Tag: Evolution

Take aways von den Toblacher Gesprächen 2011

Bereits zum 22. Mal fanden am 1. und 2.10.2011 die Toblacher Gespräche im gleichnamigen Ort statt. Rund 200 Teilnehmer fühlten sich vom Thema “Wohlstand ohne Wachstum“ inspiriert und machten sich auf den Weg nach Südtirol. Nachstehend meine Zusammenfassung der 2 sehr interessanten Tage.

Die Analyse im Kontext von Klimawandel, Ressourcenknappheit, Migration, Lebensmittelpreisexplosion, Ungleichverteilung und atomaren Unfällen, erspare ich euch.Interessant vielleicht nur folgende Zahlen, die Irmi Seidl präsentierte und die einen Blick auf die langjährigen Wachstumsraten ermöglichen:

Die hohen Wachstumsraten der Nachkriegszeit (~10%) sind kontinuierlich rückläufig. Für die Dekade 2000 bis 2010 liegt das jährliche Wachstum in den hoch entwickelten Staaten zwischen 0 und 2%. Für die folgende Dekade prognostiziert die EU-Kommission ein jährliches Wachstum von 1,25% im Euro-Raum. Dazu passend die Grafik von http://www.factcheck-deutschland.de/:


Nun zu Lösungsansätzen:

* Giuseppe De Marzo beschreibt die Unfähigkeit der Politik: Es gibt nur ein einziges Denkmodell (Wachstum) das von allen Parteien verfolgt wird. Es wird die Probleme aber nicht mehr lösen können.

* Es steht fest, dass wir heute am Beginn einer neuen historischen Epoche stehen, deren Umrisse völlig offen sind. (Giuseppe De Marzo)

* Es entsteht ein Perspektivenvakuum. Neue soziale Bewegungen füllen dieses Vakuum.

* Neue soziale Bewegungen probieren Neues jenseits von Wachstum, Tausch und Wettbewerb aus → Halbinseln gegen den Strom. Räume in denen ein Stück weit neue Wirklichkeit erschaffen wird, wo Erfahrungen gemacht werden. Denn nur Erfahrungsräume in denen wir uns anders verhalten bzw. die uns verändern erzeugen auch das Potenzial Strukturen verändern zu können.

* Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu verstehen, dass Eigentum etwas historisch relativ Neues ist. Dieses Eigentum ist jedoch die Basis für die Marktwirtschaft. Wenn Stefano Bartolini Recht hat, dann fördern Marktbeziehungen jedoch den Materialismus. Materialismus beschreibt er als eine Kompensation für fehlende soziale Beziehungen.

Als Lösung postuliert Friederike Habermann eine Abkehr von der klassichen Marktwirtschaft und die Orientierung hin zur „commons-based peer production“, mit folgenden Prinzipien:

Besitz statt Eigentum

Teile was du kannst

Beitragen statt Tauschen

* Friederike Habermann erklärt aber auch: Wie eine davon („commons-based peer production“) inspirierte Gesellschaft im Detail aussehen kann, können wir uns in unserem heutigen Sein nicht vorstellen.

Persönliche Ergänzung:

Thomas Kuhn beschreibt in seinem Buch die Struktur der Wissenschaftlichen Revolution, dass ein Paradigmenwandel zunächst die längste Zeit verweigert wird, da mit dem Wegfall des alten Paradigmas (z.B.: Wachstum) die Grundlage für sämtliche Strukturen und Prozesse wegfällt. Was folgt ist ein „Wettbewerb“ der Ideen, bis sich langsam ein neues Paradigma durchsetzt.

Das wäre „halb so wild“, wenn nicht der aktuelle Paradigmenwechsel alle Teile unseres Lebens beeinflussen würde. Karl Ludwig Schibel sprach in diesem Zusammenhang von der 3. großen Transformation nach der Sesshaftwerdung des Menschen und der industriellen Revolution. Der Unterschied liegt nun aber darin, dass wir diesmal eine bewusste Evolution durchführen müssen, bei der  die bewusste Problemwahrnehmung (die Einsicht) an erster Stelle steht.

Der Wettbewerb der Ideen nimmt schön langsam fahrt auf. Die „commons-based peer production“ ist ein – eventuell gar nicht so schlechtes – Element dieser Diskussion. Andere Ideen sind ebenfalls im Gespräch, weitere werden folgen. Ich denke (und hoffe), dass sich diese Elemente durchsetzen werden, die den menschlichen Grundbedürfnissen Zugehörigkeit, Achtsamkeit und Ordnung am besten entsprechen.

Mittel- und langfristig mache ich mir keine Sorgen, denn wir haben (fast) alles was wir für eine zukunftsfähige Gesellschaft brauchen. Woran es uns jedoch fehlt ist das “richtige” Bewusstsein. Das kann man niemanden verordnen. Es  kann sich nur entwickeln, durch Krisen oder durch inspirierende Unternehmer, private Vorbildwirkung und eine Politik, die bereit ist, das alte Paradigma los zu lassen.

Partizipation wird ein Schlüssel in dieser Transformation sein. Es klingt philosophisch, aber meiner Meinung nach geht es wirklich darum, dass wir unsere positiven Eigenarten und Qualitäten als Menschen erkennen und leben. Losgelöst von den Kräften der aktuellen Strukturen, die uns glauben machen wollen, wir seien Nutzen maximierende Wesen, die ohne Konkurrenzdruck faul in der Wiese liegen.

In diesem Sinne an alle unternehmerisch denkenden Menschen: Alles was erdacht werden kann, kann auch getan werden!

 

 



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Zum Leben zu groß – zum Sterben zu groß

Wie der Name ja schon betont, beschäftigt sich Zukunftsraum mit der Zukunft. Der Blick aufs “Große & Ganze” und  auf langfristige Mechanismen ist dabei wichtig. Um Entwicklungen in ihrer Bedeutung besser einordnen zu können, ist es zielführend gewisse “evolutionäre” Konstanten zu berücksichtigen. Zum Beispiel besagt die Thermodynamik, dass in einem geschlossenen System die zur Verfügung stehende nutzbare Energie im Laufe der Zeit abnimmt. Dieser fortschreitende Verfall wird durch zunehmende Komplexität, durch ein zunehmendes Maß an Organisation ausgeglichen (sich selbstorganisierende Systeme, Autopoiese).

Autopoiese - sich selbst organisierend. Ein System erschafft bzw. organisiert sich selbst! Quelle: http://www.ulme-mini-verlag.de

Autopoiese - sich selbst organisierend. Ein System erschafft bzw. organisiert sich selbst! Quelle: http://www.ulme-mini-verlag.de

Wenn man an fossile Ressourcen denkt, die mit uns Menschen verwoben für unsere zeitliche Dimensionen ein geschlossenes System darstellen (Öl wird nicht im Laufe eines Menschenlebens nachgebildet), erkennt man, dass der Mensch von dieser Logik der Thermodynamik ebenso betroffen ist und sich ihrer nicht entziehen kann (Ausbeutung bzw. Verknappung von Ressourcen).

Wie werden wir steigende Energiekosten bis hin zur Energieknappheit also managen können? Wie wird die Gesellschaft diese großen Strukturen (Autobahnen, Großkonzerne, Großbanken…) aufrechterhalten können, die auf hochenergetischen fossilen Ressourcen aufbauen? Wenn der energetische Input fehlt (Alternative Energie wird nach heutigem Stand der Technik Erdöl energetisch nicht ersetzten können), werden wir durch Organisation dieses Manko beheben müssen. Mehr Organisation bedeutet mehr Beteiligte, bedeutet kleinere Einheiten. Kooperation & Vernetzung wird das Zukunftsthema.

Wenn wir aufmerksam in den Medien lesen merken wir schon erste Anzeichen aus der Wirtschaft. Große Unternehmen und Banken, die nicht mehr überleben können. Too big to fail (TBTF)! Was fordert z.B. Obama? Zerschlagung der Banken! Kleinere Strukturen, denn kleine Strukturen mit dem richtigen Vernetzungsgrad sind um ein Vielfaches robuster als große Strukturen, die von einem mächtigen Energieinput (Geld ist im Endeffekt auch Energie) abhängig sind.



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"N" wie Nachhaltigkeit = "E" wie Energie

Wer sich ernsthaft mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt, kommt an dem Thema Energie nicht vorbei. Unser Verständnis von Energie ist in unserem Bewusstsein eingeprägt und stammt aus einer Zeit lange vor Öl, Strom und Gas. Der Mensch muss prinzipiell mehr Energie zu sich nehmen, als er bei der Nahrungssuche aufwendet. Sonst droht der Exitus. Ein einfacher Energieverrechnungsmechanismus, der uns seit jeher vorgeschrieben ist und unser Verhalten steuert. Der Mensch trachtet daher interne (eigene) Energieaufwendung zu vermeiden. Danach richtet er sein Verhalten aus.

Dieses Verhaltensmuster war eine Triebfeder für das Verhalten des Menschen und die Entwicklung von Gesellschaft und Technik. Es gelang dem Mensch immer mehr interne Energie einzusparen und durch andere Energieträger zu ersetzten. Im Laufe der Jahrtausende und besonders in den letzten 200 Jahren entwickelten sich dadurch (Raum)Strukturen die auf einen extrem hohen energetischen Input angewiesen sind. Diese hochkomplexe Gesellschaft basiert heute zum überwiegenden Teil auf der Verfügbarkeit von billigem Erdöl als Energiequelle.

Wieviel Energie steckt in Großstädten?

Wieviel Energie steckt in Großstädten?

Wenn wir das Thema Nachhaltigkeit ernst nehmen müssen wir uns fragen, wie nachhaltig ein System ist, dass nur durch einen ständigen Energieinput – der auf absehbare Zeit nicht lokal gedeckt werden kann – erhalten werden kann? Energie dient übrigens nicht nur zum jetzt implizit angesprochenen Transport. Energie wird für sämtliche Vorgänge in der Gesellschaft benötigt: Vom Aufbau/Ausbau der Gesetztesstrukturen über die Pflege  sozialer Kontakte bis zum Bau eines Passivenergiehauses (Idealfall).

Wie aber der scheinbar evolutionär programmierten Energiefalle entkommen? Der Mensch unterscheidet sich vom Tier dadurch, dass er durch sein höheres Bewusstsein, das niedere Bewusstsein überlagern kann. Sprich wir haben das Potential unser programmiertes Verhalten durch Weisheit und Wissen auszubremsen. Wenn wir nachhaltiger werden wollen, müssen wir weniger Energie verbrauchen. Dazu müssen wir “lediglich” unseren evolutionär entwickelten  internen Energieverrechnungsmechanismus überlisten.



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