Archiv für die Kategorie „Energie“
e5?
Hinter dem Titel e5 verbirgt sich das Programm für energieeffiziente Gemeinden. Gemeinden die diesem Programm beitreten, werden regelmäßigen Audits unterzogen, in welchen die Energieeffizienz der Gemeinden abgefragt wird. Dabei wird in den Fachbereichen Raumordnung, Ver- & Entsorgung, kommunale Gebäude, Mobilität, interne Organisation und Kommunikation geprüft. Mehr Infos zu dem Programm findet man hier.
![Wahrlich effizient. [Quelle:www.blogs.taz.de]](http://www.taz.de/blogs/wp-inst/wp-content/blogs.dir/44/files/2007/03/048%20energieeffizienz%20eimer.jpg)
Wahrlich effizient. [Quelle:www.blogs.taz.de
Wer an dieser Entwicklung vorausschauend etwas ändern will, muss in den Köpfen der Bürger beginnen. Das ist natürlich Knochenarbeit. Information und Bewusstseinsbildung sind aber unverzichtbar für unsere Zukunft. In Zeiten ständig steigender Energiepreise ist jede Gemeinde und jeder Bauträger gut beraten Infrastrukturkosten so gering wie möglich zu halten.
Ein neues Tool für eine energieeffiziente Raumplanung – aber auch für die Bewusstseinbildung - ist der Energieausweis für Siedlungen. Anders als beim Energieausweis für Gebäude, geht es beim Energieausweis für Siedlungen um den Energieaufwand den eine Person die in der gewählten Siedlung lebt, im Alltag aufzubringen hat. Kosten für Ver- & Entsorgung (Leitungslängen), Distanz zum Nahversorger, zum Öffentlichen Verkehr, zu Bildungseinrichtungen und zum nächsten Freiraum werden analysiert. Als Ergebnis tritt eine Bewertung von A bis F zu Tage und vermittelt ein einfach verständliches Bild über den Energiebedarf eines Wohnungsstandortes.
Das Thema Energie ist zwar schon in den Köpfen der Menschen angekommen, doch endet es meist beim Thema der Raumwärme. So wichtig auch der effiziente Umgang mit “Wärmeenergie” ist, viel dringender müssen wir uns dem Thema Energie & Mobilität annehmen. Doch hier geht es ums eingemachte. Um das Haus im Grünen um den eigenen PKW, kurz gesagt um das was der “moderne” Mensch als Freiheit ansieht.
Nachhaltiges Finanzsystem & nachhaltige Energieversorgung gefordert
Reiseintensiv sind diese Tage für mich. Doch hat sich der Aufwand bis dato ausgezahlt. Letzten Donnerstag trat ich die Fahrt ins weit entfernte Pielachtal an, um der Einladung von Johann Weiss vom Steinschalerhof zu folgen. Der Nachhaltigkeitspionier hatte zu den Steinschaler Kamingesprächen geladen. Thema des Abends: Was hat das Finanzsystem mit Nachhaltigkeit zu tun. Als Redner war Prof. Wohlmeyer angekündigt. Es waren interessante & teilweise besorgniserregende Einblicke in unser Finanzsystem. Wie wir es drehen und wenden, die Loslösung der Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft wird zu einer Implosion des Systems führen. Die Frage ist, ob wir es schaffen eine geordnete Implosion zu organisieren, oder ob es „einfach geschehen wird“. Nach angeregter Diskussion folgte ein gemütlicher Abend im Steinschalerhof. Am nächsten Tag ging es weiter nach Wels zum Symposium „Energieautarke Gemeinde“.
Ca. 150 Gemeindevertreter waren in Wels erschienen, um sich zu dem Thema zu informieren. Neben vielen Informationen über Förderprogramme und einem anregenden World Cafè, in dem sämtliche Handlungsebenen der Gemeinden diskutiert wurden, waren der Vortrag von Prof. Kromb-Kolb, bzw. die „Best practice Beispiele“ der Gemeinden Windhaag, Güssing und Langenegg die Highlights des Tages. Während der Aufstieg Güssings ohne massive Ziel I Gebietsförderung durch die Europäische Union nicht möglich gewesen wäre, „leben“ die Initiativen in den anderen beiden Gemeinden sehr stark von bürgerlichem Engagement.

Energieversorgung wird neu gedacht! Quelle:www.schueco.com
Ihre Ausführungen über Peak Oil und Klimawandel schloss Prof. Kromp Kolb mit einem klaren Appell die Werte unserer Gesellschaft zu überdenken. Sie sprach das fortwährend Krisen produzierende Zinseszins-System an (alle 60 Jahre), forderte auf darüber nachzudenken wie ein Wirtschaftssystem ohne Wachstum aussehen könnte und dass wir lernen müssen, längerfristig zu denken. Schlussendlich brauchen wir eine Stärkung der Zivilgesellschaft. Wir stehen vor einem kulturellen Epochenwandel.
Die klare Botschaft beider Veranstaltungen: Business as usual wird unsere aktuelle Situation verschärfen. Endloses Wachstum ist auf einem endlichen Planeten nicht möglich. Diese Erkenntnis muss uns zu mehr Effizienz, zu Suffizienz und zu neuen Denkweisen führen.
Zum Leben zu groß – zum Sterben zu groß
Wie der Name ja schon betont, beschäftigt sich Zukunftsraum mit der Zukunft. Der Blick aufs “Große & Ganze” und auf langfristige Mechanismen ist dabei wichtig. Um Entwicklungen in ihrer Bedeutung besser einordnen zu können, ist es zielführend gewisse “evolutionäre” Konstanten zu berücksichtigen. Zum Beispiel besagt die Thermodynamik, dass in einem geschlossenen System die zur Verfügung stehende nutzbare Energie im Laufe der Zeit abnimmt. Dieser fortschreitende Verfall wird durch zunehmende Komplexität, durch ein zunehmendes Maß an Organisation ausgeglichen (sich selbstorganisierende Systeme, Autopoiese).

Autopoiese - sich selbst organisierend. Ein System erschafft bzw. organisiert sich selbst! Quelle: http://www.ulme-mini-verlag.de
Wenn man an fossile Ressourcen denkt, die mit uns Menschen verwoben für unsere zeitliche Dimensionen ein geschlossenes System darstellen (Öl wird nicht im Laufe eines Menschenlebens nachgebildet), erkennt man, dass der Mensch von dieser Logik der Thermodynamik ebenso betroffen ist und sich ihrer nicht entziehen kann (Ausbeutung bzw. Verknappung von Ressourcen).
Wie werden wir steigende Energiekosten bis hin zur Energieknappheit also managen können? Wie wird die Gesellschaft diese großen Strukturen (Autobahnen, Großkonzerne, Großbanken…) aufrechterhalten können, die auf hochenergetischen fossilen Ressourcen aufbauen? Wenn der energetische Input fehlt (Alternative Energie wird nach heutigem Stand der Technik Erdöl energetisch nicht ersetzten können), werden wir durch Organisation dieses Manko beheben müssen. Mehr Organisation bedeutet mehr Beteiligte, bedeutet kleinere Einheiten. Kooperation & Vernetzung wird das Zukunftsthema.
Wenn wir aufmerksam in den Medien lesen merken wir schon erste Anzeichen aus der Wirtschaft. Große Unternehmen und Banken, die nicht mehr überleben können. Too big to fail (TBTF)! Was fordert z.B. Obama? Zerschlagung der Banken! Kleinere Strukturen, denn kleine Strukturen mit dem richtigen Vernetzungsgrad sind um ein Vielfaches robuster als große Strukturen, die von einem mächtigen Energieinput (Geld ist im Endeffekt auch Energie) abhängig sind.
“N” wie Nachhaltigkeit = “E” wie Energie
Wer sich ernsthaft mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt, kommt an dem Thema Energie nicht vorbei. Unser Verständnis von Energie ist in unserem Bewusstsein eingeprägt und stammt aus einer Zeit lange vor Öl, Strom und Gas. Der Mensch muss prinzipiell mehr Energie zu sich nehmen, als er bei der Nahrungssuche aufwendet. Sonst droht der Exitus. Ein einfacher Energieverrechnungsmechanismus, der uns seit jeher vorgeschrieben ist und unser Verhalten steuert. Der Mensch trachtet daher interne (eigene) Energieaufwendung zu vermeiden. Danach richtet er sein Verhalten aus.
Dieses Verhaltensmuster war eine Triebfeder für das Verhalten des Menschen und die Entwicklung von Gesellschaft und Technik. Es gelang dem Mensch immer mehr interne Energie einzusparen und durch andere Energieträger zu ersetzten. Im Laufe der Jahrtausende und besonders in den letzten 200 Jahren entwickelten sich dadurch (Raum)Strukturen die auf einen extrem hohen energetischen Input angewiesen sind. Diese hochkomplexe Gesellschaft basiert heute zum überwiegenden Teil auf der Verfügbarkeit von billigem Erdöl als Energiequelle.

Wieviel Energie steckt in Großstädten?
Wenn wir das Thema Nachhaltigkeit ernst nehmen müssen wir uns fragen, wie nachhaltig ein System ist, dass nur durch einen ständigen Energieinput – der auf absehbare Zeit nicht lokal gedeckt werden kann – erhalten werden kann? Energie dient übrigens nicht nur zum jetzt implizit angesprochenen Transport. Energie wird für sämtliche Vorgänge in der Gesellschaft benötigt: Vom Aufbau/Ausbau der Gesetztesstrukturen über die Pflege sozialer Kontakte bis zum Bau eines Passivenergiehauses (Idealfall).
Wie aber der scheinbar evolutionär programmierten Energiefalle entkommen? Der Mensch unterscheidet sich vom Tier dadurch, dass er durch sein höheres Bewusstsein, das niedere Bewusstsein überlagern kann. Sprich wir haben das Potential unser programmiertes Verhalten durch Weisheit und Wissen auszubremsen. Wenn wir nachhaltiger werden wollen, müssen wir weniger Energie verbrauchen. Dazu müssen wir “lediglich” unseren evolutionär entwickelten internen Energieverrechnungsmechanismus überlisten.
IEA sieht klar!
Die Diskussion über das Thema Peak Oil hat sich in den letzten Monaten ganz maßgeblich verändert. Erzählten bis vor wenigen Monaten noch alle maßgeblichen Institutionen von Versorgungsengpässen frühestens nach 2020, so hat die IEA ihre Meinung verändert. Bereits im Herbst 2008 läutete die IEA die Alarmglocken. Im Zuge der Finanzkrise ging der Warnschuss aber unter. Jetzt meldete sich Fatih Birol, Chief Economist of the International Energy Agency, wieder zu Wort:
“Many people think there will be a recovery in a few years’ time but it will be a slow recovery and a fragile recovery and we will have the risk that the recovery will be strangled with higher oil prices … Oil production has already peaked in non-Opec countries and the era of cheap oil has come to an end.”
Dass ein steigender Ölpreis der Wirtschaft nicht zuträglich ist, ist kein Geheimnis. Die IEA stellt das in ihrem Bericht “Analys is of the impact of high oil prices on the global economy” fest und die nachstehende Grafik scheint diesen Umstand zu untermauern.
Wie lange wird ein System noch bestehen können das Wachstum für sein Wohl dringend braucht? Unser Wirtschaftssystem steht zunehmend auf tönernen Beinen. Egal ob Industrie oder Tourismus, ein Strukturwandel in unserem gesamten Wirtschaftssystem scheint vor der Türe zu stehen. Es wird notwendig werden den viel “mißbrauchten” Begriff der Nachhaltigkeit endlich mit Inhalten zu füllen.
