte.

Wieso habe ich so lange gebraucht das zu realisieren und in die Tat umzusetzen. Oberflächlich betrachtet ist der “Hemmschuh” das eigene Auto in der Garage und die 10€, welche die Berg- und Talfahrt kostet. Meine Standardvariante sieht nämlich vor, ins Auto zu steigen und zur  Bergstation der Gondel zu fahren. Kurzsichtig gedacht kostet mir diese Variante nur den Benzin und ist zeitlich auch noch etwas schneller…

Graben wir etwas tiefer, wo liegt der Schlüssel zur Verhaltensänderung? Ich beihaupte bei der Art zu Denken und bei der Aufmerksamkeit meiner Umwelt (nicht nur biologisch gedacht) gegenüber. Solange ich darauf programmiert bin Zeit zu sparen und Geld zu sparen – also ein Getriebener der Knappheit bin  – kann ich ganz objektiv den ÖV nicht verwenden. Ich benötige einen Perspektivenwechsel – den Blick auf das Ganze, Entschleunigung, einen Blick auf die Fülle unsere Welt, dann erst kann ich mich für diese Variante entscheiden.

Fazit

Wir wissen dass es 2 grundlegende Zustände  gibt aus denen der Mensch  handelt – Angst und/oder Liebe. Liebe ist hier breiter Verstanden als Liebe in einer Partnerschaft. Unter Liebe verstehe ich das Erkennen der Fülle und das bedingungslose Geben, das offen Sein, Verbundenheit. Angst steht für die Angst vor Knappheit, vor zu wenig Zuneigung, vor zu wenig Anerkennung.  Was unserer Gesellschaft uns mehrheitlich lehrt, ist aus Angst zu handeln, auch wenn uns das nicht direkt bewusst ist.

Kommentare

  1. Hohenwarter G. sen.

    Gratuliere zu diesem Artikel, der jeden von uns ein wenig anregen sollte, umzudenken. Wenn das ÖV 3 min vor der Haustüre wegfährt, dann könnte ich mir auch vorstellen, Nachahmungstäter zu werden. Aber wer ist schon so ein Glücksvogel? Noch kann ich mich nicht überwinden, ein ÖV zu benutzen, um eine Schitour durchzuführen. Vielleicht brauche ich noch ein wenig Zeit zum Umdenken!

    Geschrieben am 13. Januar 2011 um 22:46 Uhr •

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