Tag: Transformation

Innovationskongress 2012 – Eindrücke für Vordenker

Dass ein Innovationskongress dieses Formats in Villach stattfindet, hätte sich vor ein paar Jahren wohl niemand gedacht. International bekannte Größen wie Jeremy Rifkin oder Peter Barbeck-Letmathe (Präsident der Verwaltungsräte der Nestlè AG) wurden vom Institut für Innovation nach Villach gelotst. Danke dafür!

Jeremy Rifkin bei seinem Auftritt – er meidet die Bühne und stellt sich ins Publikum

Da ich mich in diesem Blog mit dem Thema Wandel auseinandersetzte  und den Wandel gr0ß – als Wandel der Kultur, der Systeme udgl. verstehe – möchte ich den Innovationskongress und die zusammenfassenden Schlüsselpunkte auch aus diesem Gesichtspunkt betrachten.

Takeways Tag 1

  • Moore`s law: Die Leistungsfähigkeit der Computerchips verdoppelt sich alle 18 Monate. Das ist die Basis für die Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche.
  • Wandel vom Besitz hin zum Zugang. Produktbesitz verliert an Wichtigkeit, was zusehends zählt ist der Zugang zum Produkt.
  • Dezentralität & Digitalisierung: 3D-Druck und Co ermöglichen dezentrale Produktion. Digitale Produktpläne bilden die Basis dafür. Diese Pläne sind dank Internet theoretisch überall verfügbar. Gedruck kann heute schon Plastik, organisches Gewebe, Glas, Metall usw. werden. Dieses Thema wird die Produktion und dessen Verteilung revolutionieren.
  • Digitalisierung des Wissens –> neue Bildungsformate (online z.B. https://www.edx.org/) kommen, Uni wie wir sie kennen ist in 10 Jahren tot.
  • Innenstädte bzw. Nähe als Trends, wir Menschen suchen zusehends: Nachbarschaft, social pleasure, Frische, Glokalisierung, walkable consumption.
  • Auch im Trend als Gegenstück zum obigen Punkt: Unterwegsmärkte.
  • Leitbilder in Firmen leben nur wenn sie von der Unternehmensführung vorgelebt werden (leadership). Zusätzlich ist die Sprache (aktivierend), welche im Leitbild verwendet wird,  maßgeblich dafür, ob das Leitbild umgesetzt wird.
  • Jack Trout – Differenzierung via: attribute, how it is made, beeing first, leadership
  • Inspirierender Abend mit Josef Zotter und Peter Florjancic (slowenischer Erfinder und Unternehmer).

Takeways Tag 2

  • Soziale Netzwerke sind ein altes Thema, es war schon immer da. XING baut sein Unternehmen rund um die 6 “Grundbedürfnisse”: Kommunikation, Wissen&Lernen, Chancen, Selbstdarstellung, Kontakte & Beziehungen auf.
  • Oliver Gassmann (Uni St. Gallen) hat eine interessante “U-Bahnkarte der Geschäftsmodelle” erstellt: die Business Model Innovation Map. Sehenswerte Analyse der unterschiedlichen Geschäftsmodelle über die letzten 50 Jahre. Clusterung nach Modelltypen (LockIn, Peer-to-peer, Long Tail, NoFrills, Franchising…)
  • Das Ökosystem in das ein Unterehmen eingebettet ist, ist maßgeblich für den Innovationserfolg verantwortlich –> open innovation!
  • Spirit & positive Grundeinstellung als Basis für Innovation.
  • Jeremy Rifkin betont die Dramatik des Klimawandels & der Ressourcenknappheit (Peak Oil pro Kopf haben wir schon längst erreich, Peak Oil – crude oil – in absoluten Zahlen ev. auch schon). –> Systemwandel
  • Jeremy Rifkin: Systemwandel ereignet sich wenn sich Kommunikationstechnonologie und die Energysysteme verändern, wir haben heute diese Rahmenbedingungen.
  • Jeremy Rifik über die Zukunft: The shift to lateral power, distributed capitalism, democatizing manufactoring, near zero cost marketing and logistics, new business models & jobs.
  • Jeremy Rifkin setzt auf dezentrale Energieerzeugung, Wasserstoff als Speicher und “smart energy internet” .
  • Jeremy Rifkin: The transition to the 3rd industrial revolution will require a wholesale reconfiguration of the entire economic infrastructur of each country.
  • Der live 24h-Innovationsmarathon(Studententeams bearbeiteten Fragestellungen von Unternehmen) fand ich sehr innovativ.

Zusammenfassend: Themen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit udgl. sind im vordenkenden Mainstream mittlerweile angekommen. Interessant finde ich auch die Überlegung, dass die Digitalisierung der Produkte & des Wissens sehr wahrscheinlich zu einer Dezentralisierung der Produktion und des Wissens führen werden. Das ist für mich ein ganz zentraler Baustein (nicht der einzige), um unsere Zivilisation zukunftsfähig zu gestalten. Innovation & Nachhaltigkeit gehen aus meiner Sicht Hand in Hand, besonders dann, wenn man Innovation nicht nur als technische Innovation versteht, sondern auch als soziale!

 

 



Andere Tags: ,

 

Evolutionäre Erneuerung?

Erneuerung ist ein “Grundgesetz” in der Natur. Wer sich diesem widersetzt, steht auf der evolutionären Abschussliste. Als Gesellschaft sind wir bereits am besten Weg, auf die Liste aufgenommen zu werden. Seit 2008 kann man sehr gut beobachten, wie Finanz- und Wirtschaftskrise erfolglos bekämpft werden. “Wir” versuchen einen “status quo” zu bewahren und scheuen uns vor neuen Strukturen, neuen Regeln. Ernsthafte Erneuerung sucht man in diesem Bewahrungsprozess vergeblich. Ein paar Gedanken zu diesem Thema finden Sie in meinem ersten Essay (3 Seiten).



Andere Tags: ,

 

Impulsvortrag & Diskussion “Das Unerwartete managen”

Leider haben sich für unser Seminar Das Unerwartete managen zu wenige Personen angemeldet. Da waren wir wohl etwas zu schnell unterwegs… etwas unerwartet ;-)

Flexibilität ist ein Kernelement wenn man mit der Ungewissheit tanzen will. Daher disponieren wir um und bieten einen Impulsvortrag zum Thema “Unerwartetes und Ungewissheiten managen”, sowie die Vorstellung eines Unternehmensassessments, mit dem die “Führungsqualitäten bei Ungewissheit” abgefragt werden können. Weiters gibt es Raum und Zeit die aktuelle Ungewissheit und die daraus erwachsenden Bedürfnisse der Teilnehmer gemeinsam zu reflektieren.

Der Termin bleibt der 23.5.2012, Beginn 9.00. Stattfinden wird die Veranstaltung im  Seminarraum der Firma Trinitec, Lakeside B04, 9020 Klagenfurt. Anmeldung unter office[ät]zukunftsraum.at oder unter 0664/4408011 (Michael Hohenwarter). Achtung nur 10 Plätze verfügbar. Keine Teilnahmegebühr.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!



Andere Tags: ,

 

Transformation durch latente Möglichkeiten?

Das Alte ist tot, es lebe das Neue! Transformation ist das Schlagwort der Stunde. Wie kann diese Transformation hin zur Zukunftsfähigkeit  jedoch gelingen?

Für die Beantwortung dieser Frage eignen sich unter anderem die Arbeiten von Christopher Alexander. Zugegeben, ich habe seine Werke nicht gelesen, sondern mich nur an der Sekundärliteratur von Helmut Leitner erfreut.
Was spricht Alexander zum Thema Transformation? Für ihn gibt es 7 Prinzipien die Transformation beschreiben können, eines ist das Prinzip der Strukturerhaltung. Für eine organische, lebendige Entwicklung ist laut Alexander die Strukturerhaltung maßgeblich. Das bedeutet, dass der nächste Schritt in einer Entwicklung so geschieht, dass die bestehende Struktur bewahrt und ihre latenten (versteckten) Möglichkeiten genutzt werden. Im Grunde sehe wir das auch täglich. Schlussendlich steckt in der Sturkturerhaltung auch eine Form der Energieeffizienz. Man baut auf Bestehendem auf und nutzt Vorhandenes, denn Strukturen aufzubauen kostet Energie und Zeit.

Transformation

Transformation | CC Bruce Denis

Anderes ausgedrückt, wenn wir von einem Systemzustand in den nächsten springen wollen, wird das organisch, natürlich nicht möglich sein. Es braucht unter anderm die Schritthaftigkeit.

Ein gutes Beispiel für die Strukturerhaltung ist Carsharing. Die “latent” vorhandene Möglichkeit ein Auto nicht besitzen zu müssen, sondern teilen zu können wird genutzt. Die Mobilität wird aufrecht erhalten, das Prinzip Auto ebenfalls. Ein Verzicht auf das Auto ist nicht von heute auf morgen möglich. Es wäre kein organischer Prozess. Es wäre für das Gesamtsystem nicht verträglich, wenn wir morgen keine Autos mehr hätten. Durch Carsharing ändert sich auf Zeit gesehen das System. Schnell gedacht bedeutet Carsharing: weniger PKW-Zulassungen, geringe Anzahl an notwendigen Garagen bzw. Parkplätzen, neue Community-Erfahrungen für Nutzer, Zugang zum PKW auch für finanziell schlecht ausgestattet Personen, neue Geschäftsmodelle für Autohersteller bzw. Autovermieter….Wer kann schon wissen welche latenten Möglichkeiten sich aus dem “Sharing-Prinzip” ergeben, umgelegt auf andere Lebensbereiche!?

Fakt ist, Transformation geschieht laufend. Meiner Wahrnehmung nach in letzter Zeit mit zunehmender Geschwindigkeit. Klar ist, dass es in unserer Gesellschaft aber auch Kräfte und Interessen gibt, die sich gegen eine Transformation stellen. Bleiben diese Kräfte erfolgreich in der Erhaltung ihrer Machtstrukturen, so muss man damit rechnen, dass eine organische, natürliche Transformation nicht möglich sein wird.

Was jeder Einzelne für eine organische Transformation tun kann, ist sich für das Neue zu interessieren, das Neue zu unterstützen, das Neue in Schritten in sein Leben einzubinden. Alles ist mit allem verbunden und kleine Schritte können das Tor zu weiteren, vielleicht größeren Schritten öffnen.



Andere Tags: ,

 

Ist dein Pferd tot, steig ab…

…was bedeutet: Lass das Alte, das nicht mehr funktioniert einfach bleiben und such dir einen neuen Weg!

Ich möchte diesen Artikel dazu nutzen, um meiner eigenen Ambition das Neue zu suchen und zu beschreiben untreu zu werden. Außnahmsweise möchte ich den Status Quo umreißen und eine kurze Analyse der “Ist-Situation” für zwei Themen anbieten.

Finanz- und Wirtschaftssystem

USA: Die FED pumpt Geld in das globale Finanzsystem. Aufgrund der schwachen realwirtschaftlichen Situation fließt das Geld in Rohstoffe und Aktienmärkte. Die Realwirtschaft profitiert nicht. Das erwarten zumindest die meisten Analysten. Für mich scheint dies auch sehr realistisch. Als Beispiel für die Situation in den USA nachstehend die Arbeitslosenzahlen. Offiziell werden die Daten von U3 kommuniziert. Doch darin sind eine Vielzahl von Arbeitslosen nicht erfasst. U6 spiegelt die reale Situation besser wieder.Andere Quellen (SGS Alternate) beschreiben die Situation noch dramatischer.

Arbeitslosenzahl USA via www.querschuesse.de

Arbeitslosenzahl USA via www.querschuesse.de

Europa: Die EZB folgt einer restriktiveren Finanzpolitik. Die Wirtschaft entwickelt sich in den Ländern unterschiedlich. Während Deutschland sehr robust scheint, schwächelt die Peripherie. Irland und Griechenland sind aktuell im Visier der Medien und der Öffentlichkeit. Wenn man sich die Arbeitslosenzahlen und die Industrieproduktion von Spanien und Portugal ansieht (Link), muss man sich jedoch auch über diese Staaten Sorgen machen. Der Fortbestand des Euro in seiner jetztigen Situation scheint alles andere als gesichert. Die Bandbreite der Entwicklungen geht von einem “Kerneuro” bis zu einem Zerfall der Eurozone.

Dass die Situation global angespannt ist, zeigen die Gespräche der G20 in Soul. Von drohenden Handlungs- und Währungskriegen ist die Rede. Langfristig scheint es auf alle Fälle nicht tragbar zu sein, dass Länder wie China und Deutschland produzieren und exportieren und Länder wie die USA und Griechenland konsumieren.

Was sich in den Entwicklungen und Statistiken zeigt, sind aber lediglich Auswirkungen und Symptome, die Wurzel alles Übels liegt tiefer. In reifen Volkswirtschaften mit gesättigten Märkten strebt das Kapital, das  sich exponentiell vermehrt, nicht mehr in die Realwirtschaft, sondern auf die Finanzmärkte. Finanzwirtschaft und Realwirtschaft entkoppeln sich. Wohin mit dem ganzen Geld, es kann nicht mehr gewinnbringend realwirtschaftlich angelegt werden. Dies ist eine grundlegende Krisenursache (wohlgemerkt nur eine). Diese Entkoppelung zeigte sich schon mit der Loslösung vom Goldstandard in den 70er Jahren, verschärfte sich in den 80er Jahren und beschleunigte sich seit den 90er Jahren – gebremst durch viele kleine und größere Finanzkrisen. 2001 und 2008 wurden die Krisen einfach mit noch mehr Geld gelöst. Die Fallhöhe wurde erhöht, die Kluft zwischen Schein und Sein erhöht. Zombiewirtschaft …wie manche Kommentatoren ätzen…

Ressourcen

Rohstoffe sind ein wichtiges Thema für den Reiter unseres Pferdes. Auch hier zeigt sich eine klare Entwicklung. Die Preise steigen an fast allen Ecken und Enden. Für mich steht dabei das Erdöl als die zentrale Energiequelle im Fokus. Die Frage ist nicht, wann geht uns das Erdöl aus, sondern wann können wir die Förderquote nicht mehr erhöhen. Dieser Zeitpunkt kann dieser Tage sein, oder aber es kann noch 10 – 15 Jahre dauern. Der Teufel bei all den Diskussionen liegt aber im Detail, denn schlussendlich geht es darum, wieviel Nettoenergie überbleibt. Wenn ich 100 Barrel Erdöl aus einem gigantischen Ölfeld in Saudi Arabien fördere, bleibt mir viel netto vom brutto (ich wende wenig Energie für die Förderung auf). 100 Barrel Erdöl aus kanadischen Ölsanden zu produzieren ist energetisch und ökologisch ein Wahnsinn – viel Energie bleibt unter dem Strich nicht über. In diesem Zusammenhang ist der neue IEA World Energy Outlook von Intersse. Denn der ominöse Peak Oil (Erdölförderhöhepunkt) für Crude Oil (Erdöl)  scheint, nach diesen Ausführungen schon 2006 erreicht worden zu sein.

conventional oil (dunkelblau) - Höhepunkt der Förderung 2006

crude oil (dunkelblau) - Höhepunkt der Förderung 2006

Die Zeit der billigen Energie ist vorüber und das ist die eigentliche Gefahr für unser Pferd, das kreditfinanziert läuft. Wenn die Zukunft von teureren Energiepreisen bis hin zu Versorgungsengpässen gekennzeichnet ist, sind steigende Finanzierungskosten (Kreditkosten) die Folge. Dieser absehbare Porzess schafft problematische Rahmenbedingungen für unser Wachstumssystem.

Das Thema der seltenen Erden, die im Moment zu 97% von China gefördert werden und deren Export China im letzten Jahr um 40% gedrosselt hat, ist nur ein weiteres brisantes Thema auf der vielfältigen Ressourcenfront.

Was kommt auf uns zu?

Was auf uns zu kommt, ist voherzusehen – immer davon ausgehend, dass die bestehenden Wirtschaftsmuster nicht verändert werden. Dennis Meadows spricht davon, dass sich unsere Welt in den nächsten 20 Jahren stärker ändern wird, als in den letzten 100 Jahren. Fredmund Malik bezeichnet es als große Transformation. Die Frage, die niemand seriös beantworten kann ist, wann passiert was, wie ist der Ablauf dieser Transformation. Transformation bedeutet für mich aber immer, dass sich die Dinge gravierend verändern werden. Im Mittelpunkt der Veränderung wird meiner Meinung nach die Tatsache stehen, dass in einer Welt mit bald 8-9 Milliarden Menschen ein Wachstumssystem nicht funktionieren kann. Zumindest wenn es auf materielles Wachstum angewiesen ist und wir berücksichtigen, dass momentan 20% der Weltbevölkerung 80% der Ressourcen verbrauchen. Je schneller wir als Gesellschaft verstehen, dass wir das Pferd auswechseln müssen, desto besser für alle Beteiligten (Mensch & Natur).



Andere Tags: , ,