Innovationskongress 2012 – Eindrücke für Vordenker

19. November 2012 Veranstaltungen Kommentare deaktiviert

Dass ein Innovationskongress dieses Formats in Villach stattfindet, hätte sich vor ein paar Jahren wohl niemand gedacht. International bekannte Größen wie Jeremy Rifkin oder Peter Barbeck-Letmathe (Präsident der Verwaltungsräte der Nestlè AG) wurden vom Institut für Innovation nach Villach gelotst. Danke dafür!

Jeremy Rifkin bei seinem Auftritt – er meidet die Bühne und stellt sich ins Publikum

Da ich mich in diesem Blog mit dem Thema Wandel auseinandersetzte  und den Wandel gr0ß – als Wandel der Kultur, der Systeme udgl. verstehe – möchte ich den Innovationskongress und die zusammenfassenden Schlüsselpunkte auch aus diesem Gesichtspunkt betrachten.

Takeways Tag 1

  • Moore`s law: Die Leistungsfähigkeit der Computerchips verdoppelt sich alle 18 Monate. Das ist die Basis für die Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche.
  • Wandel vom Besitz hin zum Zugang. Produktbesitz verliert an Wichtigkeit, was zusehends zählt ist der Zugang zum Produkt.
  • Dezentralität & Digitalisierung: 3D-Druck und Co ermöglichen dezentrale Produktion. Digitale Produktpläne bilden die Basis dafür. Diese Pläne sind dank Internet theoretisch überall verfügbar. Gedruck kann heute schon Plastik, organisches Gewebe, Glas, Metall usw. werden. Dieses Thema wird die Produktion und dessen Verteilung revolutionieren.
  • Digitalisierung des Wissens –> neue Bildungsformate (online z.B. https://www.edx.org/) kommen, Uni wie wir sie kennen ist in 10 Jahren tot.
  • Innenstädte bzw. Nähe als Trends, wir Menschen suchen zusehends: Nachbarschaft, social pleasure, Frische, Glokalisierung, walkable consumption.
  • Auch im Trend als Gegenstück zum obigen Punkt: Unterwegsmärkte.
  • Leitbilder in Firmen leben nur wenn sie von der Unternehmensführung vorgelebt werden (leadership). Zusätzlich ist die Sprache (aktivierend), welche im Leitbild verwendet wird,  maßgeblich dafür, ob das Leitbild umgesetzt wird.
  • Jack Trout – Differenzierung via: attribute, how it is made, beeing first, leadership
  • Inspirierender Abend mit Josef Zotter und Peter Florjancic (slowenischer Erfinder und Unternehmer).

Takeways Tag 2

  • Soziale Netzwerke sind ein altes Thema, es war schon immer da. XING baut sein Unternehmen rund um die 6 “Grundbedürfnisse”: Kommunikation, Wissen&Lernen, Chancen, Selbstdarstellung, Kontakte & Beziehungen auf.
  • Oliver Gassmann (Uni St. Gallen) hat eine interessante “U-Bahnkarte der Geschäftsmodelle” erstellt: die Business Model Innovation Map. Sehenswerte Analyse der unterschiedlichen Geschäftsmodelle über die letzten 50 Jahre. Clusterung nach Modelltypen (LockIn, Peer-to-peer, Long Tail, NoFrills, Franchising…)
  • Das Ökosystem in das ein Unterehmen eingebettet ist, ist maßgeblich für den Innovationserfolg verantwortlich –> open innovation!
  • Spirit & positive Grundeinstellung als Basis für Innovation.
  • Jeremy Rifkin betont die Dramatik des Klimawandels & der Ressourcenknappheit (Peak Oil pro Kopf haben wir schon längst erreich, Peak Oil – crude oil – in absoluten Zahlen ev. auch schon). –> Systemwandel
  • Jeremy Rifkin: Systemwandel ereignet sich wenn sich Kommunikationstechnonologie und die Energysysteme verändern, wir haben heute diese Rahmenbedingungen.
  • Jeremy Rifik über die Zukunft: The shift to lateral power, distributed capitalism, democatizing manufactoring, near zero cost marketing and logistics, new business models & jobs.
  • Jeremy Rifkin setzt auf dezentrale Energieerzeugung, Wasserstoff als Speicher und “smart energy internet” .
  • Jeremy Rifkin: The transition to the 3rd industrial revolution will require a wholesale reconfiguration of the entire economic infrastructur of each country.
  • Der live 24h-Innovationsmarathon(Studententeams bearbeiteten Fragestellungen von Unternehmen) fand ich sehr innovativ.

Zusammenfassend: Themen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit udgl. sind im vordenkenden Mainstream mittlerweile angekommen. Interessant finde ich auch die Überlegung, dass die Digitalisierung der Produkte & des Wissens sehr wahrscheinlich zu einer Dezentralisierung der Produktion und des Wissens führen werden. Das ist für mich ein ganz zentraler Baustein (nicht der einzige), um unsere Zivilisation zukunftsfähig zu gestalten. Innovation & Nachhaltigkeit gehen aus meiner Sicht Hand in Hand, besonders dann, wenn man Innovation nicht nur als technische Innovation versteht, sondern auch als soziale!

 

 

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