Artikel-Schlagworte: „Nachhaltigkeit“
Mit Direktvertrieb in die Zukunft?
Bei der gestrigen Veranstaltung der Wirtschaftskammer Osttirol referierte Michael Lebesmühlbacher – Gründer der Gemüsekiste – über seine Erfahrungen im Direktvertrieb.

Quelle: Tiroler Gemüsekiste
Aus der Saatgutbranche kommend, hatte er den Zugang zu den Bauern und wusste um ihre “Leiden & Probleme” bescheid. Harte Arbeit, hohe Abhängigkeit vom Großhandel und keine Zeit, die Produkte selber professionell zu vermarkten. Dieses Klagen hat Lebesmühlbacher oft gehört, so oft, dass er daraus ein Geschäft machte und daran ging das Produkt Gemüsekiste zu entwickeln. Während seinem Vortrag ging mir ein Licht auf und mir wurde klar, welche Bedeutung Direktvermarktung zukünftig haben wird. Lebensmühlbachers Verständnis der Direktvermarktung fußt nämlich auf vielen Eckpunkten, die für eine nachhaltige Zukunft notwendig sind. Ein paar wenige Punkte dazu:
- Serviceorientierung – der Mensch und nicht der Profit steht im Mittelpunkt.
- Soziale Orientierung – persönliche Beziehungen und Vertrauen aufbauen.
- Dezentralität – die Gemüsekiste verfügt über keine großen Lager.
- Autonomie der kleinsten Einheit – Heimarbeit in der Verwaltung, im Marketing und der Produktion.
- Mehrfachnutzung von Strukturen – Nutzung der Lager & Transportmöglichkeiten der Bauern.
- Funktionsorientierung statt Produktorientierung – die Produkte in der Gemüsekiste sind jahreszeitlich variabel. Es geht um gesunde Ernährung und nicht um eine Gemüsesorte.
Sehr viele Aspekte entsprechen den Anforderungen an die Nachhaltigkeit. Das Produkt Gemüsekiste besticht natürlich auch dadurch, dass es auf der Trendwelle der Regionalität und der gesunden Ernährung surft. Der Erfolg mit 100.000 ausgelieferten Gemüsekisten im Jahr 2009 an 3.000 Abokunden spricht für sich.
Dass Direktvermarktung im Aufstieg begriffen ist, zeigen auch die weltweiten Zahlen: Während 1988 8,5 Mio. Geschäftspartner im Direktvertrieb tätig waren, sind es heute 63 Mio. Der Umsatz beläuft sich auf ca. 100 Mrd. Dollar.
Direktvermarktung wird die Welt nicht retten, doch hat sie das Potenzial durch ihre dezentrale Organisation und Integration in lokale Kreisläufe einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsform (eventuell ohne Wachstumszwang ???) beizutragen.
Neues Denken
In der letzten Ausgabe (1/10) der Zeitschrift Organisationsentwicklung (Zeitschrift für Unternehmensentwicklung und Change Management) war ein interessantes Interview mit Dr. Peter Senge zu lesen. In seiner weltweiten Lehrtätigkeit übersetzt er die “abstrakten” Konzepte der Systemtheorie in konkrete Werkzeuge für wirtschaftliche und organisatorische Veränderung.
Nachstehend möchte ich ein paar Zitate aus diesem Text anführen:
Alle Nachhaltigkeitsprobleme entstammen der gleichen Quelle: Wir wissen nicht, wie wir das gesamte System wahrnehmen können.
Firmen mit einer größeren systemischen Sichtweise profitieren von der Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern.
Die Fähigkeit zu echter Zusammenarbeit zu entwickeln ist harte Arbeit.
Senge definiert langfristiges und systemisches denken als Erfolgsfaktor für die Zukunft.

Jeder Punkt stellt einen Mensch und sein Denkmuster in Raum&Zeit dar.
Ein fiktives Beispiel aus der Praxis soll diese Zitate etwas erhellen: Ein Hotelier aus dem Tiroler Zillertal entdeckt die günstigen Flugpreise von London nach Innsbruck bzw. München für sich. Seine Frau ist Engländerin, kennt die Ansprüche der Briten, spricht die Sprache der “Inselbewohner” und hat hervorragende Kontakte in ihre alte Heimat. Was liegt näher, als sich als Hotel auf Gäste aus England zu spezialisieren. Die ersten 3 Jahre läuft alles bestens. Doch dann die “Katastrophe”. Der Pfund wird abgewertet und der Ölpreis steigt. Innerhalb weniger Monate kann der Urlaub in Österreich unerschwinglich werden. Die Engländer bleiben aus und seine alten Stammgäste hat er mittlerweile verloren, da er sich massiv auf sein Zielpublikum (Engländer) fokussiert hat. Was ich hier nur kurz umrissen habe ist ein Beispiel, wie es eventuell diesen Winter irgendwo im Alpenraum schon geschehen ist. Der Hotelier hat kurzfristig mit ein paar wenigen Variablen (Kontakt nach England, günstige Flugpreise…) überlegt und sich kein großes Bild gemacht. Er hat sein System viel zu eng abgesteckt. Er hat nicht global gedacht.
Doch genau in diesen globalen Faktoren (Finanzmärkte, Ölpreis, CO2-Debatte usw.) liegen die Faktoren, die unser zukünftiges Handeln massiv beeinflussen werden. Als wirtschaftende Akteure müssen wir den Schwenk vom lokalen kurzfristigen Denken zu einem gloablen langfristigen Denken schaffen. Dieser “Shift” in der Denkweise stellt für Prof. Senge die größte Innovationsherausforderung mit der die Menschheit je konfrontiert war, dar.
Wachstum im Wandel – Zwischenbericht
Die ersten 2 Tage der Konferenz Wachstum im Wandel sind geschlagen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen öfter via Twitter oder hier in meinem Blog ein paar Zeilen zu posten. Doch es war einfach zu interessant. Eine ausführliche Anaylse werde ich später liefern. An dieser Stelle nur ein paar Zeilen.
Wachstum im Wandel
Das Barcamp am Mittwoch wurde von ca. 80 Personen besucht. Die Eigenheit des Barcamps: es gibt kein fixes Programm. Die Teilnehmer können das Programm selbst gestalten – jeder ist eingeladen seinen Beitrag zu liefern. In 4 Räumen wurden Sessions zu je 45 Minuten abgehalten, Vortragende bzw. Diskussionsleiter meldeten sich spontan aus dem Kreis der Konferenzbesucher. Ich kann diese „Konferenzmethode“ wirklich empfehlen, locker, informativ und jeder kann sich sein Programm selber zusammenstellen. Wer keine Session besuchen möchte, der trifft sich im Barcamp Cafe zum Netzwerken.
Gestern Donnerstag begann dann die „klassische“ Konferenz. Die Bedeutung der Konferenz wurde durch die Eröffnung durch den „Lebensminister“ Niki Berlakovich untermauert. Besondere Beachtung verdient auch der Umstand, dass die abendliche Session inklusive „get-together“ in der Industriellen Vereinigung statt fand.
Heute geht es in die letzte Runde, ein Update folgt.
Wo liegt der Hemmschuh beim Thema Nachhaltigkeit?
Der erste Online Nachhaltigkeitsgipfel war meiner Ansicht nach geprägt von einem „wir wollen nachhaltig sein, wissen aber nicht wie“? Wieso diese Ratlosigkeit, diese Stagnation in der Nachhaltigkeitsdiskussion seit beinahe schon Jahrzehnten? Wenn es z.B. um Effizienzsteigerungen in Wirtschaftsprozessen geht, sind wir doch auch nicht so zögerlich! Was hält uns davon ab nachhaltig zu agieren, wieso schaffen wir kaum einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit? Nachstehend die Antwort auf diese Frage, angelehnt an eine „nachhaltige“ 3-teilige Gliederung der betrieblichen Produktion.

Warum gehen wir nicht behutsam mit der Erde um?
Ökonomischer Bereich – Produktionsmittel: Diese werden abgeschrieben, das bedeutet die Wertminderung z.B. einer Maschine im Laufe der Jahre wird erfasst (Abschreibung) und berücksichtigt. Durch Abschreibungen wird dem Prinzip der Bestandserhaltung des Produktionsapparats Rechnung getragen. Bevor nicht der sich abnutzende Bestand an Maschinen und Produktionsanlagen durch Ersatzinvestitionen immer wieder hergestellt wird, kann nicht von Gewinn gesprochen werden. Es geht also bei den Abschreibungen letztlich um die Wiederherstellung der Produktionsgrundlagen, um die „Reproduktion des Produktionsapparats“. Effizienz wird belohnt und sie ist die Folge.
Ökologischer Bereich – Naturkapital: Der Abbau von Rohstoffen und damit die Entleerung der Reservoirs bzw. die Zerstörung der Natur wird nicht als Wertminderung erfasst. Wird der Natur mehr als der Überschuss entnommen, wird also ihr Bestand vermindert, dann müsste dieser Verlust an Bestand mindestens mit einer entsprechenden „Naturabschreibung“ verbucht werden und in die Kostenermittlung eingehen, um Mittel für „Ersatzinvestitionen in die Natur“ anzusammeln und den Bestand wieder aufzufüllen (wie es bei den Maschinen gehandhabt wird). Die Natur ist zumindest kurzfristig kostenlos. Naturzerstörung wird belohnt und ist die Folge.
Sozialer Bereich – Arbeitskräfte: Die Marktwirtschaft belohnt einzelbetrieblich gesehen möglichst niedrige Lohnkosten. Die Reproduktion des Menschen im Sinne einer Deckung der Lebenshaltungskosten ist der ursprünglichen Marktwirtschaft nicht innewohnend. Der Drang hin zu niedrigen Löhnen wurde durch Sozialstandards etwas entschärft. Diese Standards entstanden jedoch erst, als sich die Arbeiterschaft Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gegen die damals vorherrschende Ausbeutung auflehnte. Lohndumping (unter Einhaltung der sozialen Mindeststandards) wird belohnt und ist die Folge.
Auf das Finanzkapital und die Wachstumsproblematik die sich aus der Zinseslogik ergibt, wird an dieser Stelle nicht eingegangen. Ziel der obigen Darstellung war es aufzuzeigen, wie in der Marktwirtschaft (auf betrieblicher Ebene) Anreizmechanismen in den 3 Bereichen der Nachhaltigkeit wirken.
Quintessenz: Naturzerstörung und „Sozialdumping“ werden gefördert, in diesen Bereichen verlangt die originäre Marktwirtschaft nicht nach Berücksichtigung der Reproduktion. Hier stehen sich Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit also diametral gegenüber und genau in diesen Anreizmechanismen ist auch eine der Kernursachen auszumachen, die es Betrieben so schwer macht, nachhaltig zu agieren.
Nachhaltigkeit im Sinne dieses Artikels wird erst dann möglich, wenn man sich als Unternehmen durch sein besonderes Angebot der Vergleichbarkeit bzw. den Marktkräften und somit dem Preisdruck entziehen kann, bzw. wenn der Kunde bereit ist, für Nachhaltigkeit zu zahlen.
Best practice: Nachhaltigkeit schafft Zufriedenheit
Aus dem Leben gegriffen – meine ganz persönliche Erfahrung mit gelebter Nachhaltigkeit:
Wenn man sein Büro einrichtet und gestaltet, hat man viele Möglichkeiten dies zu tun: a) zu einem großen schwedischen Möbelhaus fahren, b) eine andere ähnlich gelagerte Kette wählen, c) den Tischler mit einer “08/15″ Ganitur beauftragen, oder d) seine eigene Kreativität und die des Tischlers für die Gestaltung eines individuellen Produkts anzapfen.
Ich habe mich für Variante “d” entschieden. OK, zugegeben nicht alle Einrichtungsgegenstände im Büro stammen von Variante “d”. Doch dies ist auch gar nicht notwendig. Nachhaltigkeit kommt nicht von heute auf morgen, das ist ein Prozess. Schritt für Schritt. Den Anfang machte bei mir der Couchtisch.
Nachdem ich mit dem “Tischler meines Vertauens” Ideen ausgetauscht hatte, ihm mein Verständnis von Nachhalitgkeit erklärt hatte und ihn “beauftragt habe diese Nachhaltigkeit in mein Büro zu bringen”, ließ ich ihm freies Spiel. Gespannt wartete ich auf den Liefertermin und was mich erwarten würde. Als es so weit war, das gute Stück in meinem Büro stand und Georg (der Schöpfer des Couchtisches) mir die Geschichte und die Funktionalität des Mobilars erklärte, war ich hochzufrieden mit dem Stück.

Aus einem Wurzelstock wird ein funktionaler Couchtisch.
Nicht nur, dass es ein Einzelstück ist und bleiben wird, ich weiß wo der Wurzelstock herkommt, wie er nachbearbeitet wurde, war dabei als die Glasplatte montiert wurde und kenne den Menschen der das Produkt hergestellt hat. Außer dem persönlichen Effekt ein Einzelstück mit Geschichte für meine Eitelkeit zu besitzten, regionale Wertschöpfung ausgelöst zu haben, soziale Kontakte vertieft zu haben, war die Aussage von Georg das “Sahnehäubchen” für mich: “Es wäre schön immer so kreativ tätig zu sein und seinen Fähigkeiten und Ideen freien Lauf zu lassen.”
Dinge zu schaffen, seine eigene Kreativität einbringen zun können, stolz darauf zu sein etwas besonders geschaffen zu haben. Befriedigung in sinnvoller und sinngebender Arbeit zu finden ist eine maßgebliche Komponente nachhaltiger Entwicklung und wichtiger Bestandteil für die Formung einer zufriedenen und erfüllten Gesellschaft.
….und das nächste Stück – “mein” Regal – ist schon im Entstehen, ich werde berichten!