Archiv für die Kategorie „Wirtschaft“
Zwischen Optimismus und tiefer Sorge
Mag es an der Fußball-WM gelegen haben, oder an dem herranrückenden “Sommerloch”!? Griechenland, Spanien & Co sind finanztechnisch aus den Medien fast verschwunden. Der IMF (International Monetary Fund) hat die Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft nach oben geschraubt (von 4,25% auf 4,5%). Krise vergessen? Jetzt einmal Urlaub?
Hinter den Kulissen gärt es jedoch zwischen Klimawandel, Ressourcenknappheit und Finanzkrise noch immer gewaltig. Im neuen wissenschaftlichen Hintergrundpapier zur Ökosozialen Marktwirtschaft – verfasst vom ökosozialen Forum, SERI und WIFO – kann man dazu folgendes lesen:
Die gegenwärtige wirtschafts- und gesellschaftspolitische Situation ist sehr ernst und wird bis
heute öffentlich kaum angemessen diskutiert.
Das bekannte World Watch Institute formuliert eindringlich was notwendig ist bzw. wäre:
Es erfordert nichts Geringeres als eine umfassende Umwälzung der herrschenden kulturellen Muster, wenn man den Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation verhindern will. Diese notwendige Umwälzung würde den ‘Konsumismus’ – das kulturelle Leitbild, das Menschen Sinn, Zufriedenheit und gesellschaftliche Akzeptanz in dem suchen lässt, was sie konsumieren – ausmustern und zu einem Tabu erklären und an seine Stelle ein neues kulturelles Rahmenwerk setzen, dessen Kern ‘Nachhaltigkeit’ wäre.
Der Universitätsclub Klagenfurt lädt unter diesem Kontext zum “Forum Kulturelle Nachhaltigkeit”. Ausgewählte Experten und “Wandelengagierte” beraten 3 Tage über die Zielrichtung und notwendige Schritte im Wandlungsprozess. Mich freut, an diesem Forum teilnehmen zu dürfen!
Und damit sich – wie in jeder guten Geschichte – der Kreis schließt, ein paar aktuelle Worte von Fredmund Malik:
Wenn ich nun meine bisherige Lagebeurteilung mit den Ereignissen bis heute vergleiche, so erscheint es mir als gesichert oder hochwahrscheinlich, dass der 3. Akt der Krise einen ähnlichen Verlauf nehmen wird, wie die Zeit von April 1930 bis 1932. Das wird den Dow Jones Index zuerst in die Gegend von 3000 Punkten fallen lassen, dann wahrscheinlich sogar unter 1000.
Und Herr Malik ist nicht der einzige, der vor dramatischen Verwerfungen warnt.
Wem wir Opfer darbringen!?
Soeben habe ich ein Interview mit Meinhard Migel aus dem Jahr 2009 gesehen. Zwei Punkte waren bemerkenswert. Er analysiert richtig, dass wir die gewohnten Wachstumsraten nicht wieder erreichen werden. Zumindest nicht, solange wir Wachstum als materielles Wachstum verstehen. Er kündigte Staatspleiten als wahrscheinlich an. Für das Jahr 2015 bzw. 2016. Ok, ging dann doch etwas schneller…schöne Grüße nach Griechenland.
Der Punkt der aber aus meiner Sicht viel interessanter ist: Er vergleicht die Kirche des Mittelalters mit ihrem Ablasshandel mit dem Kapitalismus. Was früher im Namen und zum Nutzen der Kirche geopfert wurde, das bringen wir heute als Opfergabe dem Kapitalismus. Während früher die Kirche die Spielregeln definierte, setzt heute der Kapitalismus den Rahmen für individuelles Handeln. Wenn dem Leser der Kapitalismus so alternativenlos erscheint, so möge er sich fragen, wieso die einst so mächtige Kirche ihre Vormacht eingebüßt hat und ob das dem Kapitalismus nicht auch so widerfahren könnte?

Wem opfern wir?
Was war mit der Kirche geschehen? Ihr Heilsversprechen und ihre Logik begannen zu zerbröseln, als man erkannte, dass die Erde doch nicht im Zentrum stand. Man begann das Wesen und die Autorität der Kirche zu hinterfragen. Heute stehen wir vor der Situation, dass das Versprechen des Kapitalismus sich als uneinlösbar zu zeigen beginnt. Mehr Freiheit und mehr Wohlstand für alle wird zu einem Wunschgedanken, den der Kapitalismus doch nicht erfüllen kann. Befreit von dem Drohgespenst des Kommunismus beginnt die Gesellschaft langsam zu erkennen, dass der Kapitalismus und der Fetisch Wachstum eventuell auch nicht der Weisheit letzter Schluss sind.
Meinhard Migel spricht von einem Neubeginn, von einer Gesellschaft ohne materiellem Wachstum. Er hebt hervor, dass Wachstum – wie wir es die letzten 200 Jahre erlebt haben – historisch gesehen einmalig ist. Wir konnten als Menschen auch ohne Wachstum existieren. Alles was wir dazu machen müssen ist die Spielregeln ändern. Die Spielregeln ändert, wer an der Macht ist….und das sind (leider) nicht die Politiker (unsere Vertreter). An den Schalthebeln der Macht stehen Konzerne und Banken. Dass die Politik in Geiselhaft der Wirtschaft steckt, zeigt nicht zuletzt die Finanzkrise. Keine einzige Regulierung der Märkte konnte umgesetzt werden. So laufen wir weiter mit unseren Opfergaben zum Altar…
Ich möchte mit diesen Zeilen nicht den Kapitalismus per se schlecht reden. Er hat uns dorthin gebracht wo wir jetzt sind. Mit allen guten und schlechten Seiten. Doch wenn sich zeigt, dass die Leistungsversprechen nicht eingelöst werden, beginnen die Menschen nachzudenken und abzuwägen. Die Macht des Kapitalismus beginnt zu bröckeln, wie einst die Macht der Kirche. Doch während die Kirche Kontrolle durch Ideologie ausübte, organisiert der Kapitalismus die Gesellschaft über Zahlungsbereitschaft. So tun als glaube man an die Kirche und ihre Lehren mag funktionieren, so tun als hätte man Geld ist schon etwas schwieriger. Genau an diesem Punkt scheitern meiner Meinung nach die meisten Alternativen zum Kapitalismus im Moment.
Der Kapitalismus in seiner aktuellen Konfiguration mit Wachstumsdrang und Wachstumszwang steht zur Disposition. Es kann meiner Meinung nach nicht sein, dass eine Gesellschaft nur funktionieren kann wenn sie immer mehr Ressourcen verbraucht und immer mehr konsumiert. Wie pervers die Situation mittlerweile ist zeigt der Blick in die Tageszeitung. Während auf der einen Seite zum Ressourcen Sparen und zum Klimaschutz aufgerufen wird, fordert man auf der folgenden Seite höhere Wachstumsraten und Maßnahmen, um den Konsum zu fördern.
So laufen wir weiter zu Altar und opfern, unsere Entwicklung als Menschen und vielleicht sogar unsere Zukunft!
Habitas 2010
Gemeinsam mit Georg Mattesberger reichten wir das Projekt NaturWerk für den Ideenwettbewerb Habitas 2010 in der Nationalparkregion Osttirol ein. Worum geht es bei unserer Idee? Aus den Einreichunterlagen:
Kernpunkt des Projekts NaturWerk ist die Erzeugung und Vermarktung von Produkten mit Geschichte, zu denen der Kunde eine persönliche Beziehung hat:
- Das Holz vom Kirschbaum, gewachsen am elterlichen Hof wird zur Tischplatte auf der täglich gegessen wird.
- Der Stein, gefunden bei einer Wanderung, wird zum Schmuckstück verarbeitet, das man bei sich trägt.
- Das Heu von der Bergwiese im „Geruchskissen“, als Erinnerung an eine schöne Wanderung in den Osttiroler Bergen.
Die Geschichte des Produktes bzw. die Beziehung zum Produkt kann dabei aus verschiedenen Bausteinen zusammengesetzt sein und soll die nachstehenden Kriterien erfüllen:
- Vom Kunden persönlich eingebrachte Materialien werden verarbeitet.
- Regionaltypische Materialien werden verarbeitet.
- Gebrauchte, themenfremde Materialien werden eingesetzt (z.B. altes Fenster im Bücherregal).
- Alte Materialien werden mit Hightech kombiniert.
- Produkte haben keinen herkömmlichen Souvenircharakter.
- Produkte sind Einzelstücke aus nicht automatisierter Produktion.
- Die handwerkliche & kreative Qualität steht im Vordergrund.

Alte Zaunbretter mit Wurmbefall werden zu Masken umgearbeitet.
Unserer Meinung nach eine tolle Idee, welche den Anforderungen an emotionaliserten, individuellen und ressourcenschonenden Konsum entspricht. Die Kriterien Wertschöpfung, Innovation, Umsetzbarkeit und Imagefaktor, waren aus unserer Sicht erfüllt.
Die Jury hiefte uns in die engere Auswahl der besten 3. Für den Sieg reichte es dann leider nicht. Der Habitas in der Kategorie Produkte ging nach Kals. Die Idee der Produktion & Vermarktung von Ziegenmilchprodukten machte das Rennen. Da wir von unserer Idee überzeugt sind, werden wir diese auf alle Fälle weiterverfolgen!
Ablaufdatum
Langsam dringen maßgebliche Informationen in die öffentliche Diskussion vor. Unser Finanzsystem hat ein Ablaufdatum. Sehen Sie hierzu die Diskussion auf ZDF.

Bitte einfach in den Schieber in der Leiste unter dem Bild zur Minute 14 schieben. Dirk Müller (Mr. Dax) erklärt die Grundzüge des Finanzsystems!
Houston wir haben ein Problem!
Vorab einmal an Lob an Ö1 – ein Radiosender der eine Vielzahl an Themen tiefergehend behandelt. So geschehen heute in meiner Mittagspause zum Thema Finanzkrise und Griechenland. Auch wenn die Analysen nicht immer zum Kern des Problems führen.
Nun zum Thema des Tages, Griechenland und die Finanzkrise. Ich will in diesem kurzen Artikel nicht das Finanzsystem erörtern, nur folgendes festhalten und mit meiner Umwelt teilen:
Wir haben ein Finanzsystem, das auf einer steigenden Verschuldung aufbaut. Steigt die Verschuldung einmal nicht mehr an, haben wir über kurz oder lang ein Problem. Wer mehr darüber wissen will, der möge zum Beispiel nach dem Stichwort “Geldschöpfung” oder “Zineszins” googlen. Seit den 1950er Jahren steigt die Verschuldung kontinuierlich, über weite Strecken gab es kein Problem – zumindest an der Oberfläche. Durch komplexe Mechanismen wurde das Verschuldungsspiel soweit getrieben, dass es schlussendlich zur Finanzkrise von 2008 kam. Statt einem reinigendem Gewitter (negatives Feedback) das jedes natürliche System für langfristiges Überleben benötigt, wurden die kranken Strukturen zum überwiegenden Teil gestützt (Banken, Opel usw.). Im Zuge der Krise wurde die nur mehr eingeschränkt mögliche private und unternehmerische Verschuldung im großen Stil auf den Staat übertragen (Rettungspakete und Stützungspakete auf Kredit). “Too big too fail” (zum Sterben zu groß) hörte man überall, der Staat muss retten. Diese Logik vollzieht sich gerade dieser Tage auf einer anderen – höheren Ebene. Thema Griechenland. Wir müssen Griechenland retten (wir verschulden uns, denn die Griechen bekommen keinen Kredit mehr), um den Euro zu retten. Oder anders ausgedrückt, wir müssen das Schuldenkarusell in Schwung halten. Wiederum keine Reinigung, kein Gewitter, kein negatives Feedback, das verträgt die Systemlogik unseres Finanzsystems nicht. Wir heben das Schuldenspiel auf eine neue Ebene…und dann kommen Portugal, Spanien, Italien, Irland und wenn man nach England blickt, kann man auch nur den Kopf schütteln.
Housten, wir haben ein Problem. Dass das Finanzsystem krank ist, ist keine Neuigkeit, das wissen Interessierte schon lange. “Neu” ist die Tatsache, dass wir uns spätestens seit 2008 auf der Intensivstation befinden. Keine Ahnung wie lange man einen totkranken Patienten künstlich beatmen kann…