Tag: Sinngesellschaft

Der Faktor Mensch

In diesem Blog habe ich schon öfters über die Sinngesellschaft gesprochen. Heute möchte ich dieses Thema etwas vertiefen und andeuten, was das Schlagwort “Sinngesellschaft” konkret für den Tourismus bedeutet.

Auf Sinnsuche! Quelle: http://www.studte-cartoon.de/

Auf Sinnsuche! Quelle: http://www.studte-cartoon.de/

Zunächst, worin liegt denn der Sinn der Wirtschaft und der Arbeit? Heute muss man sagen, der Sinn der Wirtschaft liegt in einem möglichst hohen Gewinn und Einkommen. Doch das ist nur die Fassade der Wirtschaft. Der eigentliche Sinn und Zweck des Wirtschaftens sollte es sein, dem Mensch ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Davon sind wir aber weit entfernt. Wenn wir für ein angenehmers Leben arbeiten würden, dann hätten wir schon längst die Reißleinen ziehen müssen. Der Stress und Druck in der Arbeitswelt erhöht sich jedoch ständig, Produktivitätssteigerung ist gefragt. Die aktuelle Strukturkrise verschärft diese Situation  zusehens. Der Sinn der Arbeit und des Wirtschaftens ist für die Masse verloren gegangen. Der Begriff Erwerbsarbeit trifft diesbezüglich den Nagel auf den Kopf. Wir arbeiten nicht aus Überzeugung und Freude  sondern zusehends, um uns finanziell über Wasser zu halten.

Die Menschen sehnen sich vermehrt danach, etwas sinnvolles zu tun. Nicht nur in der Arbeit sondern auch im Urlaub. Und hier kommt der Mensch ins Spiel. “Wir” brauchen künftig keine Investitionen in die “Superriesenrutsche”. WAs “wir” brauchen sind engagierte Tourismusakteure, die ihren Gästen ein sinnstiftendes Programm bieten können. Es geht um die Vernetzung lokaler Angebotsträger. Dabei sind nicht nur die herkömmlichen Tourismusdienstleister gefragt. Handwerker, Bildungseinrichtung, soziale Dienstleister, Bauern usw., sie alle sind die Bestandteile künftiger Angebote. Dabei steht der Mensch im Mittelpunkt. Denn Sinn entsteht zumeist aus der Kooperation, der Zusammenarbeit, dem Kontakt mit Menschen. Gutes zu tun, erfüllt den Mensch. Genau danach suchen wir.

Roland Gaßner vom GfK befindet, dass die Menschen zum Teil schon urlaubsmüde sind. Sie sind abgestumpft, haben alles schon gesehen. Wenn Sie diese Menschen wieder zum Reisen animieren möchten, dann müssen Sie Ihnen das bieten, wonach Sie suchen: den Sinn. So “einfach” es ist einen Kredit für große Investitionen zu vergeben, so schwierig sind Maßnahmen, die auf der zwischenmenschlichen Ebene ansetzen. Ein Kredit hilft ihnen bei Zwischenmenschlichen Problemen kaum. Touristiker können die Verantwortung zukünftig nicht mehr auf Großprojekte abschieben. Jeder einzelne Unternehmer und TVB-Leiter ist gefragt, ein gemeinschaftliches Klima zu schaffen und in Kooperation zu investieren. Nur wenn man die Fähighkeiten mehrer Personen zusammenspannt wird es gelingen, dem Gast ein sinnstiftendes Angebot zu bieten.



Andere Tags: ,

 

Social Business – ein Mosaikstein

Social Business? Sozialunternehmer? Ja, genau dies meint der Begriff.  Nicht Gewinnmaximierung kennzeichnet den Antrieb von Sozialunternehmern, sondern ihnen geht  es darum, mit ihrem Unternehmen gesellschaftliche Probleme zu lösen. Gewinne werden reinvestiert und nicht als Dividende ausbezahlt. Vater dieser Bewegung ist Muhammad Yunus (Link Wikipedia), dessen ursprüngliche Idee es war, die Armut durch Mikrokredite zu besiegen.

Muhammed Yunus - Gründer der Social Business Idee

Muhammad Yunus - Gründer der Social Business Idee

In Tirol wurde dieser Gedanke letzten Donnerstag vom Zukunftszentrum im Rahmen einer “Kick Off” Veranstaltung vorgestellt. Einer der Hauptredner bei dieser sehr gut besuchten Veranstaltung war Peter Spiegel, Veranstalter der ersten deutschsprachigen Konferenz (Vision Summit) zum Thema Social Business. Im Laufe der Veranstaltung wurden viele interessante Beispiel die den Social Business Gedanken widerspiegeln aus den Bereichen Bildung, regionale Lebensmittel, Mikrokredite und Barrierefreiheit präsentiert.

Was diese Veranstaltung mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun hat liegt glaube ich auf der Hand. Wo liegt der Konnex zum Tourismus? Für mich persönlich ist die Social Business Bewegung ein klarer Indikator für den Zustand unserer Gesellschaft. Sie verändert sich und diese Veränderung wird sich wahrscheinlich noch beschleunigen. Das “Mehrungsparadigma”, der Egoismus, der Konsumrausch, kurzum der Materialismus beginnt nachzulassen. Selbstverständlich kann man noch von keiner starken, alle Schichten erfassenden, flächendeckenden Bewegung sprechen. Doch Social Business ist für mich ein weiterer Mosaikstein in der gesellschaftlichen Entwicklung, die wiederum das Urlaubsverhalten ihrer Mitglieder prägt. Wir sind wieder bei der Sinngesellschaft angelangt. Social Business findet im Tourismus ihren Ausdruck z.B. im Volunteering. Das verrichten von sinnvoller Arbeit im Urlaub hat auch in Österreich schon fußgefasst. Die Nachfrage danach wird künftig stark zunehmen.

Wirtschaftsakteure in unserer Gesellschaft sollten all diese Bewegungen, die in Richtung Nachhaltigkeit laufen, auf ihrem Radar haben. “More of the same”  als die bis dato heilsbringe Wirtschafsweisheit wird  in einer Gesellschaft die zusehends nach Sinn und “Substanz” lechzt keine Zukunft haben.



Andere Tags: , ,

 

Vom Haben zum Sein

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem ausgeprägten Umbruch, daran gibt es nichts zu rütteln. Gesellschaftlicher Wandel ist nicht leicht wahrnehmbar. Nur 1 bis 2 Prozent pro Jahr ändern sich die unterschiedlichen Indikatoren die den Wandel anzeigen. Im Laufe der Zeit ergibt sich daraus jedoch eine erhebliche Summe.

Die absolute Ruhe! von http://fotowettbewerb.hispeed.ch

Die absolute Ruhe! von http://fotowettbewerb.hispeed.ch

Wir bewegen uns vom “Haben zum Sein”. Der Postmaterialismus klopft an, der Lifestyle of Health and Sustainability (LOHAS) führt uns das vor Augen.

Lohas sind intensive Leser und kaufen mehr Bücher als durchschnittliche Amerikaner. Sie sehen weniger fern, weil sie die meisten TV-Sendungen nicht mögen und die Qualität der Nachrichtensendungen für bedenklich ahlten…In dem Streben nach Authentizität lehnen sie schlechte Qualität und Wegwerartikel ebenso ab wie Markenwahn! [Paul Ray, amerikanischer Soziologe].

LOHAS sind die Vorboten des Wechsels vom “Haben zum Sein”.  Der neue Luxus manifestiert sich in Zeit, Ruhe, Gesundheit, Sicherheit,  intakter Natur und SINN. Lesehotels, Volunteering, Urlaub am Bauernhof, Bildungsurlaub sind nur einige Stichworte an denen die Entwicklung vom Haben zum Sein ablesbar ist. Das Erleben, ist eine Form des Seins.  Erlebnisse finden im Kopf statt, was bedeutet, dass das Geschichtenerzählen keine Einbahnkommunikation ist. Der Rezipient (Gast, Urlauber) nimmt Informationen der Geschichte auf und interpretiert sie nach seinem persönlichen Hintergrund. Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir im Tourismus wissen, wer unsere Gäste sind.  Das Erlebnis ist das Besondere, das Außergewöhnliche. Danach suchen alle, auch die LOHAS. Dabei ist die Masse verpönt und das Individuelle gefragt.

Die ganze Reichweite der sich anbahnenden Veränderungen vom Haben zum Sein können wir noch nicht in seiner Gesamtheit begreifen. Das ist auch nicht notwendig. Fest steht, es wird Gewinner und Verlierer geben und Wege entstehen im Gehen.



Andere Tags: , ,

 

Wohin geht die Reise?

Wir (= Industrienationen) sind erwachsen geworden. Wirtschaftswissenschaftler sprechen von reifen Volkswirtschaften, Vermarkter von müden Konsumenten und Soziologen von einer Sinn-entleerten Gesellschaft. Der Steirische Landtagsabgeordnete Ober skizziert unsere Gesellschaft wie folgt: Noch nie hat eine Gesellschaft soviel Ressourcen für ein zutiefst unerfülltes Leben gebraucht, wie dies aktuell der Fall ist.

Zuviel macht nicht glücklich, das die einfache Erkenntnis. Mit steigendem Konsum nimmt die nutzenstiftende Befriedigung ab. Dieser Umstand ist eine Triebfeder des sich abspielenden Wertewandels in der Gesellschaft.  Dieser Wertewandel und der Umstand, dass wir in einer reifen Volkswirtschaft leben, macht das Weiterschreiten auf dem Wachstumspfad immer schwieriger. Nichts in der Natur wächst ewig. Auch die Wirtschaft kann das nicht leisten, sie ist und bleibt ein Teilsystem des gesamten Naturhaushaltes und kann sich nicht von ihm loslösen.

system erde

Die Wachstumsdynamik hat den Industrienationen einen noch nie dagewesenen Wohlstand gebracht. Wir sind eine paar Sprossen höher geklettert auf der Wohlstandsleiter. Nun liegt es an uns diesen Wohlstand gleichzuverteilen und ihn zu erhalten. Dafür braucht es neue Denkmuster. Öklogisch gesehen bleibt uns nicht mehr viel Spielraum, ökonomisch gesehen kämpfen die reifen Wirtschaften mit dem Wachstum, auf der sozialen Ebene geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf.
Der Wandel ist für aufmerksame Beobachter schon feststellbar. Vorerst kommt er nur langsam, aber er ist nicht aufzuhalten, da der Motor für diesen Wandel in jedem einzelnen von uns liegt! Matthias Horx bezeichnet die Entwicklung als eine Wandlung zur Sinngesellschaft.



Andere Tags: