Artikel-Schlagworte: „Wachstumsgrenzen“

…nochmals Wachstum im Wandel

Die Folien der Parallel-Sessions sind jetzt auf der Seite Wachstum im Wandel abrufbar. Eine wahrliche Fundgrube zu allen relevanten Nachhaltigkeitsthemen.

Es war äußerst interessant auf der Konferenz mit unterschiedlichen Menschen, die unterschiedliche berufliche Hintergründe aufweisen, zu sprechen. Je nach ihren Hintergründen hatten sie ein unterschiedliches Problembewusstsein bzw. Problemverständnis. Interessant ist, dass nur wenige wirklich in die Tiefe vorgedrungen sind und danach fragen wer oder was stänidges Wachstum eigentlich antreibt und wer bzw. was diese Wachstumsentwicklung eigentlich erst ermöglicht hat. Auffallend war jedoch, dass der Umstand, dass Wachstum eine historische Ausnahme darstellt, an verschiedenen Stellen der Konferenz angesprochen wurde. Eine banale, naive Frage: Wenn sich die Menschheit bis ins 19. Jahrhundert mit einem Wirtschaftswachstum von unter 0,5% am Leben erhalten konnte (Madison 2008), wieso soll die Gesellschaft nicht auch heute  ein System aufbauen können, das vom materiellen Wachstum unabhängig ist? Ich glaube es liegt weniger daran, dass es nicht möglich wäre, sondern die Frage liegt meiner Meinung nach darin, wie können wir das Wachstumsparadigma abwerfen ohne kurz- mittelfristig grobe Verwerfungen zu erzeugen!?

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Wachstum im Wandel ein Resümee

Über 500 registrierte Personen bei der Konferenz sprechen eine deutliche Sprache. Das Thema ist brandaktuell und interessiert die Menschen. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die Planung der Konferenz schon vor der aktuellen Finanz- Wirtschaftskrise begonnen hat. In den folgenden Zeilen möchte ich allen Interessierten einen kurzen Überblick über den Stand der Wachstumsdiskussion liefern. Der Beitrag wird etwas länger als länger als gewöhnlich ausfallen…

Endless growth? Jedes Jahr ist der World Overshoot Day früher.

Endless growth? Jedes Jahr verbrauchen wir mehr als uns zusteht.

Die Kernfrage der auf der Konferenz nachgegangen werden sollte war, inwiefern Wachstum und Nachhaltigkeit vereinbar sind. Bei den unterschiedlichen Reden und in den Workshops wurde etwas klar ersichtlich: Beinahe sämtliche Wissenschaftler (besonders mit naturwissenschaftlichen Einschlag) die sich mit dem Thema Wachstum auseinandersetzten, sehen das Thema Wachstum sehr kritisch. Auf der politischen Ebene wird Wachstum per se nicht in Frage gestellt. Man betont hingegen die Notwendigkeit eines nachhaltigen Wachstums…ohne zu wissen was darunter zu verstehen ist (meine persönliche Unterstellung). Als Beispiele möchte die Aussagen unseres „Lebensministers“ Berlakovich (B) und Herrn Losch (L) vom Wirtschaftsministerium anführen:

¡        Wir brauchen Wachstum (B),

¡        Wir brauchen eine Änderung der Lebensstile (B)

¡        Wir brauchen Green growth (B),

¡        Wir brauchen ein Meßsystem für unsere Wirtschaft/Gesellschaft jenseits vom BIP (B, L)

¡        Wir brauchen Wirtschaftswachstum um sozial umzuverteilen (L)

Als „Gegenpart“ darf ich die Ausführungen von Eckart Felix (prämierter Nachwuchswissenschaftler aus Deutschland) auszugsweise wiedergeben:

Politik hat die Aufgabe ökologische, ökonomische, und soziale Belange zu vereinen. Das ist ihre grundsätzliche Aufgabe. Wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen müssen wir das aber auch mit einer langfristigen Perspektive  verknüpfen, das verlangt eine andere Qualität. Wenn man ganz nüchtern analysiert, welche Anforderungen ein „business as usual“-Szenario an den Planeten stellt, dann kommt man zu dem Schluss, dass ein Planet einfach nicht genug ist. So müssen z.B. laut den neuesten Daten des IPCC die CO2-Werte bis 2050 um 80% gesenkt werden (zum Niveau von 1990). Dass unsere Bemühungen bis dato völlig unzureichend waren zeigt das Faktum, dass seit 1990 die CO2 Emissionen weltweit um 40% gestiegen sind.

CSR, LOHAS & Green Growth bezeichnet er als wichtigen Ansatz, doch dienen diese Ansätze in erster Linie dazu Marktchancen zu verbessern, Mitarbeiter und Bürger zu motivieren und Produkte zu ökologisieren. In Summe sind die Energie- und Ressourcenaufwendungen jedoch beständig gestiegen. Diese Tatsache haben wir dem Reboundeffekt zu „verdanken“. Der Effekt besagt, dass Einsparungen an einer Stelle im System an anderer Stelle wieder durch gesteigerte Mengen oder neue Produkte „verarbeitet“ werden. Ergo sind die Ansätze von CSR, LOHAS & Green Growth notwendig, aber nicht ausreichend, weil wir dadurch den Wachstumsprozess nicht ausschalten können. Weiters hält Eckart fest, dass Wachstum ein historischer Sonderfall ist, Wachstum keine Glücksgarantie in sich trägt und Verteilungsgerechtigkeit kein selbstverständliches Attribut von Wachstum ist. Seine klare Botschaft: Wir müssen unsere Gewohnheiten drastisch ändern. Wenn wir von der Freiheit des Individuums reden, müssen wir verstehen, dass unserer Freiheit nicht die Freiheit anderer Weltenbürger (heute wie künftig) einschränken darf.

In den unzähligen Sessions gab es Diskussionen vielfältige Diskussion zu den Themen Lebensqualität, Arbeit, Makroökonomie, Nachhaltigkeitsmanagement, Regionale Aspekte, Finanzsystem, Armut usw. Die Summe der Informationen wiederzugeben ist unmöglich. Der Großteil der Sessions wurde aber abgefilmt und soll als Video auf der Seite des Lebensministeriums online gestellt werden.

Meine persönliche Schlussfolgerung möchte ich mit den Worten von Dennis Meadows (Buch: Grenzen des Wachstums) beginnen. Er meint, dass sich die Gesellschaft in den nächsten 20 Jahren stärker ändern wird, als dies in den letzten 100 Jahren der Fall war. Was das bedeutet, sollte wohl jedem klar sein. Thomas Wieser vom Finanzministerium drückte es so aus: Slower by design not by desaster. Es wird sich etwas ändern müssen, freiwillig oder unfreiwillig. Klar ist, dass es keine fertigen Konzepte gibt, wie wir weiter arbeiten sollen. Steady State Ökonomie und „Degrowth“ sind 2 interessante Konzepte, die aber nur auf makroökonomischer Ebene existieren. Was dies für Unternehmen bedeuten soll/kann ist noch unklar. Die Zukunft verspricht viel Arbeit und„trial & error“-Prozesse. Wer immer noch die Augen verschließt und glaubt, dass endloses materielles Wachstum auf einer endlichen Welt möglich ist, handelt grob fahrlässig.

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Elmar Altvater in Innsbruck

Wer sich ernsthaft mit nachhaltiger Entwicklung beschäftigt und den  Begriff inhaltlich ausfüllen möchte, der weiß wie schwer es ist einem Zustand der Nachhaltigkeit in der Realität näher zu kommen.  Ich habe dies schon in mehreren Artikeln angesprochen.

In diesem Zusammenhang ist ein bemerkenswerter Vortrag von Prof. Elmar Altvater, den er vorgestern in Innsbruck gehalten hat, zu erwähnen. Kurz gefasst könnte man sagen: Huston wir haben ein Problem. Wir sind an den Grenzen des Wachstums angelangt und fast keiner merkt es. Wir schrauben an einem System im Glauben es zukunftsfähiger machen zu können. Wir glauben mit ein paar Finanzspritzen, Arbeitsmarktpaketen und ein klein wenig Mülltrennung können wir einfach so weiter machen. Nur nicht die Komfortzone verlassen.

Elmar Altvater hat in seinem Vortrag eindringlich auf die Fehler unseres Systems hin gewiesen. Die Krise die wir jetzt als Finanz- und Wirtschaftkrise wahrnehmen hat viel tiefere Ursachen als die meisten von uns glauben. Wir haben es mit einer Verschränkung von unterschiedlichen Krisen zu tun: Finanz, Wirtschaft, Energie, Klima, Soziales. Das “besondere” and dieser Situation ist der Umstand, dass sich all diese Krisen auf einem globalen Niveau abspielen. Dies ist in diesem Umfang eine Novität und macht die Situation auch so brisant. Elmar Altvater (sowie ein zunehmende Zahl an Wissenschaftlern und Wissenden) fordert eine Konzentration auf die lokalen Ressourcen und Potentiale. Er spricht von neuen (bzw. wiederzuentdeckenden) Eigentumsformen, von dezentraler Energieversorg und einer Wirtschaft ohne quantitativem Wachstum.

Der Vortrag und die nachfolgende Diskussion hat wieder gezeigt, dass sich ein struktureller Wandel ankündigt. Dieser wird seinen Ausdruck in allen gesellschaftlichen Bereichen finden. Die Geschwindigkeit des Wandels kann man schwer voraussagen, doch werden sich aufgrund der weiter oben angesprochenen Krisen und der damit verbundenen “Einschränkungen” starke Veränderungen in unserem gesellschaftlichen Umfeld ereignen, die besonders in einem Tourismusland wie Österreich stark zu spüren sein werden.

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