Archiv für die Kategorie „Veranstaltungen“

Power Down

Gestern und Vorgestern (26. – 27.4.2010) war es wieder einmal soweit. Im Rahmen des Power Down Projekts fand das 3 Dialogforum statt. Diesmal trafen sich viele relevante Stakeholder, die sich mit dem Thema Energie auf kommunaler Ebene beschäftigen in Groß Schönau im Waldviertel. Mit am Start waren auch einige Vertreter bundesweiter Organisationen, wie z.B. Peter Molnar (Geschäftsführer Klimabündnis Österreich), Michael Cerveny (ÖGUT), Heimo Bürbaumer (Österr. Energieagentur, e5ProgrammManager).

Untergebracht waren wir im Passivhaus-Dorf Sonnenplatz. Probewohnen unter http://www.sonnenplatz.at

Untergebracht waren wir im Passivhaus-Dorf "Sonnenplatz". Probewohnen unter http://www.sonnenplatz.at

Wie der Name Power Down schon sagt, beschäftigt sich das Projekt mit der sich ankündigenden Ressourcenknappheit (Peak Oil) und seinen Folgen. Am ersten Tag drehte sich alles um Adaption und Prävention. Am Tag 2 ging es dann um den Praxisbezug. Ich hatte die Ehre in einem Impulsreferat die unterschiedlichen Ansätze von e5 und Transition Towns zu beleuchten. Während es sich bei e5 um ein Managementtool für Gemeinden handelt, ist die Transitionidee auf Bürgerebene angesiedelt und stellt Bürgern ein Handwerkszeug zur Seite, mit dem sie kommunal aktiv werden können. Auf Neudeutsch würde man Empowerment der Bürger dazu sagen. Die Transition Bewegung trifft genau auf die Aussage eines  mir im Moment entfallenen Politiker zu, der im Nachhall des Klimagipfels in Kopenhagen 2009 formulierte: Die Politik hat versagt, nun ist es Zeit für die Zivilgesellschaft. Am Ende des Tages werden wir für einen Wandel aber immer beides brauchen, so haben auch e5 und Transition Towns nebeneinander Berechtigung.

Im Fokus der ganzen zwei Tage stand immer wieder die Frage, wie man eine drohende Energiekrise kommuniziert. Direkt und alleinig auf die Energiekrise loszugehen ist sicherlich nicht der zielführendste Weg. Wir müssen die Energiefrage in einem breiteren Kontext sehen und eigentlich unsere gesamte Wachstumsgesellschaft in Frage stellen.  Macht mehr wirklich glücklich? Oder was macht uns eigentlich glücklich, was ist uns wichtig, wo liegen unsere Werte…und plötzlich erscheint die Krise in einem ganz anderen Licht….als “willkommene” Gelegenheit unsere gesellschaftliche Tretmühle zu hinterfragen.

Zusammengefasst waren es 2 kurzweilige Tage mit neuen Erkenntnissen und neuen Kontakten.

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Transition Trainerpool

Ich befinde mich gerade auf der Heimreise vom “train the trainer”-Kurs des Tranition-Netzwerkes. Vier Tage wurden 20 Personen “from all over europe” in der Nähe von Utrecht (Holland) von Sophy Banks und Naresh Giangrande gecoached.  Am Ende des Kurses wurde ca. 15 Personen (inkl. meiner Person)  in den Trainerpool des Transition-Netzwerkes aufgenommen. Bis dato bin ich der einzige österreichische Trainer im Pool.

Der Ort des Geschehens: Stoutenburg Castle

Der Ort des Geschehens: Stoutenburg Castle

4 Tage intensiven Coachings liegen hinter mir, 4 Tage gemeinsam mit interessanten zukunftsorientierten Personen die sich Gedanken über die Zukunft unserer Gesellschaft machen. 4 Tage zwischen Peak Oil, Klimawandel, Finanzcrash und Verteilungsgerechtigkeit. 4 Tage mit der Vision einer neu gedachten Zukunft.

International macht sich im Transitionnetzwerk eine enorme Dynamik breit. In Österreich sind wir noch nicht soweit. Erste Kurse wurden/werden vom Ökodorf Keimblatt und von Transition Wels abgehalten.

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Nachhaltiges Finanzsystem & nachhaltige Energieversorgung gefordert

Reiseintensiv sind diese Tage für mich. Doch hat sich der Aufwand bis dato ausgezahlt. Letzten Donnerstag trat ich die Fahrt ins weit entfernte Pielachtal an, um der Einladung von Johann Weiss vom Steinschalerhof zu folgen. Der Nachhaltigkeitspionier hatte zu den Steinschaler Kamingesprächen geladen. Thema des Abends: Was hat das Finanzsystem mit Nachhaltigkeit zu tun. Als Redner war Prof. Wohlmeyer angekündigt. Es waren interessante & teilweise besorgniserregende Einblicke in unser Finanzsystem. Wie wir es drehen und wenden, die Loslösung der Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft wird zu einer Implosion des Systems führen. Die Frage ist, ob wir es schaffen eine geordnete Implosion zu organisieren, oder ob es „einfach geschehen wird“. Nach angeregter Diskussion folgte ein gemütlicher Abend im Steinschalerhof. Am nächsten Tag ging es weiter nach Wels zum Symposium „Energieautarke Gemeinde“.

Ca. 150 Gemeindevertreter waren in Wels erschienen, um sich zu dem Thema zu informieren.  Neben vielen Informationen über Förderprogramme und einem anregenden World Cafè, in dem sämtliche Handlungsebenen der Gemeinden diskutiert wurden, waren der Vortrag von Prof. Kromb-Kolb, bzw. die „Best practice Beispiele“ der Gemeinden Windhaag, Güssing und Langenegg die Highlights des Tages. Während der Aufstieg Güssings ohne massive Ziel I Gebietsförderung durch die Europäische Union nicht möglich gewesen wäre, „leben“ die Initiativen in den anderen beiden Gemeinden sehr stark von bürgerlichem Engagement.

Energieversorgung wird neu gedacht! Quelle:www.schueco.com

Energieversorgung wird neu gedacht! Quelle:www.schueco.com

Ihre Ausführungen über Peak Oil und Klimawandel schloss Prof. Kromp Kolb mit einem klaren Appell die Werte unserer Gesellschaft zu überdenken. Sie sprach das fortwährend Krisen produzierende Zinseszins-System an (alle 60 Jahre), forderte auf darüber nachzudenken wie ein Wirtschaftssystem ohne Wachstum aussehen könnte und dass wir lernen müssen, längerfristig zu denken. Schlussendlich brauchen wir eine Stärkung der Zivilgesellschaft. Wir stehen vor einem kulturellen Epochenwandel.

Die klare Botschaft beider Veranstaltungen: Business as usual wird unsere aktuelle Situation verschärfen. Endloses Wachstum ist auf einem endlichen Planeten nicht möglich. Diese Erkenntnis muss uns zu mehr Effizienz, zu Suffizienz und zu neuen Denkweisen führen.

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…nochmals Wachstum im Wandel

Die Folien der Parallel-Sessions sind jetzt auf der Seite Wachstum im Wandel abrufbar. Eine wahrliche Fundgrube zu allen relevanten Nachhaltigkeitsthemen.

Es war äußerst interessant auf der Konferenz mit unterschiedlichen Menschen, die unterschiedliche berufliche Hintergründe aufweisen, zu sprechen. Je nach ihren Hintergründen hatten sie ein unterschiedliches Problembewusstsein bzw. Problemverständnis. Interessant ist, dass nur wenige wirklich in die Tiefe vorgedrungen sind und danach fragen wer oder was stänidges Wachstum eigentlich antreibt und wer bzw. was diese Wachstumsentwicklung eigentlich erst ermöglicht hat. Auffallend war jedoch, dass der Umstand, dass Wachstum eine historische Ausnahme darstellt, an verschiedenen Stellen der Konferenz angesprochen wurde. Eine banale, naive Frage: Wenn sich die Menschheit bis ins 19. Jahrhundert mit einem Wirtschaftswachstum von unter 0,5% am Leben erhalten konnte (Madison 2008), wieso soll die Gesellschaft nicht auch heute  ein System aufbauen können, das vom materiellen Wachstum unabhängig ist? Ich glaube es liegt weniger daran, dass es nicht möglich wäre, sondern die Frage liegt meiner Meinung nach darin, wie können wir das Wachstumsparadigma abwerfen ohne kurz- mittelfristig grobe Verwerfungen zu erzeugen!?

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Wachstum im Wandel ein Resümee

Über 500 registrierte Personen bei der Konferenz sprechen eine deutliche Sprache. Das Thema ist brandaktuell und interessiert die Menschen. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die Planung der Konferenz schon vor der aktuellen Finanz- Wirtschaftskrise begonnen hat. In den folgenden Zeilen möchte ich allen Interessierten einen kurzen Überblick über den Stand der Wachstumsdiskussion liefern. Der Beitrag wird etwas länger als länger als gewöhnlich ausfallen…

Endless growth? Jedes Jahr ist der World Overshoot Day früher.

Endless growth? Jedes Jahr verbrauchen wir mehr als uns zusteht.

Die Kernfrage der auf der Konferenz nachgegangen werden sollte war, inwiefern Wachstum und Nachhaltigkeit vereinbar sind. Bei den unterschiedlichen Reden und in den Workshops wurde etwas klar ersichtlich: Beinahe sämtliche Wissenschaftler (besonders mit naturwissenschaftlichen Einschlag) die sich mit dem Thema Wachstum auseinandersetzten, sehen das Thema Wachstum sehr kritisch. Auf der politischen Ebene wird Wachstum per se nicht in Frage gestellt. Man betont hingegen die Notwendigkeit eines nachhaltigen Wachstums…ohne zu wissen was darunter zu verstehen ist (meine persönliche Unterstellung). Als Beispiele möchte die Aussagen unseres „Lebensministers“ Berlakovich (B) und Herrn Losch (L) vom Wirtschaftsministerium anführen:

¡        Wir brauchen Wachstum (B),

¡        Wir brauchen eine Änderung der Lebensstile (B)

¡        Wir brauchen Green growth (B),

¡        Wir brauchen ein Meßsystem für unsere Wirtschaft/Gesellschaft jenseits vom BIP (B, L)

¡        Wir brauchen Wirtschaftswachstum um sozial umzuverteilen (L)

Als „Gegenpart“ darf ich die Ausführungen von Eckart Felix (prämierter Nachwuchswissenschaftler aus Deutschland) auszugsweise wiedergeben:

Politik hat die Aufgabe ökologische, ökonomische, und soziale Belange zu vereinen. Das ist ihre grundsätzliche Aufgabe. Wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen müssen wir das aber auch mit einer langfristigen Perspektive  verknüpfen, das verlangt eine andere Qualität. Wenn man ganz nüchtern analysiert, welche Anforderungen ein „business as usual“-Szenario an den Planeten stellt, dann kommt man zu dem Schluss, dass ein Planet einfach nicht genug ist. So müssen z.B. laut den neuesten Daten des IPCC die CO2-Werte bis 2050 um 80% gesenkt werden (zum Niveau von 1990). Dass unsere Bemühungen bis dato völlig unzureichend waren zeigt das Faktum, dass seit 1990 die CO2 Emissionen weltweit um 40% gestiegen sind.

CSR, LOHAS & Green Growth bezeichnet er als wichtigen Ansatz, doch dienen diese Ansätze in erster Linie dazu Marktchancen zu verbessern, Mitarbeiter und Bürger zu motivieren und Produkte zu ökologisieren. In Summe sind die Energie- und Ressourcenaufwendungen jedoch beständig gestiegen. Diese Tatsache haben wir dem Reboundeffekt zu „verdanken“. Der Effekt besagt, dass Einsparungen an einer Stelle im System an anderer Stelle wieder durch gesteigerte Mengen oder neue Produkte „verarbeitet“ werden. Ergo sind die Ansätze von CSR, LOHAS & Green Growth notwendig, aber nicht ausreichend, weil wir dadurch den Wachstumsprozess nicht ausschalten können. Weiters hält Eckart fest, dass Wachstum ein historischer Sonderfall ist, Wachstum keine Glücksgarantie in sich trägt und Verteilungsgerechtigkeit kein selbstverständliches Attribut von Wachstum ist. Seine klare Botschaft: Wir müssen unsere Gewohnheiten drastisch ändern. Wenn wir von der Freiheit des Individuums reden, müssen wir verstehen, dass unserer Freiheit nicht die Freiheit anderer Weltenbürger (heute wie künftig) einschränken darf.

In den unzähligen Sessions gab es Diskussionen vielfältige Diskussion zu den Themen Lebensqualität, Arbeit, Makroökonomie, Nachhaltigkeitsmanagement, Regionale Aspekte, Finanzsystem, Armut usw. Die Summe der Informationen wiederzugeben ist unmöglich. Der Großteil der Sessions wurde aber abgefilmt und soll als Video auf der Seite des Lebensministeriums online gestellt werden.

Meine persönliche Schlussfolgerung möchte ich mit den Worten von Dennis Meadows (Buch: Grenzen des Wachstums) beginnen. Er meint, dass sich die Gesellschaft in den nächsten 20 Jahren stärker ändern wird, als dies in den letzten 100 Jahren der Fall war. Was das bedeutet, sollte wohl jedem klar sein. Thomas Wieser vom Finanzministerium drückte es so aus: Slower by design not by desaster. Es wird sich etwas ändern müssen, freiwillig oder unfreiwillig. Klar ist, dass es keine fertigen Konzepte gibt, wie wir weiter arbeiten sollen. Steady State Ökonomie und „Degrowth“ sind 2 interessante Konzepte, die aber nur auf makroökonomischer Ebene existieren. Was dies für Unternehmen bedeuten soll/kann ist noch unklar. Die Zukunft verspricht viel Arbeit und„trial & error“-Prozesse. Wer immer noch die Augen verschließt und glaubt, dass endloses materielles Wachstum auf einer endlichen Welt möglich ist, handelt grob fahrlässig.

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