Artikel-Schlagworte: „Nachhaltigkeit“

Wo liegt der Hemmschuh beim Thema Nachhaltigkeit?

Der erste Online Nachhaltigkeitsgipfel war meiner Ansicht nach geprägt von einem „wir wollen nachhaltig sein, wissen aber nicht wie“? Wieso diese Ratlosigkeit, diese Stagnation in der Nachhaltigkeitsdiskussion seit beinahe schon Jahrzehnten? Wenn es z.B. um Effizienzsteigerungen in Wirtschaftsprozessen geht, sind wir doch auch nicht so zögerlich! Was hält uns davon ab nachhaltig zu agieren, wieso schaffen wir kaum einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit? Nachstehend die Antwort auf diese Frage, angelehnt an eine „nachhaltige“ 3-teilige Gliederung der betrieblichen Produktion.

Warum gehen wir nicht behutsam mit der Erde um?

Warum gehen wir nicht behutsam mit der Erde um?

Ökonomischer Bereich – Produktionsmittel: Diese werden abgeschrieben, das bedeutet die Wertminderung z.B. einer Maschine im Laufe der Jahre wird erfasst (Abschreibung) und berücksichtigt. Durch Abschreibungen wird dem Prinzip der Bestandserhaltung des Produktionsapparats Rechnung getragen. Bevor nicht der sich abnutzende Bestand an Maschinen und Produktionsanlagen durch Ersatzinvestitionen immer wieder hergestellt wird, kann nicht von Gewinn gesprochen werden. Es geht also bei den Abschreibungen letztlich um die Wiederherstellung der Produktionsgrundlagen, um die „Reproduktion des Produktionsapparats“. Effizienz wird belohnt und sie ist die Folge.

Ökologischer Bereich – Naturkapital: Der Abbau von Rohstoffen und damit die Entleerung der Reservoirs bzw. die Zerstörung der Natur wird nicht als Wertminderung erfasst. Wird der Natur mehr als der Überschuss entnommen, wird also ihr Bestand vermindert, dann müsste dieser Verlust an Bestand mindestens mit einer entsprechenden „Naturabschreibung“ verbucht werden und in die Kostenermittlung eingehen, um Mittel für „Ersatzinvestitionen in die Natur“ anzusammeln und den Bestand wieder aufzufüllen (wie es bei den Maschinen gehandhabt wird). Die Natur ist zumindest kurzfristig kostenlos. Naturzerstörung wird belohnt und ist die Folge.

Sozialer Bereich – Arbeitskräfte: Die Marktwirtschaft belohnt einzelbetrieblich gesehen möglichst niedrige Lohnkosten. Die Reproduktion des Menschen im Sinne einer Deckung der Lebenshaltungskosten ist der ursprünglichen Marktwirtschaft nicht innewohnend. Der Drang hin zu niedrigen Löhnen wurde durch Sozialstandards etwas entschärft. Diese Standards entstanden jedoch erst, als sich die Arbeiterschaft Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gegen die damals vorherrschende Ausbeutung auflehnte. Lohndumping (unter Einhaltung der sozialen Mindeststandards) wird belohnt und ist die Folge.

Auf das Finanzkapital und die Wachstumsproblematik die sich aus der Zinseslogik ergibt, wird an dieser Stelle nicht eingegangen. Ziel der obigen Darstellung war es aufzuzeigen, wie in der Marktwirtschaft (auf betrieblicher Ebene) Anreizmechanismen in den 3 Bereichen der Nachhaltigkeit wirken.

Quintessenz: Naturzerstörung und „Sozialdumping“ werden gefördert, in diesen Bereichen verlangt die originäre Marktwirtschaft nicht nach Berücksichtigung der Reproduktion. Hier stehen sich Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit also diametral gegenüber und genau in diesen Anreizmechanismen ist auch eine der Kernursachen auszumachen, die es Betrieben so schwer macht, nachhaltig zu agieren.

Nachhaltigkeit im Sinne dieses Artikels wird erst dann möglich, wenn man sich als Unternehmen durch sein besonderes Angebot der Vergleichbarkeit bzw. den Marktkräften und somit dem Preisdruck entziehen kann, bzw. wenn der Kunde bereit ist, für Nachhaltigkeit zu zahlen.

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Best practice: Nachhaltigkeit schafft Zufriedenheit

Aus dem Leben gegriffen – meine ganz persönliche Erfahrung mit gelebter Nachhaltigkeit:

Wenn man sein Büro einrichtet und gestaltet, hat man viele Möglichkeiten dies zu tun: a) zu einem großen schwedischen Möbelhaus fahren, b) eine andere ähnlich gelagerte Kette wählen, c) den Tischler mit einer “08/15″ Ganitur beauftragen,  oder d) seine eigene Kreativität und die des Tischlers für die Gestaltung eines individuellen Produkts anzapfen.

Ich habe mich für Variante “d” entschieden. OK, zugegeben nicht alle Einrichtungsgegenstände im Büro stammen von Variante “d”. Doch dies ist auch gar nicht notwendig. Nachhaltigkeit kommt nicht von heute auf morgen, das ist ein Prozess. Schritt für Schritt. Den Anfang machte bei mir der Couchtisch.

Nachdem ich mit dem “Tischler meines Vertauens” Ideen ausgetauscht hatte, ihm mein Verständnis von Nachhalitgkeit erklärt hatte und ihn “beauftragt habe diese Nachhaltigkeit in mein Büro zu bringen”, ließ ich ihm freies Spiel. Gespannt wartete ich auf den Liefertermin und was mich erwarten würde. Als es so weit war, das gute Stück in meinem Büro stand und Georg (der Schöpfer des Couchtisches) mir die Geschichte und die Funktionalität des Mobilars erklärte, war ich hochzufrieden mit dem Stück.

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Aus einem Wurzelstock wird ein funktionaler Couchtisch.

Nicht nur, dass es ein Einzelstück ist und bleiben wird, ich weiß wo der Wurzelstock herkommt, wie er nachbearbeitet wurde, war dabei als die Glasplatte montiert wurde und kenne den Menschen der das Produkt hergestellt hat. Außer dem persönlichen Effekt ein Einzelstück mit Geschichte für meine Eitelkeit zu besitzten, regionale Wertschöpfung ausgelöst zu haben, soziale Kontakte vertieft zu haben, war die Aussage von Georg das “Sahnehäubchen” für mich: “Es wäre schön immer so kreativ tätig zu sein und seinen Fähigkeiten und Ideen freien Lauf zu lassen.”

Dinge zu schaffen, seine eigene Kreativität einbringen zun können,  stolz darauf zu sein etwas besonders geschaffen zu haben. Befriedigung in sinnvoller und sinngebender Arbeit zu finden ist eine maßgebliche Komponente nachhaltiger Entwicklung und wichtiger Bestandteil für die  Formung einer zufriedenen und erfüllten Gesellschaft.

….und das nächste Stück – “mein” Regal – ist schon im Entstehen, ich werde berichten!

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