Tag: Nachhaltigkeit

Ideenfestival auf der Alm

Nicole Arnitz und Hannes Offenbacher haben ihren Prototypen aus dem Vorjahr weiter entwickelt und luden auch 2011 wieder auf die Ideenalm hoch über Alpbach ein. O-Ton von der Webseite:

“Wir laden vorbildhafte UnternehmerInnen und visionäre Köpfe zu Dialogen über die Praxis der Zukunft ein. In den Tiroler Bergen entstehen 30-minütige Video Gespräche die inspirieren und Mut machen, selbst anzupacken.”

Man darf gespannt sein, was die 2 mit ihrem Team alles auf die Filmrolle bannen konnten. Bevor es zum Almabtrieb geht, wird nochmals kräftig aufgetrieben. Das Ideenfestival ruft. Unter dem Motto „Plug in and play“ wird die IdeenAlm vom 6.-8. September zum OpenSpace rund um die Themen Unternehmertum, Innovation & Zukunftsfähigkeit. Ein Festival der Ideen und ein entspannter Raum für Vernetzung und Dialog.

Alles ist möglich nix ist fix, ich bin gespannt wo das Festival hinläuft. Ich werde berichten wo ich mich “wieder gefunden” habe.

 

 

 



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Verzweifelte Suche

Ein sehr interessanter Workshop zum Thema nachhaltiger Tourismus in Kärnten hallt bei mir gerade nach. Eine kleine aber feine Runde – zusammengestellt vom IFZ in Graz – versuchte gestern Nachmittags den Ist-Zustand des Kärntner Tourismus in puncto Nachhaltigkeit mittels Konstellationsanalyse zu beschreiben. Wie immer wenn der Begriff Nachhaltigkeit im Spiel ist, kein leichtes Unterfangen.

Was ist nachhaltig und was nicht? Ist das schöne Lesachtal mit seinem entschleunigten Tourismus nachhaltiger als der Katschberg (Skigebiet) mit seinem Umfeld. Um darauf eine vorläufige Antwort geben zu können, möchte ich meine grandiose ;-) Erkenntnis der letzten Monate mit euch teilen: Es gibt nicht nur eine Wahrheit. Es gibt immer mehrere und die schließen sich gegenseitig nicht umbedingt aus. Je nach Definition und “Systemabgrenzung” ist sowohl der Katschberg als auch das Lesachtal nachhaltig. Also Schluss mit all den Diskussion über Nachhaltigkeit?

Im Workshop einigten wir uns vorerst auf das Vorhandensein meherer Wahrheiten und somit auch unterschiedlicher Nachhaltigkeiten. Innerlich arbeitete es jedoch weiter in mir, ich will nun einen Tag nach der Diskussion eine einfach argumentierbare Antwort finden. Mein nächster Versuch einer Antwort auf die Frage, wer denn nachhaltiger sei, fußt auf dem Begriff der Resilienz (Widerstandsfähigkeit gegenüber Störungen von Außen). Diversität, Modularität, Effizienz, Redundanz und Feedback sind die Gestaltungsprinzipien von Resilienz. Ich habe eine Vermutung welcher Kandidat diese Prinzipien besser erfüllt, aber ohne eine genaue zeitaufwändige Analyse komme ich auch hier nicht weiter. Wiederum geht es um das Problem der Systemabgrenzung, der Definition usw…

Ich gebe es zu, eigentlich suche ich nach einer Argumentationsschine, um dem Lesachtal mehr Nachhaltigkeit zu attestieren. Mir kommen die adaptiven Zyklen ins Gedächtnis.

Adaptive Zyklen, Quelle: http://www.resalliance.org/

Adaptive Zyklen, Quelle: http://www.resalliance.org/

Alles im Leben, ob in der Natur oder der Wirtschaft unterliegt einem Zyklus von Geburt (Alpha), Wachstum (r), Stagnation (K) und Verfall (Omega). Die vorläufig letzte Stufe des Verfalls öffnet den Raum für Neues. Womit wir Menschen uns nun schwer tun, ist den Verfall zuzulassen und die Geburt des Neuen zu befeueren und zu befeiern. Viele Kommentatoren bescheinigen unserer Gesellschaft, dass wir in der Stagnations- bzw. Erhaltungsphase verharren, in der Bestehendes beschützt und Neues unterdrückt wird.  Ein System das derart erstarrt, ist biologisch tot, das System wird zu einem „accident waiting to happen“. Wieso das so ist, will ich im Moment nicht beurteilen.  Ein wesentlicher Punkt scheint zu sein, dass wir Menschen als Wirtschaftsgemeinschaft sehr stark an Infrastruktur gebunden sind. Wir errichten Straßen, Seilbahnen, Kinos, Erlebnisparks, Einkaufszentren, Abwassersysteme usw.  die wir auch erhalten wollen bzw. müssen. So flexibel und anpassungsfähig der Mensch sein mag, so wenig ist es die Infrastruktur und unsere Wirtschaft.

Ich möchte nun die Ausgangsfrage, wer denn nachhaltiger sei, mit dem “accident waiting to happen” verknüpfen. Was passiert wenn über steigenden Ressourcenpreise und/oder Verwerfungen auf  den Finanzmärkten unsere Stagnationsphase mit dem Thema Verfall aufgelöst wird und wir uns zwangsweise dem Neuen widmen müssen. Ich denke hier an wirklich grundlegende strukturellen Veränderungen. Wer ist flexibler, wer hat mit mehr Altlasten im Sinne von nicht mehr nutzbarer Infrastruktur zu kämpfen. Eine andere Perspektive könnte aber auch darin liegen, Ressourcen aus dem Abbau der nicht mehr nutzbaren Infrastruktur gewinnen zu können? Fragen über Fragen und die Antwort auf meine Kernfrage scheint, nachdem sie zunächst näher kam, wieder in die Ferne zu entschwinden.

Ich wage einen letzten Versuch: Infrasturkturell gut ausgestattete Regionen (z.B. Skigebiete) verharren eventuell länger in der Stagnationsphase, bzw. der Verfall wird nicht zugelassen, sondern mit “more of the same” übersprungen. Eine nächste Wachstumsphase eingeleutet. Diese Regionen haben durch große Infrasturkturinvestitionen und damit verbundenen Touristenströmen einen Entwicklungspfad aufgebaut, den sie nicht so einfach verlassen können. Sie sind regional zu wichtig, es hängen zu viele daran, sie sind “too big to fail”.

Vielleicht habe ich nun den heiligen Gral der Nachhaltigkeit gefunden oder besser gesagt, nach all der akademischen Diskussion wieder ausgegeraben, wieder an die Oberfläche gebracht: Small is beautiful!?



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Vom Reden zum Tun

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. No na, ist ja eh klar, wenn da nicht das Problem wäre, dass der Weg vom Reden zum Tun ein sehr langer ist. Gestern erzählte mir zum Beispiel eine Bekannte, dass sie vor langer Zeit sich vorgenommen hatte, das Meditieren einen fixen Bestandteil ihres Lebens machen zu wollen. Es dauerte geschlagene 12 Jahre bis sie ihr Vorhaben umgesetzt hatte. Gut Ding braucht eben Weile…schon wieder so eine “Binsenweisheit”.

Bleiben wir beim Tun. Über Nachhaltigkeit reden alle, ernsthaft etwas dafür tun die wenigsten. Daher gebührt denen Ruhm und Ehre die sich engagieren. Ein positives Beispiel dafür das Jugendforum für eine nachhaltige Welt – auf die Beine gestellt von Josef Kreitmayer.

An 5 aufeinanderfolgenden Tagen wird in Eisenerz zum Thema Nachhaltigkeit geschraubt und gewerkelt. Neben fachlichem Input zu Finanzkrise, Peak Oil, Soziale Ungleichverteilung, Klimakrise usw. kommt auch der “inneren” Komponente des Menschen eine große Rolle zu. Dieser Bereich ist das Stiefkind der Nachhaltigkeitsdebatte. Wenn Emotionen,  Befürfnisse und Ähnliches am Programm stehen, wird man fälschlicher Weise sofort in die esoterische Ecke abgeschoben. Eigentlich sollte es klar und einleuchten, dass wir Menschen zuerst in unserem Inneren aufräumen müssen, um nachhaltig handlen zu können. Denn im Inneren des Menschen geht es ums Eingemachte. Dieser Bereich ist  die Achillesferse unserer Gesellschaft – das Innere, die Emotionen. Wir werden täglich darauf programmiert, Emotionen nur im privatesten Bereich zuzulassen. Emotionen in der Gesellschaft zu zeigen “is nich”.  Das Leben ist hart, die Wirtschaft & Konkurrenz ist hart. Folglich müssen wir härter sein. Dabei wird konsequent ausgeblendet, worum es im Leben eigentlich gehen sollte. Es wird eigenlich auch nicht mehr hinterfragt was wir genau als Gesellschaft “aufführen”. Ich pointiere: Unter der Woche arbeitsmäßig betäuben und am Wochenende dann das indivduell abgestimmtes Kontrastprogramm. Ob das so sein muss und was wir damit ökologisch und sozial anrichten, wird scheinbar nicht mehr reflektiert. Wir haben ja gar keine andere Möglichkeit…

Zurück nach Eisenerz: Tiefenökologie und meschliche Bedürfnisse  stehen hier genauso am Programm wie all die anderen Nachhaltigkeitsthemen. Eine Runde Sache, welche die Teilnehmer hier noch bis Samstag erleben können. Dem Ziel von Josef Kreitmayer, möglichst viele kontkrete Projekte aus diesem Jugendforum erwachsen zu lassen, kann man nur alles Gute wünschen.

P.S.: Es war schön mit interessierten, engagierten jungen Menschen zu arbeiten. Leider zu kurz! Danke!



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Nachhaltigkeit visualisieren

Ein kurzes Video, welches wieder einmal die “Weisheit der Vielen” belegt. Nachhaltigkeit in all ihren Facetten visualisiert!



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Mit Direktvertrieb in die Zukunft?

Bei der gestrigen Veranstaltung der Wirtschaftskammer Osttirol referierte Michael Lebesmühlbacher – Gründer der Gemüsekiste – über seine Erfahrungen im Direktvertrieb.

Quelle: Tiroler Gemüsekiste

Quelle: Tiroler Gemüsekiste

Aus der Saatgutbranche kommend, hatte er den Zugang zu den Bauern und wusste um ihre “Leiden & Probleme” bescheid. Harte Arbeit, hohe Abhängigkeit vom Großhandel und keine Zeit, die Produkte selber professionell zu vermarkten. Dieses Klagen hat Lebesmühlbacher oft gehört, so oft, dass er daraus ein Geschäft machte und daran ging das Produkt Gemüsekiste zu entwickeln. Während seinem Vortrag ging mir ein Licht auf und mir wurde klar, welche Bedeutung Direktvermarktung zukünftig haben wird. Lebensmühlbachers Verständnis der Direktvermarktung fußt nämlich auf vielen Eckpunkten, die  für eine nachhaltige Zukunft notwendig sind. Ein paar wenige Punkte dazu:

  • Serviceorientierung – der Mensch und nicht der Profit steht im Mittelpunkt.
  • Soziale Orientierung – persönliche Beziehungen und Vertrauen aufbauen.
  • Dezentralität – die Gemüsekiste verfügt über keine großen Lager.
  • Autonomie der kleinsten Einheit – Heimarbeit in der Verwaltung, im Marketing und der Produktion.
  • Mehrfachnutzung von Strukturen – Nutzung der Lager & Transportmöglichkeiten der Bauern.
  • Funktionsorientierung statt Produktorientierung – die Produkte in der Gemüsekiste sind jahreszeitlich variabel. Es geht um gesunde Ernährung und nicht um eine Gemüsesorte.

Sehr viele Aspekte entsprechen den Anforderungen an die Nachhaltigkeit. Das Produkt Gemüsekiste besticht natürlich auch dadurch, dass es auf der Trendwelle der Regionalität und der gesunden Ernährung surft. Der Erfolg mit 100.000 ausgelieferten Gemüsekisten im Jahr 2009 an 3.000 Abokunden spricht für sich.

Dass Direktvermarktung im Aufstieg begriffen ist, zeigen auch die weltweiten Zahlen: Während 1988 8,5 Mio. Geschäftspartner im Direktvertrieb tätig waren, sind es heute 63 Mio. Der Umsatz beläuft sich auf ca. 100 Mrd. Dollar.

Direktvermarktung wird die Welt nicht retten, doch hat sie das Potenzial durch ihre dezentrale Organisation und Integration in lokale Kreisläufe einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsform (eventuell ohne Wachstumszwang ???) beizutragen.



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