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Österreich schneidet gut ab
Heute einmal eine Meldung aus dem Tourismus. Das Jahr 2009 bescherte Österreich ein Minus von 2,6% bei den Auslandnächtigungen. Damit zählt Österreich zu den “High-Performern”, denn im europäischen Vergleich haben nur die Türkei, Serbien, Montenegro, Niederlande, Island und Bulgarien mit einem geringeren Minus abgeschlossen (mehr Daten hier).

Urlaub in Österreich - Quelle: www.ebners-waldhof.at
Der österreichische Tourismus wird zusehends von der österreichischen Bevölkerung getragen. Dieser Trend wird sich so schnell auch nicht umkehren. Diese Feststellung fußt auf folgenden 2 Fakten:
- Schwierige wirtschaftliche Lage bzw. ein instabiles Finanzsystem sorgen auch in den kommenden Jahren für Unsicherheit am Arbeitsmarkt.
- Grundsätzlicher Trend zur Exotik der Nähe als Gegentrend zu Fernreisen.
- Steigende Ressourcenpreise werden sämtliche Mobilitätskosten befeuern (aktuell durch die Wirtschaftskrise etwas abgeschwächt).
Die Internationalisierung im Tourismus wird langfristig eingebremst werden. Touristiker aller Länder werden sich bewusst werden müssen, dass der Tourismus zu einem erheblichen Teil ein Ergebnis von Überflussgesellschaften ist. Besagter Überschuss wird in den kommenden Jahren mager ausfallen. Es ist sogar davon auszugehen, dass sich unser gesamtes Wirtschaftssystem in den nächsten 1 bis 2 Dekaden massiv ändern wird. Dieser Wandel wird auch am Tourismus nicht vorbei gehen.
Vom Zug auf die Piste
Unglaublich aber wahr! Auf der Seite http://www.snowcarbon.co.uk/ wird Skiurlaub in den Alpen mit Anreise per Bahn (aus England) beworben. Hinter diesem interessanten Projekt stehen Daniel Elkan, britischer Reisejournalist und sein Kollegen Mark Hodson. Neben dem “Umweltargument” (90% CO2-Reduktion im Vergleich zum Flugzeug) führen die beiden Journalisten auch folgende Argumentation ins Treffen: „Im Durchschnitt dauert die Anreise per Bahn – von Haustür zu Hoteltür gerechnet – nur gut eine Stunde länger als per Flugzeug.“ Komfort und keine stundenlangen Bustransfers ins Skigebiet werden ebenfalls als Argumente für eine Anreise per Zug angeführt. 220€ kostet ein Hin&Retour-Ticket nach St. Anton am Arlberg. Man startet um 6.22 in London und ist um 18.57 am Arlberg. Gar nicht schlecht!

Vom Zug auf die Skier
Ich persönlich finde das Projekt “stark”. Ein erster Schritt, um über die Grenzen hinaus zu blicken und zu sehen was möglich ist. Interessant sind diese Angebote natürlich in erster Linie für Personen, die an hochrangigen Eisenbahnstationen wohnen. Denn die größte Schwäche (im Sinne des Komfort) ist das Umsteigen. Dies ergaben meine Arbeiten an einem Skigebietsprojekt in Südtirol zum Thema Öffentlicher Verkehr. Es bedarf einer recht aufwändigen Dienstleistungskette, um eine angenehme Anreise zu ermöglichen. Doch in Zeiten ständig steigender Nachfrage nach Leihausrüstung, sollte das Thema “Umsteigen mit schwerem Gepäck” auch ein lösbares sein.
Link zum Artikel in der Presse.
Wenn Touristiker schlafen
Schifahren ist des Österreichers liebste Winterbeschäftigung – behaupte ich. Was sich jedoch in den letzten Jahren massiv geändert hat, sind die Aufstiegshilfen der Skifahrer. Während man vor 10 Jahren noch verhöhnt wurde wenn man mit den Tourenskiern am Pistenrand hinaufstapfte, so ist das heute das klassische Bild in allen Skigebieten. Karawanen ziehen mittlerweile die Berge hoch. Tourengehen in Skigebieten wird von den meisten Touristikern und Skigebietsbetreibern als Problem gesehen, die Chance, die in dieser Entwicklung steckt, wird nicht gesehen. Es herrscht ein Problemorientierung vor, es geht lediglich um Konfliktbewältigung.

Wintertraum auf Tourenskiern
Ich möchte die bekannten Probleme die es tatsächlich gibt nicht verniedlichen. Es um etwas ganz anderes, viel größeres. Die Touristiker und Skigebietsbetreiber sind endlich dazu aufgerufen, den Tourengeher als vollwertigen Gast zu akzeptieren und auch adäquate Angebote zu schaffen. Die moderne Managementlehre, die sich an kybernetischen Prinzipien orientiert, lehrt uns der Funktionsorientierung den Vorzug gegenüber der Produktorientierung zu geben. Was bedeutet dies mit einfachen Worten? Der Wintertourismus ist aus meiner Sicht zu stark produktorientiert. Das Produkt “Pistenskifahren” dominiert den Winterurlaub. Die Funktion in diesem Zusammenhang wäre der Urlaub im Schnee und diese Funktion wird weiterhin bestand haben. Beim Produkt Pistenskifahren dürften wir in Österreich den Zenit erlangt haben. Sättigung in den Hauptquellmärkten wie z.B. Deutschland und die demografische Entwicklung in den westlichen Ländern bieten ungünstige Rahmenbedingungen. Was die österreichischen Skigebiete rettet ist der Gast aus Osteuropa. Dessen Anreise steht jedoch ökonomisch noch auf sehr tönernen Beinen.
Hoteliers, Vermarkter, Skigebietsbetreiber usw. sind gefordert ihre Produktfokusierung “Pistenskifahren” zu verlassen und Infrastruktur, Packages und Dienstleistungen für Skitourengeher zu schaffen.
Der Faktor Mensch
In diesem Blog habe ich schon öfters über die Sinngesellschaft gesprochen. Heute möchte ich dieses Thema etwas vertiefen und andeuten, was das Schlagwort “Sinngesellschaft” konkret für den Tourismus bedeutet.

Auf Sinnsuche! Quelle: http://www.studte-cartoon.de/
Zunächst, worin liegt denn der Sinn der Wirtschaft und der Arbeit? Heute muss man sagen, der Sinn der Wirtschaft liegt in einem möglichst hohen Gewinn und Einkommen. Doch das ist nur die Fassade der Wirtschaft. Der eigentliche Sinn und Zweck des Wirtschaftens sollte es sein, dem Mensch ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Davon sind wir aber weit entfernt. Wenn wir für ein angenehmers Leben arbeiten würden, dann hätten wir schon längst die Reißleinen ziehen müssen. Der Stress und Druck in der Arbeitswelt erhöht sich jedoch ständig, Produktivitätssteigerung ist gefragt. Die aktuelle Strukturkrise verschärft diese Situation zusehens. Der Sinn der Arbeit und des Wirtschaftens ist für die Masse verloren gegangen. Der Begriff Erwerbsarbeit trifft diesbezüglich den Nagel auf den Kopf. Wir arbeiten nicht aus Überzeugung und Freude sondern zusehends, um uns finanziell über Wasser zu halten.
Die Menschen sehnen sich vermehrt danach, etwas sinnvolles zu tun. Nicht nur in der Arbeit sondern auch im Urlaub. Und hier kommt der Mensch ins Spiel. “Wir” brauchen künftig keine Investitionen in die “Superriesenrutsche”. WAs “wir” brauchen sind engagierte Tourismusakteure, die ihren Gästen ein sinnstiftendes Programm bieten können. Es geht um die Vernetzung lokaler Angebotsträger. Dabei sind nicht nur die herkömmlichen Tourismusdienstleister gefragt. Handwerker, Bildungseinrichtung, soziale Dienstleister, Bauern usw., sie alle sind die Bestandteile künftiger Angebote. Dabei steht der Mensch im Mittelpunkt. Denn Sinn entsteht zumeist aus der Kooperation, der Zusammenarbeit, dem Kontakt mit Menschen. Gutes zu tun, erfüllt den Mensch. Genau danach suchen wir.
Roland Gaßner vom GfK befindet, dass die Menschen zum Teil schon urlaubsmüde sind. Sie sind abgestumpft, haben alles schon gesehen. Wenn Sie diese Menschen wieder zum Reisen animieren möchten, dann müssen Sie Ihnen das bieten, wonach Sie suchen: den Sinn. So “einfach” es ist einen Kredit für große Investitionen zu vergeben, so schwierig sind Maßnahmen, die auf der zwischenmenschlichen Ebene ansetzen. Ein Kredit hilft ihnen bei Zwischenmenschlichen Problemen kaum. Touristiker können die Verantwortung zukünftig nicht mehr auf Großprojekte abschieben. Jeder einzelne Unternehmer und TVB-Leiter ist gefragt, ein gemeinschaftliches Klima zu schaffen und in Kooperation zu investieren. Nur wenn man die Fähighkeiten mehrer Personen zusammenspannt wird es gelingen, dem Gast ein sinnstiftendes Angebot zu bieten.
Osttirol: Auf der Suche nach Transparenz und Vertrauen
Gestern wurde mir die Ehre zu Teil, die Ergebnisse eines schulischen Projekts vor den Tourismusvertretern Osttirols zu präsentieren. Was im ersten Moment nicht spektakulär klingt, hatte dennoch eine gewisse Brisanz. Die von den Schülerinnen der HAK durchgeführte Vermieterbefragung (Tourismus) brachte Ergebnisse zu Tage, die für einige Diskussion sorgte. Inhaltlich möchte ich nicht näher auf Details eingehen. Kurz gefasst ging es um die überall bekannte Diskussion bzgl. der Allokation von Werbemittel und mangelnde Gelder für die Produktentwicklung (Link zur Präsentation). Dass die Diskussion aber im Fall von Osttirol berechtigt ist, zeigen die seit 1995 stagnierenden Nächtigungszahlen.

Die Botschaft der Osttirol Werbung
Was für zukunftsfähige Entwicklung bedeutend interessanter ist, war dem Wesen des Osttiroler Tourismus in Form von Organisation und Hierarchie nachzuspüren. Die Zukunft – das lehrt uns die moderne Evolutionsforschung – liegt in der Kooperation. Kooperation ist – laut Wikipedia - für deren Dauer ein Zusammenschluss im Sinne von Systembildung. Unter Kooperation verstehe ich persönlich freiwillige Kooperation, die natürlich nur Zustande kommt, wenn beide Seiten von der Zusammenarbeit profitieren. Wenn ich von Kooperation spreche, dann geht es in erster Linie um synergetische Kooperation, eine Art von Zusammenarbeit in der Neues entstehen kann. Ein System – und damit Kooperation – ist (wenn sie funktioniert) mehr als die Summe ihrer Teile.
Wie sieht das nun im (Osttiroler) Tourismus aus? Für mich als Quereinsteiger im Osttiroler Tourismus, war es interessant, die unterschiedlichen Hierarchien und Gruppen wahrzunehmen, zwischen denen eine Kooperation scheinbar nur bedingt stattfindet. Dabei wäre es verfehlt einer Seite schon im Vorhinein den Schwarzen Peter zuzuschieben. Klar ist, dass gerade der Tourismus als System funktionieren muss, wo ein Zahnrad in das andere greift. Erst das produktive Zusammenwirken unterschiedlicher Akteure bringt eine synergetische Kooperation hervor. Diesbzüglich sind flache Hierarchien besonders wichtig. Dazu müssen aber alle bereit sein. Mindestens so gefordert wie die Tourismusverbandsführung in solch einer Situation ist, sind auch die “einfache Mitglieder”. Von ihnen muss die Energie ausgehen, denn bei ihnen findet der Tourismus statt. Der TVB ist im Gegenzug gefordert, flache Hierarchien zuzulassen, die Innovation begünstigen.
Schlussendlich bleibt aber alles graue Theorie, wenn es am Wesentlichen mangelt: An Vertrauen, Wertschätzung und Transparenz. Diese Kernpunkte herzustellen muss der erste Schritt für ein zukunftsfähige Entwicklung sein!