Tag: Innovation

Soziale Innovation braucht die Welt

„Soziale Innovationen sind neue Wege, Ziele zu erreichen, insbesondere neue
Organisationsformen, neue Regulierungen, neue Lebensstile, die die Richtung des sozialen
Wandels verändern, Probleme besser lösen als frühere Praktiken, und die deshalb wert sind,
nachgeahmt und institutionalisiert zu werden.“ (Zapf 1994: 33)



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Innovationskongress 2012 – Eindrücke für Vordenker

Dass ein Innovationskongress dieses Formats in Villach stattfindet, hätte sich vor ein paar Jahren wohl niemand gedacht. International bekannte Größen wie Jeremy Rifkin oder Peter Barbeck-Letmathe (Präsident der Verwaltungsräte der Nestlè AG) wurden vom Institut für Innovation nach Villach gelotst. Danke dafür!

Jeremy Rifkin bei seinem Auftritt – er meidet die Bühne und stellt sich ins Publikum

Da ich mich in diesem Blog mit dem Thema Wandel auseinandersetzte  und den Wandel gr0ß – als Wandel der Kultur, der Systeme udgl. verstehe – möchte ich den Innovationskongress und die zusammenfassenden Schlüsselpunkte auch aus diesem Gesichtspunkt betrachten.

Takeways Tag 1

  • Moore`s law: Die Leistungsfähigkeit der Computerchips verdoppelt sich alle 18 Monate. Das ist die Basis für die Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche.
  • Wandel vom Besitz hin zum Zugang. Produktbesitz verliert an Wichtigkeit, was zusehends zählt ist der Zugang zum Produkt.
  • Dezentralität & Digitalisierung: 3D-Druck und Co ermöglichen dezentrale Produktion. Digitale Produktpläne bilden die Basis dafür. Diese Pläne sind dank Internet theoretisch überall verfügbar. Gedruck kann heute schon Plastik, organisches Gewebe, Glas, Metall usw. werden. Dieses Thema wird die Produktion und dessen Verteilung revolutionieren.
  • Digitalisierung des Wissens –> neue Bildungsformate (online z.B. https://www.edx.org/) kommen, Uni wie wir sie kennen ist in 10 Jahren tot.
  • Innenstädte bzw. Nähe als Trends, wir Menschen suchen zusehends: Nachbarschaft, social pleasure, Frische, Glokalisierung, walkable consumption.
  • Auch im Trend als Gegenstück zum obigen Punkt: Unterwegsmärkte.
  • Leitbilder in Firmen leben nur wenn sie von der Unternehmensführung vorgelebt werden (leadership). Zusätzlich ist die Sprache (aktivierend), welche im Leitbild verwendet wird,  maßgeblich dafür, ob das Leitbild umgesetzt wird.
  • Jack Trout – Differenzierung via: attribute, how it is made, beeing first, leadership
  • Inspirierender Abend mit Josef Zotter und Peter Florjancic (slowenischer Erfinder und Unternehmer).

Takeways Tag 2

  • Soziale Netzwerke sind ein altes Thema, es war schon immer da. XING baut sein Unternehmen rund um die 6 “Grundbedürfnisse”: Kommunikation, Wissen&Lernen, Chancen, Selbstdarstellung, Kontakte & Beziehungen auf.
  • Oliver Gassmann (Uni St. Gallen) hat eine interessante “U-Bahnkarte der Geschäftsmodelle” erstellt: die Business Model Innovation Map. Sehenswerte Analyse der unterschiedlichen Geschäftsmodelle über die letzten 50 Jahre. Clusterung nach Modelltypen (LockIn, Peer-to-peer, Long Tail, NoFrills, Franchising…)
  • Das Ökosystem in das ein Unterehmen eingebettet ist, ist maßgeblich für den Innovationserfolg verantwortlich –> open innovation!
  • Spirit & positive Grundeinstellung als Basis für Innovation.
  • Jeremy Rifkin betont die Dramatik des Klimawandels & der Ressourcenknappheit (Peak Oil pro Kopf haben wir schon längst erreich, Peak Oil – crude oil – in absoluten Zahlen ev. auch schon). –> Systemwandel
  • Jeremy Rifkin: Systemwandel ereignet sich wenn sich Kommunikationstechnonologie und die Energysysteme verändern, wir haben heute diese Rahmenbedingungen.
  • Jeremy Rifik über die Zukunft: The shift to lateral power, distributed capitalism, democatizing manufactoring, near zero cost marketing and logistics, new business models & jobs.
  • Jeremy Rifkin setzt auf dezentrale Energieerzeugung, Wasserstoff als Speicher und “smart energy internet” .
  • Jeremy Rifkin: The transition to the 3rd industrial revolution will require a wholesale reconfiguration of the entire economic infrastructur of each country.
  • Der live 24h-Innovationsmarathon(Studententeams bearbeiteten Fragestellungen von Unternehmen) fand ich sehr innovativ.

Zusammenfassend: Themen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit udgl. sind im vordenkenden Mainstream mittlerweile angekommen. Interessant finde ich auch die Überlegung, dass die Digitalisierung der Produkte & des Wissens sehr wahrscheinlich zu einer Dezentralisierung der Produktion und des Wissens führen werden. Das ist für mich ein ganz zentraler Baustein (nicht der einzige), um unsere Zivilisation zukunftsfähig zu gestalten. Innovation & Nachhaltigkeit gehen aus meiner Sicht Hand in Hand, besonders dann, wenn man Innovation nicht nur als technische Innovation versteht, sondern auch als soziale!

 

 



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Der blinde Fleck der grünen Innovation

Ein etwas anderer Beitrag zur Blogparade „Greenovate – Entrepreneurship goes green“, mit der nachfolgenden Fragestellung: Welche Greenovations brauchen wir noch, um der drohenden Klimakatastrophe entgegensteuern zu können? Welche Rahmenbedingungen braucht es in Österreich, damit auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Greenovations entstehen? Was braucht es, um Greenovations noch besser zu vermarkten, damit grüne Technologien und Ideen noch intensiver eingesetzt werden?

Grüne Innovation wird in den Medien und in der Politik als „Eier legende Wollmilchsau“ kommuniziert. Wir brauchen nur mehr davon, und alle Krisen (Klima, Ressourcen, Wirtschaft…) der Menschheit sind gelöst. Zugegeben, etwas pointiert und übertrieben formuliert, doch hat diese Formulierung ein Ziel: Bewusst zu machen, wo die eigentliche Krise unserer Gesellschaft meiner Meinung nach liegt.

Man mag von Frithjof Bergmann halten was man will, doch der gute Mann hat mit seiner Analyse meiner Meinung nach nicht unrecht, wenn er meint, dass die Masse der Menschen die Arbeit als eine leichte Krankheit wahrnimmt, die man schon bis zum Freitag aushält. Am Wochenende kann man sich dann selbst verwirklichen. Er führt uns auf die eigentliche Krise hin: Den Sinn, den Zweck.

Grüne Innovation soll Wachstum sicher stellen und die Umwelt retten? Wachstum der Wirtschaft. Wachstum an Konsum? Getreu nach dem Slogan „geht`s der Wirtschaft gut, geht`s uns allen gut“? Ist das alles? Wen begeistert dieser Leere Slogan noch? Verfolgt man diesen Ansatz, zielt die grüne Innovation meiner Meinung nach ins Leere. Einen Status quo abzusichern ist ein Zugang, der nicht gerade das Maximum an Inspiration hervorruft. Viel Potential bleibt ungenutzt.

Was brauche wir also dafür, um grüne Innovation best möglich einzusetzen und zu fördern:

1) Eine klare Ansage (von möglichst jedem), dass wir als Menschheit vor einer epochalen Herausforderung stehen. Dafür müssen wir dem Sturm aus Wirtschafts-, Klima-, Ressourcen- und Sozialkrise zunächst ins Auge schauen. Solange wir leugnen was passiert, ist Besserung ausgeschlossen. Je mehr Menschen nicht leugnen, desto besser. Und es werden mehr, jeden Tag, jede Stunde.

2) Wenn wir nicht leugnen, werden wir sehr rasch auf die Sinnfrage kommen. Ein Blick auf das Video von Thomas D, hilft bei diesem Prozess.

3) Wer Punkt 2 für sich geklärt hat, ist reif ein Ritter für die Zukunft zu werden. Er suche sich Gleichgesinnte und baue und halte eine Vision, die über technische Lösungen hinausgeht. Gefragt sind attraktive Zukunftsbilder, Lebensbilder, Sinnbilder.
4) Bei Punkt 4 angelangt, leben wir unsere Vision. Da kommt die grüne Innovation daher, gepaart mit vielen anderen (sozialen) Komponenten die eine erfüllte Zukunft versprechen.

Um auf die Eingangsfrage der Blogparade nochmals mit einem Satz einzugehen: Es braucht nicht mehr als  inspirierte Menschen, die zusammenarbeiten. Einige davon tummeln sich hier in der Blog-Parade.



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Zukunftsraum

… steht für

  • Ganzheitlichkeit
  • Innovation
  • Bewusstsein
  • Transparenz
  • Kooperation
  • Begeisterung
  • Verantwortung

 



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Nicht Probleme lösen, Zukunftsmöglichkeiten schaffen

Die Blogparade zum Thema Innovation hat mich animiert und inspiriert, dem Thema Innovation intensiver nachzuspüren. Schon vor Weihnachten habe ich  ein paar Gedanken diesem Thema gewidmet. Meine kritische Reflexion brachte zu Tage, dass im Großen und Ganzen als Innovation nur das zu Tage treten kann was marktwirtschaftlichen Kriterien entspricht. Anders ausgedrückt es gibt übergeordnete Spielregeln, die festschreiben, was sich als Innovation durchsetzen kann und was nicht. Bis auf ein paar Zitate, habe ich versucht den damaligen Text “Es wird kommen – das Feuerwerk an Innovation” ohne spezifische Literaturrecherche zu formulieren und allgemeine Überlegungen zu verwenden.

Mit Weihnachten kam dann die Zeit der Muse (und der Besuchmarathons). Zeit um mich speziell einem Buch zu widmen, das ich schon länger auf meiner Liste hatte: Theorie U – von der Zukunft her Führen. Viel hatte ich schon gehört von dieser Theorie. Ich war gespannt, was es wohl bedeutet von der Zukunft her zu führen. Dass in diesem Zusammenhang Innovation ein Thema ist, liegt nahe. Ich will nun nicht die Theorie U wiedergeben, sondern “springende Punkte” der Theorie gemeinsam mit dem Thema Innovation aufgreifen. Innovation, verstanden als ein Prozess, der in der Lage ist Neues hervorzubringen. Neues nicht im Sinne von “more of the same”, sondern Neues im Sinne von zukunftsfähigen Lösungen, Abläufen und Produkten. Neues im Sinne einer Transformation, eines Wandels. Die Türen stehen offen für einen Ausflug in die Zukunft.

Otto Scharmer, Autor von Theorie U, sieht in der Qualität der Aufmerksamkeit den zentralen Steuerungsfaktor für die Zukunft, das Schlüsselkriterium für die Qualität von Innovation. Aufmerksamkeit, hä, Bahnhof? Ok, etwas genauer, etwas tiefer. Ich bitte den Leser einmal zu reflektieren, wo die Quelle für sein Handeln liegt? Die Antwort ist, dass diese Quelle von der Qualität der Aufmerksamkeit abhängt. Stehe ich (meine Organisation) im Zentrum der Aufmerksamkeit oder schaffe ich meine Aufmerksamkeit auf das große Ganze zu verlagern, mich von meinen Zwängen, Fixierungen und Bildern zu lösen und das Ganze aus mehreren Gesichtspunkten zu betrachten, mich als Teil des Ganzen zu begreifen.

Innovation die zur Entwicklung einer zukunftsfähigen Gesellschaft beitragen kann, braucht also als “erste Bedingung” diese Verschiebung des Fokuses der Aufmerksamkeit zum Großen Ganzen. Wieso das große Granze? Ganz praktisch an einem Beispiel erklärt: Was beschränkt heutzutage den Erfolg des globalen Fischfangs? Die Kapazität der Fischereiflotten, oder die biologische Reproduktionsfähigkeit des Fischbestandes? Wie war der Sachverhalt wohl vor 200 Jahren gelagert!? Waren wir damals auch schon in der Lage die Meere leer zu fischen?! Ich hoffe aus diesem Beispiel geht klar hervor wieso wir uns heute auf  das große Ganze konzentrieren müssen.

Kommen wir zur “2. Bedingung”, zum 2. Schritt. Es geht um die Fähigkeit die Zukunft zu erspüren. Die Lösung des Problems nicht aus der Problemanalyse – aus der Vergangenheit -  herzuleiten, sondern aus der Perspektive der höchsten Zukunftsmöglichkeit für das Ganze.  Nicht in alten Mustern hängen zu bleiben, nicht Zwänge vorzuschieben, sondern die Frage zu stellen, wer wir eigentlich sein möchten. Denn es geht nicht nur um das Problemlösen.  Bei zukunftsfähiger Innovation geht es um Transformation. Dieser Gedanke mag nicht ganz einfach nachvollziehbar sein, da er unseren herkömmlichen Denkmustern widerspricht. Aber genau daraum geht es auch, alte Gewohnheiten abzustreifen und “visionär” zu sein, die Aufmerksamkeit vom  Müssen zum Wollen und Können zu verlagern.  Weltenretten im Sinne von wir müssen was tun hat seine Berechtigung, Zugkraft in die Zukunft entwickelt aber die Frage nach dem Wollen. Wie wollen wir arbeiten, leben….

Die “3. Bedinung” klopft schon an. Michael Ray von der Stanford Business School antwortet auf die Frage was Kreativität fördert mit folgenden Fragestellungen: Wer bin ich? Was will ich wirklich tun? Meist handeln wir aus der Perspektive des gewordenen Selbst, das bedeutet mit all den Prägungen die uns im Laufe des Lebens wiederfahren sind. Die Kunst liegt nun darin den Blick in die Zukunft zu richten: Was will ich wirklich tun? Was lässt mein Herz jubeln? Ich bin mein wichtigstes Werkzeug.

Blogparade Innovation

Zukunftsfähige Innovation und Entwicklung, braucht  Öffnung. Diese Öffnung im Sinne einer persönlichen Entwicklung, eines Entdeckens des authentischen Ichs hat Feinde, die es zu überwinden gilt.

  • Feind 1: Die Stimme des Urteilens: Sie hindert uns am intellektuellen Denken. Vorurteile und bestehende Muster beschränken den Intellekt.
  • Feind 2: Die Stimme des Zynismus: Sie verhindert Anteilnahme und “Herzdenken”. Sie distanziert uns von der Realität, sie distanziert uns vom Mitfühlen mit anderen Menschen.
  • Feind 3: Die Stimme der Angst: Angst vor dem Umbekannten, Angst vor dem Scheitern.

Zukunftsfähige Innovation entsteht, wenn Personen tun was ihr Herz jubeln lässt und die Herausforderungen unserer Zeit vom Standpunkt des größten Zukunftspotentials des Ganzen her betrachten. Was einerseits sehr einfach sein kann, bedarf aber einer grundlegenden Änderung unseres Denkens. Otto Scharmer verwendet knapp 500 Seiten, um diesen Prozess zu beschreiben. Ein Eintauchen und eine nähere  Befassung mit dem Werk lohnt sich.

Zurück in die Gegenwarte. Sind alle Feinde überwunden und Ideen entwickelt, bleibt noch die Frage nach dem Weg in die Praxis. Spätestens hier sollte klar sein, dass  ein Thor ist, wer bei sich und seiner Kompetenz stehen bleibt.  In einer komplexen von Abhängigkeiten geprägten Welt bedarf es einer Zusammenschau. Zukunftsfähige Innovation braucht institutionenübergreifendes  und akteurübergreifendes Denken und Handeln, braucht die Schaffung eines Mikrokosmos als Landebahn für die entstehende Zukunft. Otto Scharmer empfielt daher folgende Akteure bei der Protypenentwicklung miteinzubinden: Allgemeine Verantwortungsträger (Führung), Verantwortungsträger vor Ort, Akteure im System ohne direktes Mitspracherecht (z.B. Bürger), Akteure von außerhalb (kreative Outsider), engagierte Aktivisten (treiben die Umsetzung mit Herz).

Ob Einzelperson, Unternehmen oder Gemeinde, schlussendlich geht es darum, die Fixierung auf das ICH auf zulösen und den Blickwinkel auf das große Ganze auszudehnen. (Selbst)Führung bedeutet im Entstehen begriffene Zukunftsmöglichkeiten zu erspüren und dann in die Realisierung zu bringen. Führung wird somit tiefgründiger, Inspiration wird zum zentralen Bestandteil “guter” Führung.

Last but not least der wichtige Hinweis von David Kelley (Gründer der Firma IDEO): Scheiter häufig und frühzeitig, um schneller und besser erfolgreich zu sein.



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