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Wachstum im Wandel – Zwischenbericht

Die ersten 2 Tage der Konferenz Wachstum im Wandel sind geschlagen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen öfter via Twitter oder hier in meinem Blog ein paar Zeilen zu posten. Doch es war einfach zu interessant. Eine ausführliche Anaylse werde ich später liefern. An dieser Stelle nur ein paar Zeilen.

Wachstum im Wandel

Wachstum im Wandel

Das Barcamp am Mittwoch wurde von ca. 80 Personen besucht. Die Eigenheit des Barcamps: es gibt kein fixes Programm. Die Teilnehmer können das Programm selbst gestalten – jeder ist eingeladen seinen Beitrag zu liefern. In 4 Räumen wurden Sessions zu je 45 Minuten abgehalten, Vortragende bzw. Diskussionsleiter meldeten sich spontan aus dem Kreis der Konferenzbesucher. Ich kann diese „Konferenzmethode“ wirklich empfehlen, locker, informativ und jeder kann sich sein Programm selber zusammenstellen. Wer keine Session besuchen möchte, der trifft sich im Barcamp Cafe zum Netzwerken.

Gestern Donnerstag begann dann die „klassische“ Konferenz. Die Bedeutung der Konferenz wurde durch die Eröffnung durch den „Lebensminister“ Niki Berlakovich untermauert. Besondere Beachtung verdient auch der Umstand, dass die abendliche Session inklusive „get-together“ in der Industriellen Vereinigung statt fand.

Heute geht es in die letzte Runde, ein Update folgt.

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Vor der Krise ist IN der Krise

Wenn man sich mit der Zukunft beschäftigt, muss man zwangsläufig im systemischen Denken verhaftet sein. Prognosen die  nur auf einen Ausschnitt der Realität berücksichtigen sind zum Scheitern verurteilt. Je tiefer man in “das System” unserer Gesellschaft eindringt, desto mehr verlässt man das Greif- und Fassbare und taucht in die Psychologie ein.  Es ist wirklich erstaunlich, zu welchen Erkenntnissen die moderne Psychologie (verknüpft mit den Naturwissenschaften)  in den letzten Jahren gelangt ist.  Diese Erkenntnisse, die ich an anderer Stelle vertiefen möchte, lassen ein völlig neues Verständnis unserer heutigen Situation entstehen. Dabei gerät unsere materialistische Prägung stark ins Wanken und die Bedeutung des Geistes (metrisches Feld bei Einstein) wird hervorgehoben. Der Übergang von einem rein matrialistischen Weltbild hin zu einer Gleichberechtigung von Materie und Geist ist die Herausforderung der wir uns stellen werden müssen. Was 1970 mit den “Grenzen des Wachstums” (Meadows) begann, erlebt dieser Tage in den Medien eine Wiedergeburt.  Aktuelle Beispiele sind auf den Seiten des ORF und des Standard zu finden. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Konferenz Wachstum im Wandel im Jänner in Wien.

Im Herbst 2008 tönte ein aufwühlender Spruch durch die Medien: “Nach der Krise wird nichts mehr sein wie vor der Krise”. Nun stehen wir am Wechsel in das Jahr 2010 – und was hat sich geändert? Wenn der Spruch Gültigkeit haben soll (und die hat er meiner Meinung nach),  stehen wir noch immer am Anfang der Krise, denn geändert hat sich noch nichts. Das System ist das gleiche. Sämtliche Anreizmechanismen und Regeln funktionieren wie bisher, es wird versucht das alte System wiederzubeleben. Vor der Krise ist also nach der Krise – oder treffender, vor der Krise ist in der Krise.

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Von Gesprächen, Zugreisen und dem Druckkochtopf

Im Moment tun sich bei mir  laufend interessante Gespräche auf, deren Inhalte hier wiederzugeben mich und den Leser wahrscheinlich überfordern würden. Eine Begegnung – mit einem bekannten Schauspieler – war für mich persönlich aber besonders wertvoll und bereichernd.

Das Vergnügen Johannes Silberschneider kennenzulernen wurde mir im Zug zuteil. Er kam mir bekannt vor, was mich dazu ermutigte ihn direkt anzusprechen: “Wir kennen uns doch von irgendwoher!?” Die Bekanntheit stellte sich sehr rasch als einseitig heraus, da mir sein Gesicht aus Film und Fernsehen vertraut war. Es ergab sich aber ein äußerst interessantes Gespräch über den Zustand der Wirtschaft und der Gesellschaft.  Es war äußerst bereichernd für mich, das Thema mit meinem systematischen Ansatz und seinem künstlerischen Hintergrund zu beleuchten; ein interessanter Diskurs entstand, der in der Aussage von Johannes Silberschneider gipfelte:

Wir leben im Druckkochtopf der Weltgeschichte!

Wie diese Aussage die Situation auf den Punkt bringt, ich war begeistert. Das Wesen des Druckkochtopfs ermöglicht eine beschleunigte Entwicklung, ein schnelleres Zubereiten von Speisen. Doch irgendwann ist jede Speiße gar, der Deckel wird entfernt und der Druck entweicht!

Leider beendete der Zugendbahnhof unser Gespräch viel zu schnell und unsere Wege trennten sich. Für mich ging es weiter zum Online Nachhaltigkeitsgipfel (davon später), bei dem sich wiederum eine Vielzahl interessanter Konversationen auftaten.

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Wohin geht die Reise?

Wir (= Industrienationen) sind erwachsen geworden. Wirtschaftswissenschaftler sprechen von reifen Volkswirtschaften, Vermarkter von müden Konsumenten und Soziologen von einer Sinn-entleerten Gesellschaft. Der Steirische Landtagsabgeordnete Ober skizziert unsere Gesellschaft wie folgt: Noch nie hat eine Gesellschaft soviel Ressourcen für ein zutiefst unerfülltes Leben gebraucht, wie dies aktuell der Fall ist.

Zuviel macht nicht glücklich, das die einfache Erkenntnis. Mit steigendem Konsum nimmt die nutzenstiftende Befriedigung ab. Dieser Umstand ist eine Triebfeder des sich abspielenden Wertewandels in der Gesellschaft.  Dieser Wertewandel und der Umstand, dass wir in einer reifen Volkswirtschaft leben, macht das Weiterschreiten auf dem Wachstumspfad immer schwieriger. Nichts in der Natur wächst ewig. Auch die Wirtschaft kann das nicht leisten, sie ist und bleibt ein Teilsystem des gesamten Naturhaushaltes und kann sich nicht von ihm loslösen.

system erde

Die Wachstumsdynamik hat den Industrienationen einen noch nie dagewesenen Wohlstand gebracht. Wir sind eine paar Sprossen höher geklettert auf der Wohlstandsleiter. Nun liegt es an uns diesen Wohlstand gleichzuverteilen und ihn zu erhalten. Dafür braucht es neue Denkmuster. Öklogisch gesehen bleibt uns nicht mehr viel Spielraum, ökonomisch gesehen kämpfen die reifen Wirtschaften mit dem Wachstum, auf der sozialen Ebene geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf.
Der Wandel ist für aufmerksame Beobachter schon feststellbar. Vorerst kommt er nur langsam, aber er ist nicht aufzuhalten, da der Motor für diesen Wandel in jedem einzelnen von uns liegt! Matthias Horx bezeichnet die Entwicklung als eine Wandlung zur Sinngesellschaft.

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