Tag: Wirtschaftswachstum

Ist dein Pferd tot, steig ab…

…was bedeutet: Lass das Alte, das nicht mehr funktioniert einfach bleiben und such dir einen neuen Weg!

Ich möchte diesen Artikel dazu nutzen, um meiner eigenen Ambition das Neue zu suchen und zu beschreiben untreu zu werden. Außnahmsweise möchte ich den Status Quo umreißen und eine kurze Analyse der “Ist-Situation” für zwei Themen anbieten.

Finanz- und Wirtschaftssystem

USA: Die FED pumpt Geld in das globale Finanzsystem. Aufgrund der schwachen realwirtschaftlichen Situation fließt das Geld in Rohstoffe und Aktienmärkte. Die Realwirtschaft profitiert nicht. Das erwarten zumindest die meisten Analysten. Für mich scheint dies auch sehr realistisch. Als Beispiel für die Situation in den USA nachstehend die Arbeitslosenzahlen. Offiziell werden die Daten von U3 kommuniziert. Doch darin sind eine Vielzahl von Arbeitslosen nicht erfasst. U6 spiegelt die reale Situation besser wieder.Andere Quellen (SGS Alternate) beschreiben die Situation noch dramatischer.

Arbeitslosenzahl USA via www.querschuesse.de

Arbeitslosenzahl USA via www.querschuesse.de

Europa: Die EZB folgt einer restriktiveren Finanzpolitik. Die Wirtschaft entwickelt sich in den Ländern unterschiedlich. Während Deutschland sehr robust scheint, schwächelt die Peripherie. Irland und Griechenland sind aktuell im Visier der Medien und der Öffentlichkeit. Wenn man sich die Arbeitslosenzahlen und die Industrieproduktion von Spanien und Portugal ansieht (Link), muss man sich jedoch auch über diese Staaten Sorgen machen. Der Fortbestand des Euro in seiner jetztigen Situation scheint alles andere als gesichert. Die Bandbreite der Entwicklungen geht von einem “Kerneuro” bis zu einem Zerfall der Eurozone.

Dass die Situation global angespannt ist, zeigen die Gespräche der G20 in Soul. Von drohenden Handlungs- und Währungskriegen ist die Rede. Langfristig scheint es auf alle Fälle nicht tragbar zu sein, dass Länder wie China und Deutschland produzieren und exportieren und Länder wie die USA und Griechenland konsumieren.

Was sich in den Entwicklungen und Statistiken zeigt, sind aber lediglich Auswirkungen und Symptome, die Wurzel alles Übels liegt tiefer. In reifen Volkswirtschaften mit gesättigten Märkten strebt das Kapital, das  sich exponentiell vermehrt, nicht mehr in die Realwirtschaft, sondern auf die Finanzmärkte. Finanzwirtschaft und Realwirtschaft entkoppeln sich. Wohin mit dem ganzen Geld, es kann nicht mehr gewinnbringend realwirtschaftlich angelegt werden. Dies ist eine grundlegende Krisenursache (wohlgemerkt nur eine). Diese Entkoppelung zeigte sich schon mit der Loslösung vom Goldstandard in den 70er Jahren, verschärfte sich in den 80er Jahren und beschleunigte sich seit den 90er Jahren – gebremst durch viele kleine und größere Finanzkrisen. 2001 und 2008 wurden die Krisen einfach mit noch mehr Geld gelöst. Die Fallhöhe wurde erhöht, die Kluft zwischen Schein und Sein erhöht. Zombiewirtschaft …wie manche Kommentatoren ätzen…

Ressourcen

Rohstoffe sind ein wichtiges Thema für den Reiter unseres Pferdes. Auch hier zeigt sich eine klare Entwicklung. Die Preise steigen an fast allen Ecken und Enden. Für mich steht dabei das Erdöl als die zentrale Energiequelle im Fokus. Die Frage ist nicht, wann geht uns das Erdöl aus, sondern wann können wir die Förderquote nicht mehr erhöhen. Dieser Zeitpunkt kann dieser Tage sein, oder aber es kann noch 10 – 15 Jahre dauern. Der Teufel bei all den Diskussionen liegt aber im Detail, denn schlussendlich geht es darum, wieviel Nettoenergie überbleibt. Wenn ich 100 Barrel Erdöl aus einem gigantischen Ölfeld in Saudi Arabien fördere, bleibt mir viel netto vom brutto (ich wende wenig Energie für die Förderung auf). 100 Barrel Erdöl aus kanadischen Ölsanden zu produzieren ist energetisch und ökologisch ein Wahnsinn – viel Energie bleibt unter dem Strich nicht über. In diesem Zusammenhang ist der neue IEA World Energy Outlook von Intersse. Denn der ominöse Peak Oil (Erdölförderhöhepunkt) für Crude Oil (Erdöl)  scheint, nach diesen Ausführungen schon 2006 erreicht worden zu sein.

conventional oil (dunkelblau) - Höhepunkt der Förderung 2006

crude oil (dunkelblau) - Höhepunkt der Förderung 2006

Die Zeit der billigen Energie ist vorüber und das ist die eigentliche Gefahr für unser Pferd, das kreditfinanziert läuft. Wenn die Zukunft von teureren Energiepreisen bis hin zu Versorgungsengpässen gekennzeichnet ist, sind steigende Finanzierungskosten (Kreditkosten) die Folge. Dieser absehbare Porzess schafft problematische Rahmenbedingungen für unser Wachstumssystem.

Das Thema der seltenen Erden, die im Moment zu 97% von China gefördert werden und deren Export China im letzten Jahr um 40% gedrosselt hat, ist nur ein weiteres brisantes Thema auf der vielfältigen Ressourcenfront.

Was kommt auf uns zu?

Was auf uns zu kommt, ist voherzusehen – immer davon ausgehend, dass die bestehenden Wirtschaftsmuster nicht verändert werden. Dennis Meadows spricht davon, dass sich unsere Welt in den nächsten 20 Jahren stärker ändern wird, als in den letzten 100 Jahren. Fredmund Malik bezeichnet es als große Transformation. Die Frage, die niemand seriös beantworten kann ist, wann passiert was, wie ist der Ablauf dieser Transformation. Transformation bedeutet für mich aber immer, dass sich die Dinge gravierend verändern werden. Im Mittelpunkt der Veränderung wird meiner Meinung nach die Tatsache stehen, dass in einer Welt mit bald 8-9 Milliarden Menschen ein Wachstumssystem nicht funktionieren kann. Zumindest wenn es auf materielles Wachstum angewiesen ist und wir berücksichtigen, dass momentan 20% der Weltbevölkerung 80% der Ressourcen verbrauchen. Je schneller wir als Gesellschaft verstehen, dass wir das Pferd auswechseln müssen, desto besser für alle Beteiligten (Mensch & Natur).



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Gefangen in der Zwickmühle

Vor wenigen Tagen titelte orf.at mit “Weniger Konsum als Chance sehen”. Zur Sprache kommt, dass wir zuviel Ressourcen verbrauchen und dass sich der Konsum seit den 60er-Jahren versechsfacht hat. Berücksichtigt man die Bevölkerungsentwicklung, kann noch immer eine Verdreifachung festgestellt werden. Es ist zuviel, genug, aus die Maus. So kann es nicht weiter gehen, wir verbrauchen zuviele Ressourcen, wird vorgerechnet. Volle Unterstützung von meiner Seite.

Konsumieren wir zuviel? [Quelle:Webkonsum.de]Auch wird weiter unten im Artikel richtig festgestellt, dass der Mensch sich durch den Konsum definiert, dass er auf diese Weise sein Grundbedürfnis – soziale Anerkennung – zu erreichen sucht.  Einem Wertewandel zu weniger Konsum wird eine Zeitspanne von mehreren Jahrzehnten bis hin zu einem Jahrhundert in Aussicht gestellt.

Doch, dass es für unsere Wirtschaft keine Alternative zum überbordenden Konsum gibt, wird nicht angesprochen. Wenn das BIP in Amerika zu ca. 75% von den Konsumausgaben der Amerikaner abhängig ist,  wird ein “freiwilliger” Konsumverzicht die Wirtschaft über die Klippe stoßen an der sie bereits steht. Es ist eigentlich abartig, dass wir ein Wirtschaftssystem betreiben, dass nur funktioniert wenn die Gesellschaft über die Maßen konsumiert. Wie wir wissen, wäre die Wirtschaftsleistung von 2008 ohne masssive Verschuldung nicht zustande gekommen.  Jetzt stehen wir vor massiven Überkapazitäten und der großen Sorge, dass der Konsum ausbleibt. An der anderen Ecke rufen die Weitsichtigen, dass der Ressourcenverbrauch eingeschränkt werden soll, weniger Konsum. Als Gesellschaft sind wir mit unserem Wirtschaftsmodell in einer Zwickmühle angelangt.

Betrachtet man die sich abzeichnenden Trends (steigende Energiekosten, Wandel zur Sinngesellschaft, zunehmende Empatie, zunehmende Überschuldung) dann wird der Konsum in absehbarer Zeit rückläufig werden.  Gut für die Umwelt, schlecht für die Wirtschaft, womit wir wieder bei einem zentrale Punkt angekommen wären: Geht`s der Wirtschaft gut, geht`s uns allen gut….oder doch…geht`s der Natur gut, geht`s uns allen gut!?



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