Tag: Neoliberalismus

Der blinde Fleck der Ökonomie

Über den Neoliberalismus ist schon viel geschrieben worden. Ich selbst bin zu wenig Wirtschaftsfachmann um auf all die Vor- und Nachteile dieses Wirtschaftsverständnisses eingehen zu können. Doch einen maßgeblichen blinden Fleck des Neoliberalismus möchte ich an dieser Stelle kurz herausgreifen.

Die Preisbildung in unserer Wirtschaft geschieht auf den Märkten. Sie folgt Angebot und Nachfrage. Laut  den Neoliberalen drückt  man durch das Spiel von Angebot und Nachfrage den Wert eines Gutes aus (subjektive Nutzenschätzung). Dies mag für viele Wirtschaftsbereiche eine adäquate Methode sein, doch bei der Gewinnung von Rohstoffen bzw. bei deren Verbrauch bleibt so ein maßgeblicher Faktor unterbelichtet. Wie fließt die Verringerung der Ressourcenverfügbarkeit in den Preis von z.B. Erdöl oder Grund und Boden ein? Die Antwort lautet gar nicht, zumindest solange ausreichend Ressourcen vorhanden sind und Knappheit kurzfristig nicht absehbar ist.

Solange Ressourcen im Überfluss vorhanden sind, fließt die Minderung des Ressourcenbestandes nicht in den Preis ein. So kann z.B. die Hälfte einer Ressource abgebaut werden ohne dass es Preissignale für den schrumpfenden Ressourcenbestand gibt. Erst wenn die Knappheit am Horizont erscheint kommt Bewegung in den Markt. Der unbezahlte Wert der fossilen Energieträger schlägt sich in Kosten nieder, die erst die nächste Generation zu zahlen hat.

Metalle, (fossile) Energiequellen usw. sind nicht erneuerbar. Wir konsumieren sie in einer rasenden Geschwindigkeit. Das geforderte prozentuale Wachstum bringt immer mehr Ressourcenverbrauch mit sich. 1% von einer fiktiven BIP-Größe von 100 ergibt eine andere Dimension des Verbrauchs als 1% von 1.000. Je größer und reifer eine Wirtschaft wird, desto aufwändiger das Wachstum.

Zurück zur Preisbildung. Die Industriegesellschaft hat ein Wirtschaftssystem aufgebaut, das auf billiger Energie bzw. Rohstoffen aufbaut (der Abbau der Ressourcenbasis wird ohne Gefahr von Knappheit monetär ja nicht erfasst). Teilweise exponentiell wachsende Nachfrage nach  Ressourcen und Energiequellen führt in gewissen Bereichen zu ersten Knappheitssignalen. Vergessen wir nicht, dass ein beständiges Wachstum von 3% bereits nach 24 Jahren zu einer Verdoppelung des Verbrauchs führt.

Es scheint an der Zeit sich diesem blinden Fleck anzunehmen. Es geht nicht nur um Knappheit von Erdöl bzw. Energie. Diese sind nur Mittel um andere wichtige Ressourcen wie Wasser, Boden, Metalle usw. abzubauen und umzuwandeln und auch diese Stoffe sind nur begrenzt vorhanden.




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Leitl bringt`s auf den Punkt

Die Gefahren in unserem Wirtschaftssystem sind heutzutage vielfältig. Das Wachstum gerät von vielen Seiten “unter Beschuss”.  Ob wir uns Wachstum zukünftig leisten können bzw. wie Wachstum überhaupt nachhaltig sein kann, steht auf einem anderen Blatt. Für den Moment geht die Gefahr für unsere Wirtschaft jedoch nicht von Ressourcenknappheit aus, sondern von der Macht der Finanzjongleure.  In der gestrigen ZIB 2 hat Wirtschaftskammer Präsident Leitl im Rahmen eines Interviews einen bemerkenswert dringenden Appell in Richtung der Internationalen Gemeinschaft artikuliert.

Leitl skizzierte, dass die reale Wirtschaft extrem durch die Macht “einiger weniger” Finanzjongleure bestimmt wird. Die Politik richte sich nach den Maximen dieser Gruppe und nicht umgekehrt. Leitl zu Folge bringt dieser Zustand unser Wirtschaftssystem an den Rande des Abgrunds. Die Internationale Gemeinschaft rief er auf endlich Taten gegen die Finanzjoungleure zu setzten und klare Grenzen einzuziehen.

Der freie Fall der Wirtschaft dürfte vorerst gebremst sein, an der Wurzel des Problems wurde bis dato nicht gearbeitet. Klassisch geht man daran die Symptome zu behandeln, anstatt sich der Ursachen anzunehmen. Dies würde nämlich Veränderungen im Machtgefüge notwendig machen und das wird selbstverständlich gescheut!



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