Ideenalm 2010
Bin gerade zurück von der herrlichen Ideenalm, die von Hannes Offenbacher und Nicol Arnitz initiert wurde. Hoch über Alpbach diente die Bischoferalm als Quartier für nachhaltige Denker aller Branchen und Richtungen. Jeder der geladenen Gäste wurde von Hannes vor die Kamera “gezerrt”, um in einem lockern Gespräch über Nachhaltigkeit zu sprechen. In meinem Gespräch drehte sich alles um regionale Entwicklung und die Diskrepanz zwischen planerischen Konzepten und praktischer Umsetzung.

Hannes Offenbacher bei der "Arbeit" - www.mehrblick.at
Richtig spannend, war das abendliche Gespräch mit anderen Hüttengästen. Ich hatte die Freude mit Thomas Nasswetter, Valentin Heppner, Hannes Offenbacher, Nicole Arnitz, Marie Ringler und Helge Fahrnberger einen Abend lang die Welt retten zu wollen. Ok, wir haben zumindest nachgedacht und sind zu der Erkenntnis gekommen, reden ist gut, handeln ist besser. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass es zunächst einen Refelxions- und Denkprozess braucht, bevor man in den “Aktivmodus” umschalten kann. Wann man von der Theorie in die Praxis schreitet, muss jeder selbst für sich bestimmen. Mich hat der Abend der Praxis auf alle Fälle wieder einen Schritt näher gebracht. Danke @all für die interessanten und lustigen Stunden.
Creative Commons & Open Source
Commons ist der englische Ausdruck für Gemeingüter. Also Güter die nicht im Besitz einer Person sind, sondern gemeinschaftlich genutzt und verwaltet werden. Das klassische Beispiel ist die landwirtschaftlich Allmende – Grund und Boden der von Bauern gemeinschaftlich genutzt und gepflegt wird. Heute sind “commons” besonders im Zusammenhang mit den Creative Commons ein Begriff. Werden Dokumente, Bilder udgl. nach den Creative Commons veröffentlicht, so räumt der Urheber der Öffentlichkeit Nutzungsrechte ein (Details hier). Dieses Prinzip der gemeinschaftlichen Nutzung findet heute in erster Linie im Wissensbereich und im künstlerischen Umfeld Anwendung. Wenn man von den Creative Commons redet, muss man natürlich auch den Open Source Bereich erwähnen. Open Source (”quelloffen”) ist ebenfalls ein Typ von Lizenz, die besonders in der Softwareprogrammierung Anwendung findet. Der Quelltext (also die Art und Weise der Programmierung) wird veröffentlicht und kann von anderen Programmierern weiter entwickelt werden. Dies ist bei der herkömmlichen Programmierung nicht “Usus”, denn der Quellcode ist das geistige Eigentum des Programmierers, welches in der traditionellen Denke nur kommerziell (also gegen Entgelt) zugänglich gemacht wird.
Logo der Creative Commons - www.wikipedia.de
Zusammenfasst: Open Source und Creative Commons sind Lizenzen, die es der Öffentlichkeit ermöglichen, bestehendes Wissen zu nutzen, damit zu arbeiten und es weiter zu entwickeln. Wissen wird hier als gemeinschaftliches Gut verstanden. Diese Philosophie steht in diametralen Gegensatz zu dem System der Patentierung und damit Kommerzialisierung von Wissen.
Die Stadt Linz will nun neue Wege gehen und unter dem Begriff Open Commons Impulse für die frei zugängliche Nutzung und elektronische Verbreitung von Daten, Software, Lehr- und Lernmaterialien und anderen als »Open Commons« (Gemeingut) bezeichneten, digital gespeicherten Inhalten geben. Die freie Nutzung von Wissen scheint also vom “gesellschaftlichen” Rand schon etwas in die Mitte zu Rücken. Die Initiative ist nicht einzigartig, aber durchaus begrüßenswert. Ähnliche Initiativen gibt es zum Beispiel in Berlin, Nürnberg, Wien und Stuttgart. Franz Nahrada kommentiert im Hinblick auf Linz kritisch im Blog keimformen.de:
Wird sich die Einsicht durchsetzen, dass Commons eben auch heißt, Menschen zu befähigen als Community agieren zu können und langfristig und nachhaltig Infrastrukturen zu erhalten und weiterzuentwickeln? Oder gilt “Commons” als quick fix der sowieso jedem einleuchtet und klar ist und von selbst funktioniert?
Ich persönlich bin davon überzeugt, dass Open Source und Creative Commons die Zukunft gehört. Wie rasch wir als Gesellschaft lernen diese Lizenzen richtig anzuwenden (im Sinne eines Beitragens zu Gesellschaft) steht offen. Viele Versuche & Projekte werden gestartet werden müssen und die Idee & Sinnhaftigkeit dieses Ansatzes zu verbreiten.
Die Zeit in der Wissen, Baupläne usw. von zentraler Stelle aus kontrolliert werden konnten, geht aus meiner Sicht dem Ende zu. Seitdem das Web 2.0 (z.B. Wikipedia) aufgekommen ist, wird es immer schwieriger Wissen als Macht über andere zu verwenden. Macht in dem Sinne, dass das Wissen anderen nicht zugänglich ist. Interessant ist auch, dass immer mehr Menschen ihr Wissen unentgeltlich nach den oben erwähnten Lizenzen ins Internet stellen. Unterschiedlichen Untersuchungen zu Folge machen sie das aus einem Bedürfnis etwas beitragen zu wollen und sich mit Dingen zu beschäftigen die ihnen Spaß machen. Das betrifft nicht nur theoretisches Faktenwissen, sondern auch praktisches Wissen im Zusammenhang mit technischen Bauplänen. Daraus hat sich zum Beispiel auch eine interessante Bewegung der Open Source Ecology entwickelt. Die gemeinschaftlich organisierten Selbstversorger machen ihr Wissen über Geräte und Produktionsmethoden den Mitmenschen frei zugänglich.
Wissen zu teilen wird ein essentieller Part für den Wandel sein. Es wird viel probiert und getestet werden müssen. Eine rascher und frei verfügbarer Informationsfluss ist in diesem Zusammenhang unerlässlich. Creative Commons & Open Source müssen daher zur Selbstverständlichkeit werden.
Vom Reden zum Tun
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. No na, ist ja eh klar, wenn da nicht das Problem wäre, dass der Weg vom Reden zum Tun ein sehr langer ist. Gestern erzählte mir zum Beispiel eine Bekannte, dass sie vor langer Zeit sich vorgenommen hatte, das Meditieren einen fixen Bestandteil ihres Lebens machen zu wollen. Es dauerte geschlagene 12 Jahre bis sie ihr Vorhaben umgesetzt hatte. Gut Ding braucht eben Weile…schon wieder so eine “Binsenweisheit”.
Bleiben wir beim Tun. Über Nachhaltigkeit reden alle, ernsthaft etwas dafür tun die wenigsten. Daher gebührt denen Ruhm und Ehre die sich engagieren. Ein positives Beispiel dafür das Jugendforum für eine nachhaltige Welt – auf die Beine gestellt von Josef Kreitmayer.

An 5 aufeinanderfolgenden Tagen wird in Eisenerz zum Thema Nachhaltigkeit geschraubt und gewerkelt. Neben fachlichem Input zu Finanzkrise, Peak Oil, Soziale Ungleichverteilung, Klimakrise usw. kommt auch der “inneren” Komponente des Menschen eine große Rolle zu. Dieser Bereich ist das Stiefkind der Nachhaltigkeitsdebatte. Wenn Emotionen, Befürfnisse und Ähnliches am Programm stehen, wird man fälschlicher Weise sofort in die esoterische Ecke abgeschoben. Eigentlich sollte es klar und einleuchten, dass wir Menschen zuerst in unserem Inneren aufräumen müssen, um nachhaltig handlen zu können. Denn im Inneren des Menschen geht es ums Eingemachte. Dieser Bereich ist die Achillesferse unserer Gesellschaft – das Innere, die Emotionen. Wir werden täglich darauf programmiert, Emotionen nur im privatesten Bereich zuzulassen. Emotionen in der Gesellschaft zu zeigen “is nich”. Das Leben ist hart, die Wirtschaft & Konkurrenz ist hart. Folglich müssen wir härter sein. Dabei wird konsequent ausgeblendet, worum es im Leben eigentlich gehen sollte. Es wird eigenlich auch nicht mehr hinterfragt was wir genau als Gesellschaft “aufführen”. Ich pointiere: Unter der Woche arbeitsmäßig betäuben und am Wochenende dann das indivduell abgestimmtes Kontrastprogramm. Ob das so sein muss und was wir damit ökologisch und sozial anrichten, wird scheinbar nicht mehr reflektiert. Wir haben ja gar keine andere Möglichkeit…
Zurück nach Eisenerz: Tiefenökologie und meschliche Bedürfnisse stehen hier genauso am Programm wie all die anderen Nachhaltigkeitsthemen. Eine Runde Sache, welche die Teilnehmer hier noch bis Samstag erleben können. Dem Ziel von Josef Kreitmayer, möglichst viele kontkrete Projekte aus diesem Jugendforum erwachsen zu lassen, kann man nur alles Gute wünschen.
P.S.: Es war schön mit interessierten, engagierten jungen Menschen zu arbeiten. Leider zu kurz! Danke!
Soziale Transformation: Vom Schmetterling zur Raupe
Es gibt eine wunderbare Analogie für Veränderungsprozesse aus der Natur, wenn man einmal an die Welt der Schmetterlinge denkt.

Dabei handelt es sich um mehr als nur eine bildliche Metapher, wie die amerikanische Autorin Norie Huddle in ihrem Buch Butterfly – A tiny Tale of great Transormation wissenschaftlich beschreibt: Wenn sich eine Raupe in ihren Kokon einspinnt, dann entstehen – so wissen wir heute – in ihrem Körper neue Zellen, die von der Wissenschaft Imago-Zellen genannnt werden. Sie schwingen in einer anderern Frequenz als der Rest des Raupenkörpers. Sie sind so andersartig, dass das Immunsystem der Raupe sie für feindliche Fremdkörper hält, sie angreift und verschlingt. Aber diese neuen Imago-Zellen tauchen weiter auf und werden immer mehr. Schon bald kann das Immunsystem der Raupe diese Zellen nicht mehr schnell genug vernichten. So überleben immer mehr der Imago-Zellen diese Angriffe. Und dann passiert etwas Erstaunliches: Die kleinen und bis dahin ziemlich einsamen Imago-Zellen beginnen sich in kleine Gruppen zu verklumpen. Dabei schwingen sie auf einer ähnlichen Ebene und beginnen von Zelle zu Zelle Informationen miteinander auszutauschen. Dann nach einer Weile passiert wieder etwas höchst Erstaunliches: Diese Klumpen von Imago-Zellen beginnen Gruppen zu bilden! Sie ergeben einen langen Faden von in Haufen verklumpten Imago-Zellen, die in der gleichen Frequenz schwingen und nun in größerem Maßstab miteinander innerhalb der verpupppten Larve Informationen austauschen. Dann, an einem bestimmten Punkt, scheint dieser lange Faden von Imago-Zellen plötzlich zu begreifen, dass er etwas ist. Etwas anderes als die Raupe. Etwas Neues! Und mit der Erkenntnis einer eigenen Identiät verwandelt er den alten Raupenkörper von innen. Diese Erkenntnis ist die eigentliche Geburt des Schmetterlings. Denn damit kann jetzt jede Schmetterlingszelle ihre eigene Aufgabe übernehmen. Für jede der neuen Zellen ist etwas zu tun, alle sind wichtig. Und alle anderen Zellen unterstützen sie darin, genau das zu tun. Das ist die perfekte Methode, einen Schmetterling zu erschaffen. Und ein perfekter Weg, eine Schmetterlingsbewegung aufzubauen…
Zitiert aus: Zukunft entsteht aus Krise, S.237-238 – Nicanor Perlas im Gespräch mit Gesko v. Lüpke
Wer die Zukunft begreifen will….
…der kauft sich das Buch”Zukunft entsteht aus Krise”. Auf über 500 Seiten hat der studierte Politikwissenschaftler Geseko v. Lüpke Interviews mit unterschiedlichen Persönlichkeiten festgehalten: Systemtheoretiker Ervin Laszlo, Quantenphysiker Hans-Peter Dürr, Systemtheoretikerin Joanna Macy, Ökonom Joseph Stiglitz, Ökonom und Tiefenpsychologe Bernard Lietaer, Gründer der Sekem Initiative Ibrahim Abouleish. In den Gesprächen dreht es sich um Krise – Transformation und ein leben danach.
Weil mir die nachstehenden Zeilen von Elisabet Sahtouris (Evolutions- und Zukunftsforscherin) aus dem Buch gerade unterkamen möchte ich sie mit euch teilen:
Je älter ich werde, desto mehr erkenne ich, dass es in menschlichen Gesellschaften genauso abläuft wie in der Natur: Die Natur ist sehr konservativ mit Dingen, die gut funktionieren, kann dann aber völlig unvermittelt in einen radikalen Krisenzustand fallen und daraus schnell Innivationen entwicklen, damit das System wieder ins Gleichgewicht kommt. In diesem Sinne lässt sich sagen, dass Evolution durch Desaster ausgelöst und beschleunigt wurde. Krisen lsöen die nächste Welle der Evolution aus.
Krisen sind für unsere Weiterentwicklung also notwendig. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass Krise ursprünglich im Alt-Griechischen die “Meinung”,”Beurteilung”, “Entscheidung”, eine Entscheidungssituation bezeichnete. Aus der ursprünglichen Bedeutung lässt sich noch keine Katastrophe ableiten. Ob die Krise zur Katastrophe wird (Alt-Griechisch: Wendung zum Niedergang) entscheiden wir Menschen. Die Betonung liegt auf wir! Es ist jeder einzelne. Wir sind alle in ein soziales Netzwerk eingebunden. Jede unserer Tätigkeiten (besonders diese die wir auch kommunizieren und deutlich machen) wirkt auf unsere Umwelt. Auf die biologische und die soziale Umwelt!
Die Krise gibt uns die Möglichkeit uns weiter zu entwicklen. Wir sollten diese kollektiv nutzen, denn nur so können wir den Weg in eine Zukunft voller Genuss und Lebensfreude möglichst schmerzfrei gestalten.