Mindset & Power Down
Letzte Woche war ich beim Dialogforum regionale Wirtschaft im Rahmen des PowerDown Projekts in St. Georgen am Längsee. Prominentester Teilnehmer der Runde, die sich über die Konsequenzen von Peak Oil unterhielt, war Elmar Altvater. Im Zuge der Diskussionen und Worksessions wurde wieder einmal klar und deutlich, welch kultureller Wandel in den nächsten Jahren bevorsteht. Im Zusammenhang mit Wandelprozessen gefällt mir der Ansatz der Mindsets von John Naisbitt. In seinem Buch Mind Set! bespricht er 11 Denkmuster die für das erkennen und bewältigen der Zukunft notwendig sind. An dieser Stelle möchte ich nur 2 kurz hervorgreifen:
Eilen Sie der Parade nicht so weit voraus, dass die Menschen nicht mehr erkennen, dass Sie dazu gehören.
Wenn man Wandel “verkaufen” will, dann muss man bedenken, dass Menschen die Auswirkungen zukünftiger Events stark diskontieren. Je weiter (zeitlich) etwas aus ihrem subjektiven Empfinden weg ist, desto irrelevanter für ihr Verhalten. Umso wichtiger ist es im Alltag der Menschen anzuknüpfen und eine klare und unmittelbare Verbindung zwischen der persönlichen Situation und dem notwendigen Wandel herzustellen.
Der Widerstand gegen den Wandel fällt, sobald seine Vorteile erschichtlich sind.
Beinahe schon eine “Binsenweisheit”. Die große Herausforderung besteht darin die Vorteile eines Wandel herauszuarbeiten. Was ist gut daran wenn Benzin 3€ kostet? Auf den ersten Blick nichts, rein gar nichts. Doch auf den 2. fachmännischen Blick erkennt man, dass mit steigenden Transportkosten wieder mehr lokale Arbeitsplätze entstehen werden. Kürzere Pendeldistanz bedeutet weniger Treibstoff, eventuell weniger Kosten, weniger Zeitaufwand, weniger CO2 usw. …
Jetzt doch noch ein Mindset für jedermann zur praktischen Anwendung:
Behalten Sie den Spielstand im Auge
Naisbitt führt aus: Wenn ein Fußballspiel 5:2 endet, dann sind dies die Fakten. Das Resultat verändert sich auch durch Ausrede, Belobigungen oder Erklärungen des Gewinners oder Verlierers nicht. Keine noch so blendende Rhetorik eines CEOs kann bestehende Geschäftszahlen verbessern.
Also achten Sie auf Fakten und nicht auf blumige Reden. Und weil ich es gerade im Radio höre: Umweltminster Berlakovich kündigte den Energieplan für Österreich (oder so ähnlich) an. Klang gut und vielversprechend….war aber nur eine Ankündigung…
Nachhaltiges Finanzsystem & nachhaltige Energieversorgung gefordert
Reiseintensiv sind diese Tage für mich. Doch hat sich der Aufwand bis dato ausgezahlt. Letzten Donnerstag trat ich die Fahrt ins weit entfernte Pielachtal an, um der Einladung von Johann Weiss vom Steinschalerhof zu folgen. Der Nachhaltigkeitspionier hatte zu den Steinschaler Kamingesprächen geladen. Thema des Abends: Was hat das Finanzsystem mit Nachhaltigkeit zu tun. Als Redner war Prof. Wohlmeyer angekündigt. Es waren interessante & teilweise besorgniserregende Einblicke in unser Finanzsystem. Wie wir es drehen und wenden, die Loslösung der Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft wird zu einer Implosion des Systems führen. Die Frage ist, ob wir es schaffen eine geordnete Implosion zu organisieren, oder ob es „einfach geschehen wird“. Nach angeregter Diskussion folgte ein gemütlicher Abend im Steinschalerhof. Am nächsten Tag ging es weiter nach Wels zum Symposium „Energieautarke Gemeinde“.
Ca. 150 Gemeindevertreter waren in Wels erschienen, um sich zu dem Thema zu informieren. Neben vielen Informationen über Förderprogramme und einem anregenden World Cafè, in dem sämtliche Handlungsebenen der Gemeinden diskutiert wurden, waren der Vortrag von Prof. Kromb-Kolb, bzw. die „Best practice Beispiele“ der Gemeinden Windhaag, Güssing und Langenegg die Highlights des Tages. Während der Aufstieg Güssings ohne massive Ziel I Gebietsförderung durch die Europäische Union nicht möglich gewesen wäre, „leben“ die Initiativen in den anderen beiden Gemeinden sehr stark von bürgerlichem Engagement.

Energieversorgung wird neu gedacht! Quelle:www.schueco.com
Ihre Ausführungen über Peak Oil und Klimawandel schloss Prof. Kromp Kolb mit einem klaren Appell die Werte unserer Gesellschaft zu überdenken. Sie sprach das fortwährend Krisen produzierende Zinseszins-System an (alle 60 Jahre), forderte auf darüber nachzudenken wie ein Wirtschaftssystem ohne Wachstum aussehen könnte und dass wir lernen müssen, längerfristig zu denken. Schlussendlich brauchen wir eine Stärkung der Zivilgesellschaft. Wir stehen vor einem kulturellen Epochenwandel.
Die klare Botschaft beider Veranstaltungen: Business as usual wird unsere aktuelle Situation verschärfen. Endloses Wachstum ist auf einem endlichen Planeten nicht möglich. Diese Erkenntnis muss uns zu mehr Effizienz, zu Suffizienz und zu neuen Denkweisen führen.
Blick zur hohen Politik
Dass es viele “grass roots” – Initiativen gibt, die sich mit einer ökologisch & sozial gerechten Zukunft beschäftigen, ist hinreichend bekannt. Doch auch in der hohen Politik scheint man sich dem Thema der Nachhaltig und des Wachstums langsam ernsthaft anzunehmen. Zumindest lassen die Äußerungen von Angela Merkel darauf schließen (Video, interessant ab Minute ~ 2). Sie spricht von einer nachhaltigen Finanzarchitektur, von nachhaltigem Umgang mit Ressourcen und von einer Abkehr von BIP als einzig “gültige” Messgröße für Wohlstand und Fortschritt. Ein Gespräch mit Frau Merkel wäre höchst interessant. Was sie wohl immer mit dem Begriff “nachhaltig” meint!?
Dazu ein kurzer Schwenk zur Finanzkrise. Der Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (BEIGEWUM) kritisiert in seiner neuen Publikation Mythen der Krise, die mangelhafte und unvollständige Krisenanalyse:
Wenn sich die kritischen ökonomischen Theorien, durch die Krise ins Recht gesetzt, durchsetzen würden, würde bzw. müsste das mehr oder weniger fundamentale wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Umgestaltungen nach sich ziehen.
Zurück zu Frau Merkel. Wenn sie von einer nachhaltigen Finanzarchitektur spricht, gesteht sie indirekt ein, dass es so nicht weiter laufen kann. Damit verbunden sind jedoch auch genau die vom BEIGEWUM angesprochenen Umgestaltungen. Ein Wandel steht bevor, das wissen auch die Politiker, doch sie wissen auch, dass es für den Wandel keine Blaupause gibt.
Video entdeckt bei Wachstum im Wandel.
Vision & Bewusstsein & ein Video
Eigentlich wollte ich heute die positive und attraktive Seite unserer Zukunft präsentieren. Denn wer einen Wandlungsprozess inizieren will, der muss ein attraktives Ziel verkaufen. Zu lange wurde nur mit dem Zeigefinger auf falsches Verhalten hin gedeutet. Dass sämtliche Umweltschutzgruppen damit nur mäßig erfolgreich waren, ist bekannt.
Dazu eine Parallele aus dem Alltag: Essen ist eine der schönsten Beschäftigungen der Welt – zumindest für mich. Übergewicht ist bei übermäßigem Genuss oft die Folge. Was bewegt einen Menschen nun dazu,weniger oft dem Genuss zu fröhnen? Der Zeigefinger des Lebenspartners, oder doch eine attraktivere Figur, bessere Gesundheit und höhere Leistungsfähigkeit die in Aussicht stehen?
Bevor man aber dieses neue gesunde Leben anstreben kann, muss man realisieren, dass man im Moment auf ungesunden Pfaden wandelt, dass man ein Problem hat. Es gilt Bewusstsein für ein Problem zu schaffen. In diesem Zusammenhang ist auch das Video von Dennis Meadows zu verstehen.
Die Kraft der Vision – Tom Atlee
Begeistert von seinen Worten, hab ich sofort den Computer gestartet, um diese seine Worte mit meinen Lesern zu teilen:
Tom Atlee – http://www.co-intelligence.org/:
Ich bin also zu der Einsicht gekommen, dass alle Voraussagen – seien es gute, seien es schlimme – uns absolut nichts darüber sagen, was möglich ist. Trends und Ereignisse beziehen sich nur auf das, was wahrscheinlich ist. Wahrscheinlichkeiten sind Abstraktionen. Möglichkeiten sind der Stoff des Lebens, Visionen, nach denen man handeln, Türen, durch die man gehen kann. Pessimismus und Optimismus lenken nru davon ab, das Leben voll auszuschöpfen.